Fair-Trade-Mode Fair, Fein – und trotzdem Fashion

Gundara, Glückliche Laura
Gundara, Glückliche Laura | Foto: Ulrika Walmark

Die Zeiten, in denen fair gehandelte Mode schon mal aus Mitleid gekauft wurde, sind wohl vorbei. Dabei wird die Frage, wer Kleidung herstellt und wie das geschieht, immer wichtiger. Labels wie Gundara, Lanius oder Armed Angels geben jetzt modische Antworten, die viele Fair-Trade-Projekte vom biederen Öko-Image befreien.

Gundara, Shopper Gundara, Shopper | Foto: Jean Amat Amoros Noch während ihrer Zeit als Entwicklungshelferin in Kabul war Gunda Amat Amoros 2007 die kleine Ledermanufaktur von Mohammed Yaqub in Kabul aufgefallen. Seine Taschen, aus feinstem Ziegenleder und hochwertig verarbeitet, fanden allerdings nur wenig Käufer. Bis auf Politologin Amat Amoros, die so überzeugt war von Material und Verarbeitung der Ware, dass sie engagiert und ohne Vorkenntnisse erste Taschenmodelle nach ihren Vorstellungen für sich und ihre Freunde entwarf. Diese Modelle, die zum Beispiel mehr Innentaschen als die bisher dort produzierten hatten, konnte sie sofort im Freundes- und Bekanntenkreis verkaufen. Und zwar so gut, dass ihr Ehemann, Jean Amat Amoros, Entwicklungshelfer und Geograf, sie überzeugte, gleich einen ganzen Katalog mit Modellen herauszubringen. „Und damit begann die Geschichte des Labels Gundara“, erinnert sich Gunda Amat Amoros.

Johanna Riplinger, Kollektion Herbst/Winter 2015 Johanna Riplinger, Kollektion Herbst/Winter 2015 | Foto: Sarah Dulay Als die beiden 2009 zurück nach Berlin gingen, bauten sie ihr Netzwerk und ihr Angebot weiter aus. Jean Amat Amoros kümmert sich seitdem um den Onlineshop und erweitert nach und nach das Angebot. Zu Mohammed Yaqubs Taschen aus Kabul kamen weitere von Gunda Amat Amoros designte Modelle, die unter anderem in einer Kooperative für körperbehinderte Männer in Burkina Faso hergestellt werden. Dazu sind Plaids aus Pakistan, Babouche-Schuhe aus Marokko, Tuareg-Schmuck aus dem Niger und Seidenschals aus Nordafghanistan im Angebot. Bei allen Produkten bleibt der Anspruch der beiden, 30 Prozent des Verkaufspreises an die Produzenten zurückzugeben, keine Zwischenhändler zu akzeptieren, und so Handwerkern eine langfristige Perspektive zu bieten, das Wichtigste. „Aber gut aussehen sollen die Sachen schon auch“, betont Gunda Amat Amoros, „das soll niemand aus Mitleid kaufen müssen.“

Hochwertige Mode, fair hergestellt

LANIUS Kollektion Herbst/Winter 2015 LANIUS Kollektion Herbst/Winter 2015 | © LANIUS Das ist eine Aussage, die Claudia Lanius vom gleichnamigen Modelabel in Köln unterschreiben kann. Seit 1999 bietet sie hochwertige Kollektionen aus Seide, Wolle, Leder oder Leinen an. Alle ihre Rohstoffe sind nach dem GOTS (Global Organic Textil Standard) zertifiziert und ihre Wolle ist tierfreundlich gewonnen. Die Bio-Baumwolle bezieht sie zum Bespiel über die Schweitzer Remei AG, die in Indien Kooperativen bei Infrastruktur- und Schulbau unterstützt.

LANIUS Kollektion Herbst/Winter 2015 LANIUS Kollektion Herbst/Winter 2015 | © LANIUS Ein Teil des Erlöses verkaufter Print-Shirts von Lanius fließt aber nicht nur über Lieferant Remei, sondern auch ganz direkt von Lanius in diese Projekte. Die Kollektionen sind zeitlos schick mit ein paar Trend-Teilen, die sich auch in deutschen Modemagazinen wiederfinden. Damit ist Lanius, neben Alma und Lovis, Lana oder der Newcomerin Johanna Riplinger, eines er wenigen deutschen Labels, das es geschafft hat, ökologisch einwandfreie Stoffe, fair bezahlte Arbeit und Modeanspruch für erwachsene Frauen zusammenzubringen.
 

Erfolg mit Basics – dank Unterstützung deutscher Prominenz

Das gelingt sonst in Deutschland oft nur niedrigpreisigen T-Shirt-Labels wie dem angesagten Armed Angels. Die Kölner Anton Jurina und Martin Höfeler haben es, mit prominenter Unterstützung von Schauspielern und Sängern, geschafft, auch bei unter Dreißigjährigen ein Bewusstsein für Arbeitsbedingen und Rohstoffe in der Modeindustrie herzustellen. Mit ihren frischen Designs und dem hohen Wiedererkennungswert ihres Logos haben sie es bis in einige große deutsche Warenhäuser gebracht.

Kein Ökodesign – aber trotzdem ein Ökoprodukt

Alma & Lovis, Kollektion Frühling/Sommer 2015, Eco Fashion Alma & Lovis, Kollektion Frühling/Sommer 2015, Eco Fashion | © Gundara aus Berlin hatte dagegen bis jetzt ausschließlich einen Onlineshop. Aber ab Herbst 2015 gibt es die Taschen, Teppiche und Teeschalen des Labels auch im eigenen Laden in Kreuzberg zu kaufen. Gerade für das Taschen-Label mit seinen Lederprodukten ist das wichtig, denn es gab schon Kunden, die Taschen zurückgeschickt haben, „mit der Begründung, dass da kleine Punkte drauf seien“, wie Jean Amat Amoros ausführt. Das Problem sei, dass die Kunden natürlich gegerbtes Leder wollen, fair gehandelt und hergestellt, aber trotzdem ein perfekt aussehendes Industrieprodukt sehen möchten. „Kleine Strukturverläufe oder natürliches Nachdunkeln werden da schon als Fehler wahrgenommen“, so Amoros weiter, der auch schon Taschen zurückgeschickt bekam mit der Begründung „sie rieche nach Tier“. Ledertaschen, die direkt nach dem Auspacken ein bisschen nach Tier riechen, das ist etwas, woran sich Modekunden wohl erst wieder gewöhnen müssen. Auch wenn das Design nicht mehr sehr „öko“ ist, das Material ist es in diesem Fall eben ganz sicher.