Goethe_FM Von Folkmusik bis Hip Hop

Liedermacher als eigener Typus Musiker, die nicht nur politische, gesellschaftskritische und manchmal skurrile, poetische Texte selbst verfassten, sondern meist auch persönlich vortrugen, betraten in den frühen Sechzigerjahren die Szene.
Ralf Dombrowski

Zu den bekannten Liedermachern gehörten Künstler wie Reinhard Mey, Franz Josef Degenhardt, Dieter Süverkrüp oder Hannes Wader, die in den folgenden Jahren oft mit klaren politischen Stellungnahmen die Ära der Studentenbewegung und der Außerparlamentarischen Opposition begleiteten.
Die Szene organisierte sich, es entstanden Zeitschriften wie das Folk-Magazin, Sing In oder Song sowie Verlage oder Alternativ-Label wie Trikont.



Die Szene in der DDR ging in dieser Zeit einen eigenen Weg, soRalf Dombrowski. Die Ausbürgerung von Wolf Biermann 1976, der bald darauf Nina Hagen, Klaus Jentzsch, Gerulf Pannach und Bettina Wegner folgten, sprachen eine andere Sprache. Sie gehörten zu den Initiatoren eines Aufrufs, der die Demokratisierung und den Dialog im Lande einforderte.
Die junge und sehr weit gefächerte Szene, sogenannte Hamburger Schule, widmete sich im Anschluss an die Phase der Neuorientierung in den späten Achtzigerjahren mit neuem Selbstbewusstsein der Erkundung individueller und gesellschaftlicher Verfasstheiten, schreibt Dombrowski in seinem Artikel Liedermacher - Eine Frage der Aussage.

Die erfolgreichsten Musiker

Herbert Grönemeyer gehört neben Udo Lindenberg zu den populärsten zeitgenössischen Musikern in Deutschland. Seit 1984 konnten sich alle seine deutschsprachigen Studioalben auf Platz eins der deutschen Musikcharts platzieren. Die Single Mensch war Grönemeyers bislang erfolgreichstes Lied. Das gleichnahmige Album verkaufte sich 3,7 Millionen Mal und ist damit das meistverkaufte Album in der deutschen Musikgeschichte.
Herbert Grönemeyer beim Konzert der Im Jahre 1994 lud der Musiksender MTV Grönemeyer als ersten nicht-englischsprachigen Künstler in die Fernsehsendung MTV Unplugged ein.

Hip Hop ist kein CNN der Ghettos

Durch die Kommerzialisierung des Rap in den Vereinigten Staaten gelangten Rap und Hip-Hop Anfang der 1980er-Jahre auch nach Deutschland und verbreiteten sich durch Schallplatten, Filme und vor allem durch die in Deutschland stationierten amerikanischen Soldaten.

Merken Sie auch Infografik der deutschen Hip Hop Szene

Die Fanta Vier

„Es ist die da / mit dem dicken Pulli an/ Mann – Freitags ist sie nie da´...,“ zittiert Jonathan Fischer die berühmte Hip Hop Band und schreibt weiter: Es waren solche harmlos klingenden Zeilen, die 1992 den kommerziellen Siegeszug des deutschsprachigen Raps einläuteten. Die Single Die Da?! der bisher kaum über ihren Heimatort Stuttgart bekannten Rapper Die Fantastischen Vier stürmte die Spitze der deutschen Pop-Charts. Und Hip-Hop schien plötzlich viel größer als Jugendzentren und Sprüher-Cliquen. Führten doch die Mittelschichtskinder aus Schwaben den Anspruch ad absurdum, dass deutscher Hip-Hop in Anlehnung an die amerikanischen Vorbilder „das CNN der Ghettos“ sein müsse. Sie trafen vielmehr mit Humor und Sprachwitz die Lebenswirklichkeit der bürgerlichen Mitte Deutschlands und wurden dabei von einer großen Plattenfirma unterstützt.
Die Fantastischen Vier leisteten Pionierarbeit: Ihre Songs brachten viele deutsche Jugendliche zum ersten Mal in Kontakt mit Hip-Hop in der eigenen Sprache.

In der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre erlangte deutschsprachiger Rap eine nie dagewesene Popularität. Deutschsprachiger Hip-Hop definierte sich nun vor allem über intelligente und gegen das Klischee gebürstete Raps. Man konnte mit der deutschen Sprache spielen, sie verbiegen, umdichten oder auch ganz neu erfinden. Hier punkten etwa Kinderzimmer Productions aus Ulm mit Songs wie Kickstart mein Hirn/ Boombox mein Herz, Blumentopf aus München, Amewu aus Berlin oder die Absoluten Beginner. Deren erste Single aus dem Jahre 1996 titelte augenzwinkernd: Die Kritik an den Platten kann die Platten der Kritik nicht ersetzen, beschreibt Jonathan Fischer die Szene.
Provokateure wie Sido, der stets mit silberner Totenkopf-Maske auftrat und in Hits wie Mein Block das harte Straßenleben des Märkischen Viertels in Berlin beschworen.

Die Blüte der Rap

Um die Jahrtausendwende blühte der Gangsta-Rap in Deutschland auf: Battle-Rapper wie Kool Savas, Bushido oder Azad übernahmen die Bühne. Besonders das Label Aggro Berlin forcierte diese Entwicklung.
Die Stilisierung Berliner „Problembezirke“ zu gefährlichen Ghettos zahlte sich kommerziell aus: Sido und Bushido verkauften ihre Alben hunderttausendfach. Ende 2009 allerdings löste ein neuer Trend den Gangster-Rap ab: Zwischen Hip-Hop, Reggae und Soul agierende Songwriter wie Patrice, Jan Delay oder Seeed und deren Frontmann Peter Fox verbanden auf charmante Weise deutsche Lyrics mit afroamerikanisch-jamaikanisch geprägter Musik.

Die zeitgenösissche Szene

Kommerziell erfolgreiche Rapper sind auch Bushido, Kollegah, Kool Savas, Prinz Pi, Cro, Seeed und Peter Fox, Samy Deluxe, Casper, Marteria, Jan Delay, Farid Bang, Favorite oder Fler.

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