Ein Erster Platz und viele neue Freunde Thailändische Siegerin bei IDO

IDO thailändisches Team
© Goethe-Institut

So richtig fassen kann es Pinprapha Phuetphol immer noch nicht: Als eine von 140 Schülerinnen und Schülern aus 43 Ländern reiste sie im Juli mit Unterstützung des Thailändischen Deutschlehrerverbands (TDLV), der thailändischen Schulbehörde OBEC und des Goethe-Instituts von ihrer Heimatstadt Bangkok aus nach Freiburg, um an der Internationalen Deutsch-Olympiade teilzunehmen.

Und als nach den zwei Wochen dauernden Wettbewerben die Sieger gekrönt wurden, da hieß es in der „Fortgeschrittene Anfänger“-Kategorie A2: Erster Platz für  Pinprapha Phuetphol.

„Ich war völlig sprachlos“ berichtet die 17-Jährige, die von ihren Eltern und Freunden in der Kurzform nur Pao Pao genannt wird. Sie habe vor lauter Überraschung gar nichts sagen können. „Mir fehlten wirklich die Worte.“
 
Nie hätte sie an so einen Erfolg gedacht, als sie vor rund drei Jahren mit dem Deutschunterricht begann, sagt die Jugendliche. Warum sie Deutsch als zweite Fremdsprache (nach dem in Thailand obligatorischen Englisch) wählte? „Deutsch klingt sehr schön!“ Das habe sie das erste Mal gemerkt, als sie ein deutsches Lied gehört habe: „Frei und schwerelos.“

Pao Pao hatte Glück. Ihre Bangkoker Schule „Triam Udomsuksa“ ist eine der weltweiten Pasch-Schulen, an der mit Unterstützung des Goethe-Institutes Deutsch als Fremdsprache angeboten wird. Aller Anfang war auch für die 17-Jährige schwer: „Deutsch unterscheidet sich sehr von Thai, meiner Muttersprache“, sagt sie. So gebe es in ihrer Muttersprache keine Artikel wie „der, die, das“.

Begeistert von Freiburg

Trotzdem ging es mit dem Lernen – sechs Schulstunden in der Woche - schnell und vor allem erfolgreich voran: Im vergangenen Jahr war Pao Pao bereits im Rahmen eines Pasch-Austauschprogramms das erste Mal in Deutschland, in Celle.
 
Und nun also die Internationale Deutscholympiade, die das Goethe-Institut und der Internationale Deutschlehrerverband alle zwei Jahre organisieren. Noch ganz genau kann sich das Mädchen an seine Ankunft in Freiburg erinnern. „Ich war sehr, sehr aufgeregt. Ich hatte keine Ahnung, was ich tun soll.“ Selbst Angst habe sie ein bisschen gehabt, gesteht Pao Pao. Aber dann seien alle so freundlich gewesen. „Es war sehr, sehr einfach, Freunde kennenzulernen.“

Und auch die Wettbewerbe haben Pao Pao Spaß gemacht. So habe sie eine Wandzeitung gestaltet zum Thema „Natur und Umwelt“, denn das habe sie in Freiburg fasziniert: „Freiburg war ganz, ganz toll.“ Die Stadt gelte als „grüne Stadt“ -  und das nach den Erfahrungen des Teenagers aus Thailand zu Recht. „Viele Leute fahren Fahrrad. Viele Häuser haben Solarplatten. Es gibt so viele Mülleimer für Mülltrennung. Und Stoff-Tüten.“ Das alles sei „ganz anders als Thailand“.

So begeistert ist Pao Pao von dieser „schönen Stadt“, dass sie unbedingt einmal mit ihren Eltern und der älteren Schwester nach Freiburg reisen will. Und nach der Schule will sie unbedingt Deutsch studieren – idealerweise in Kombination mit Psychologie. „Und ich möchte auch Deutsch in meinem Beruf nutzen.“

Viele Freunde, weit entfernt

Ebenfalls Deutsch nutzen für seinen künftigen Beruf will Pao Paos Mitschüler Andaman Saisrithong, der zweite Olympionike aus Thailand. Sein Traum ist es, erst in Thailand Jura zu studieren und dann Jura oder Politik in Deutschland. Der Jugendliche wird von allen nur Caesar genannt. „Wie der Kaiser“, sagt stolz der 17-Jährige, dem in Freiburg unter anderem das deutsche Essen begeistert hat.

Bei der Olympiade selbst mochte er vor allem die Gruppen-Wettbewerbe. Dabei habe er mit drei anderen Teilnehmern ein Theaterstück zum Thema „Eine Welt ohne Hobbys“ entwickelt, geprobt und aufgeführt, erzählt Caesar. Alle vier hätten sich super verstanden. Überhaupt seien alle Olympiade-Teilnehmer jetzt Freunde. „Wir haben sogar eine eigene WhatsApp-Gruppe gegründet.“

Auch Pao Pao frequentiert diese Gruppe immer wieder. Und dann gebe es natürlich auch noch direkte Kontakte, sagt sie. „Ich habe jetzt so viele Freunde, die so weit von mir entfernt leben. Das ist ganz toll.“
 
Zum Beispiel hat die Schülerin jetzt eine Freundin aus Mexiko. Mit ihr habe sie noch am Morgen vor Schulbeginn getextet. „Sie hat mir ein Foto aus Mexiko geschickt und ich habe auch meine aus Thailand geschickt“, erzählt die 17-Jährige aufgeregt. Total begeistert spricht sie immer wieder über all die anderen Teilnehmer, so dass sich eine Frage aufdrängt: „Hand aufs Herz: Was ist Dir wichtiger – der Erste Platz bei der Olympiade oder die neuen Freunde?“ Für die Antwort muss Pao Pao kurz überlegen, doch dann legt sie sich fest: „Meine neuen Freunde.“