Taichung Girls' Senior High School - Yang, Y.
Schulen: Partner der Zukunft

Es war die Vision meiner Eltern, als ich damals meine Wünsche für die Oberschule ausfüllte: Sie wollten, dass ich die Taichung Girls' Senior High School besuche, um die Chance zu bekommen, am PASCH-Programm teilzunehmen. Damals war ich skeptisch und glaubte nicht wirklich, dass ich das Zeug dazu hätte, so eine tolle Möglichkeit für eine Lernreise nach Deutschland zu erhalten. Doch zwei Jahre später habe ich es tatsächlich geschafft – und es wurde der unvergesslichste Sommer meines Lebens.

Nachdem ich mich am Flughafen Taoyuan mit den anderen Freunden aus Taiwan getroffen hatte, begann unsere Deutschlandreise. Nach einem Umstieg in Istanbul landeten wir am Flughafen Hannover. Kaum hatten wir die Zollkontrolle passiert, trafen wir schon auf Jugendliche aus anderen Ländern. Zu diesem Zeitpunkt war mein Deutsch noch sehr holprig. Obwohl ich das A1-Zertifikat bestanden hatte, beschränkten sich meine mündlichen Fähigkeiten auf eine ganz einfache Selbstvorstellung, und ich traute mich nicht, weiter ins Gespräch zu gehen. Zum Glück konnten die Jugendlichen aus allen Ländern Englisch sprechen, sodass ich mich öffnen, mich austauschen und gemeinsam Späße machen konnte.
Nach der Busfahrt nach Goslar spürten wir beim Aussteigen sofort die ruhige und friedliche Atmosphäre der Kleinstadt. Das Camp-Gelände verfügte über einen riesigen Hügel mit saftig grünem Rasen, auf dem wir nach Herzenslust spielen und Sport treiben konnten. Umgeben von Bergen, lauschten wir abends den Geräuschen der Insekten und Vögel. Überall gab es Tische und Stühle, die uns dazu einluden, Sprachen auszutauschen und andere Kulturen kennenzulernen. Schon am ersten Tag in Goslar habe ich mich ganz tief in diesen Ort verliebt.

Jeder Morgen begann mit zwischenmenschlichen Begegnungen: Wir frühstückten immer zusammen mit Jugendlichen aus verschiedenen Ländern – mal aus der Slowakei, mal aus Großbritannien, mal aus der Türkei. Die Zeit am Esstisch war die beste Gelegenheit des Tages, um mit anderen in Kontakt zu kommen. Wir fragten uns immer gegenseitig: Für welche Aktivität am Nachmittag entscheidest du dich heute? Wie hast du letzte Nacht geschlafen? Was für tolle Sachen hast du gestern gemacht? Unsere Gespräche waren bunt gemischt und reichten von Sprachdiskussionen bis hin zum Schulalltag.

Danach begann mit dem Unterricht bei unserer Lehrerin Hannadi der alltägliche Lernablauf. Das Konzept, dass der Unterricht komplett auf Deutsch stattfand, war für mich anfangs sehr gewöhnungsbedürftig, weil ich vieles nicht verstand. Doch nach einigen Tagen merkte ich, dass ich den Großteil der Inhalte verstehen konnte, was mir riesiges Selbstvertrauen gab. Zudem war die Unterrichtsgestaltung sehr lebendig und unterhaltsam: Die Lehrerin ließ uns ständig Spiele spielen und in Gruppen über Fragen diskutieren. Wenn wir ein Wort oder eine Grammatikregel nicht verstanden, erklärte sie es uns geduldig. Sie hatte keine Angst vor zu vielen Fragen, sondern befürchtete nur, dass man eine Frage hatte und sie nicht stellte. Durch diese 20 Tage Unterricht hat sich nicht nur mein Hörverständnis verbessert, sondern ich habe auch die Angst vorm Sprechen verloren.
  台中女中 楊O綺 © 楊O綺提供 Die Nachmittagsaktivitäten nach dem Unterricht waren der Teil, auf den ich mich am meisten freute. Das vielfältige und spannende Angebot sorgte dafür, dass ich nach Schulschluss sofort zum Brett mit den Anmeldelisten rannte, um meinen Namen einzutragen. Von Sportarten wie Tischtennis, Volleyball, Basketball, Wasserspielen, Flaggenraub und Wandern über seelenwärmende Kurse wie Collage-Basten, Marmeladekochen, Beauty-Abend, Postkarten gestalten und Yoga bis hin zu Unterhaltungsangeboten wie Karaoke, Pub-Quiz und der Farbsuche – jeden Tag war mein Zeitplan krachend voll mit tollen Aktivitäten. Es war zwar ein wenig anstrengend, aber unglaublich erfüllend! Mir wurde klar, dass man den Nachmittag nach der Schule keineswegs nur mit dem Smartphone oder Fernsehen vergeuden muss, sondern dass es so viele verschiedene Möglichkeiten gibt, ihn zu gestalten. Das hat meine Sehnsucht nach dem Leben in Europa noch weiter verstärkt.

