Allgemein
Seit dem 11. Jahrhundert ließen sich deutsche Handwerker, Kaufleute und Weinbauern in der Westslowakei nieder. Ab dem 13. Jahrhundert wurden Gebiete der heutigen Slowakei systematisch von Deutschen in größerer Zahl besiedelt, meist aus wirtschaftlichen Gründen heraus. Im 14. Jahrhundert lebten Deutsche in 479 Orten und stellten circa 20% der Gesamtbevölkerung. Im Hauerland waren Deutsche besonders im Bergbau tätig, in der Mittelslowakei in der Holzindustrie und in der Zips meist als Landwirte und Handwerker.
Name
Der Historiker und Ethnologe Raimund Friedrich Kaindl (1866-1930) befasste sich mit der Geschichte der Deutschen in Ostmitteleuropa und prägte den Namen „Karpatendeutsche“ als Bezeichnung für die in der Slowakei und Transkarpatien (Ukraine) lebenden Deutschen.
Sprache
Durch die Ansiedlung über einen längeren Zeitraum hinweg sowie aus unterschiedlichen Regionen Deutschlands heraus waren die Dialekte der deutschen Siedler*innen sehr unterschiedlich. Nach der Ankunft war der Kontakt zu deutschen Ländern unterbrochen, sodass die ursprünglichen sprachlichen Formen erhalten blieben. Auch erlaubte die geographische Trennung der Siedlungsgebiete keine Bildung eines einheitlichen karpatendeutschen Dialektes.
Nationalsozialismus und Vertreibung
1939 wurde die Slowakei zu einem autonomen, autoritären Staat unter dem Einfluss von Nazi-Deutschland. Die Deutsche Partei (DP) war als einzige noch zugelassene Organisation der Karpatendeutschen auf dem Führerprinzip und Grundsätzen des Nationalsozialismus aufgebaut. Antisemitismus und nationalsozialistische Agitationen der etwa 60.000 Mitglieder sowie der assoziierten Verbände und Organisationen der DP führten zur Entfremdung zwischen Deutschen und Slowak*innen. Jedoch waren nicht alle Karpatendeutschen mit der Politik der DP-Parteiführung einverstanden. Viele gewährten verfolgten Jüd*innen eine Zuflucht und einige Hundert schlossen sich dem Widerstand und dem Slowakischen Nationalaufstand (SNP) an.
Mit den Niederlagen Deutschlands an der Ostfront wuchs 1944 auf der Widerstand und die Feindseligkeit gegen Deutsche in der Slowakei. Aus Angst vor der vorrückenden Roten Armee verließen bis zum Ende des Krieges ca. 100.000 Karpatendeutsche die Slowakei. Nach Ende des Krieges wurde den verbleibenden Deutschen die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft entzogen und ihr Eigentum konfisziert. Ausgenommen von diesen Maßnahmen waren Antifaschist*innen und in gemischten Ehen lebende Deutsche. Die andauernde Diskriminierung führte zu einem starken Assimilationsdruck, dem Verlust des nationalen Bewusstseins der Karpatendeutschen und damit auch einem steilen Rückgang der Anzahl der Deutschen in der Slowakei.