Auch die Wochenenden gehören zu meinen unvergesslichsten Momenten. Wir entdeckten die herzliche Gastfreundschaft der kleinen Stadt Goslar, die wunderschöne Landschaft und das angenehme Klima. Wir besuchten die alte Kaiserpfalz, gingen ins Kunstmuseum und betraten die ehrwürdige Kirche von Goslar für einen Gottesdienst. Ausgerüstet mit Schutzhelmen stiegen wir tief in das unterirdische Bergwerk hinab. Wir besuchten die Universität Göttingen, tauschten uns mit Studierenden aus, nutzten die freie Zeit für vietnamesisches Essen sowie Malatang und stießen unterwegs sogar auf eine Pride-Demonstration (CSD). Wir besuchten ein super spannendes Museum in Wolfsburg und tranken dort Bubble Tea. Wenn wir abends ins Camp zurückkehrten, gab es PyjamPartys und Sommerfeste, wie ich sie in Asien noch nie erlebt hatte. Jugendliche aus allen Ländern sangen und tanzten lautstark unter buntem Licht, und die Stimmung war riesig. In diesem Moment wirkten wir wie eine Gruppe alter Freunde, die gemeinsam das Ende ihrer Jugend wild feierten.
  台中女中 楊O綺 © 楊O綺提供 Meine absolute Lieblingsaktivität war der Länderabend. Jedes Land sollte eigene Musik aufführen oder die eigene Kultur vorstellen. Wir Taiwaner führten das Volkslied Diu Diu Dang Ah und den Pop-Song Wu Le Bu Zuo auf. Nach intensivem Üben erhielten wir am Ende unseres Auftritts tosenden Applaus vom gesamten Publikum. Einige kamen sogar zu mir und sagten, dass ich meine Sache toll gemacht hätte, was mich extrem gerührt und begeistert hat. Es war auch unglaublich interessant, den leidenschaftlichen Auftritten anderer Länder zuzuschauen – egal ob Tanz, Gesang oder Theaterstück. Als am Ende alle zusammen das Lied Geile Zeit anstimmten, erreichte die Stimmung ihren absoluten Höhepunkt. Wir schwenkten unsere Nationalflaggen, schrien und tanzten; selbst als die Kehle heiser wurde, war es uns das wert. Ich vermisse den Moment, als wir gemeinsam laut das Wort „Anders“ riefen, alle Sorgen fallen ließen und den schönsten Augenblick schätzten. Schließlich machten alle zusammen mit ihren Nationalflaggen ein großes Gruppenfoto, um diesen Moment, in dem „alle stolz auf ihr eigenes Land waren“, für immer festzuhalten.

Am Abend endete der Tag genauso, wie er begonnen hatte: mit zwischenmenschlichem Austausch. Beim nächtlichen Abendrunde auf den jeweiligen Etagen saßen die Bewohner desselben Stockwerks im Wohnheim im Kreis zusammen. Wir erzählten auf Deutsch, was am Tag passiert war, was uns gefreut hatte und was nicht so gut gelaufen war, bevor wir uns in unseren jeweiligen Landessprachen eine gute Nacht wünschten und auseinandergingen. Zurück im Zimmer ging der Austausch weiter: Ich chatte mit meiner slowakischen Zimmernachbarin, und ein Mädchen aus der Slowakei aus dem Nachbarzimmer gesellte sich ebenfalls dazu. Von unseren Zukunftsträumen und -plänen über die kleinen Schwärmereien unter Jugendlichen bis hin zum Austauschen von heißem Klatsch aus dem Camp – wir unterhielten uns oft so blendend, dass wir gar nicht merkten, wie schnell eine Stunde verging, ehe wir uns schweren Herzens verabschiedeten.

In diesen kurzen 21 Tagen habe ich viele herzliche und freundliche Freunde aus aller Welt gewonnen, engagierte und lebendige Betreuer kennengelernt und meine Deutschlehrerin Hannadi ins Herz geschlossen. Nicht nur meine Deutschkenntnisse haben sich riesig verbessert, sondern ich habe auch die A2-Prüfung bestanden. Obwohl diese Reise kurz war, hat sie meine gesamten Zukunftspläne und Ziele verändert. Sie hat mir den Blick für die Welt geöffnet und mir gezeigt, dass es da draußen noch Orte gibt, die es wert sind, von mir erkundet zu werden.

Mein Dank gilt auch den taiwanischen Freunden, die mit mir dort waren. Sie haben dafür gesorgt, dass ich mich auch in einer fremden Umgebung ganz wie ich selbst fühlen konnte. Sie waren diejenigen, die mir Dinge geduldig erklärten, wenn ich etwas nicht verstand. An einem fremden Ort gaben sie mir ein Gefühl der Geborgenheit und Zugehörigkeit, weil ich wusste, dass sie jeden meiner Vorschläge verstehen und unterstützen würden. Danke an das PASCH-Programm, das meinem bisherigen 17-jährigen Leben die intensivste und leuchtendste Erinnerung hinzugefügt hat.