Entdecken Sie Lebenswege, Entscheidungen und Stimmen in acht Filmen beim KinoFest 2026! Die jährliche deutsche Filmreihe des Goethe-Instituts kehrt nach Hanoi, Ho-Chi-Minh-Stadt, Hue, Hai Phong und Da Nang zurück und präsentiert vielfältige Perspektiven und Erzählweisen des deutschen Gegenwartskinos.
Über das KinoFest
Von historischen Dramen und gesellschaftlichen Konflikten über Humor und nachdenkliche Geschichten bis hin zum Animationsabenteuer: Die diesjährigen Filme erzählen von der Suche nach dem eigenen Platz in der Welt. Was geschieht, wenn persönliche Wünsche auf familiäre Erwartungen oder gesellschaftlichen Druck treffen? Wie finden wir unsere eigene Stimme und lernen zugleich, anderen zuzuhören? Mit Humor, Konflikten und unerwarteten Begegnungen lädt das Programm dazu ein, andere Lebenswelten kennenzulernen.
Zu den Höhepunkten gehören die auf der Berlinale 2026 ausgezeichneten Filme Gelbe Briefe und Rose sowie Publikumsgespräche mit Hauptdarsteller Bruno Alexander bei den Vorführungen von Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke in Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt.
Coming-of-Age / Tragikomödie, 2026, 136 Minuten
Regie: Simon Verhoeven
Autor: Simon Verhoeven (nach dem Roman von Joachim Meyerhoff)
Altersfreigabe: T13
Sprache: Deutsch mit englischen und vietnamesischen Untertiteln
Historiendrama, 2026, 94 Minuten
Regie: Markus Schleinzer
Autoren: Markus Schleinzer, Alexander Brom
Altersfreigabe: T16
Sprache: Deutsch mit englischen und vietnamesischen Untertiteln
Drama / Sozialdrama, 2025, 94 Minuten
Regie: Julia Roesler
Autorinnen: Silke Merzhäuser, Julia Roesler
Altersfreigabe: T16
Sprache: Deutsch mit englischen und vietnamesischen Untertiteln
Wie weit können wir unser Leben selbst bestimmen? Was geschieht, wenn persönliche Wünsche auf die Erwartungen der Familie, der Gemeinschaft oder auf gesellschaftlichen Druck treffen? Und wie können Menschen einander zuhören, sich verstehen und miteinander in Verbindung treten, auch wenn ihre Lebenserfahrungen sehr unterschiedlich sind?
Diese Fragen ziehen sich durch die acht Filme des KinoFest 2026, der jährlichen deutschen Filmreihe des Goethe-Instituts in Vietnam. Von historischen Dramen und gesellschaftlichen Erzählungen über Humor und nachdenkliche Betrachtungen bis hin zum Animationsabenteuer eröffnet das Programm unterschiedliche Zugänge zum Leben. Dabei sucht es nach Berührungspunkten zwischen Schicksalen, Epochen und scheinbar weit voneinander entfernten Welten.
Das Recht auf Selbstbestimmung und sein möglicher Preis treten in Markus Schleinzers Rose und İlker Çataks Gelbe Briefe besonders deutlich hervor. In Rose wirft die Geschichte einer Frau, die im 17. Jahrhundert unter männlicher Identität lebt, Fragen nach gesellschaftlich gesetzten Geschlechtergrenzen auf – und nach der Möglichkeit, diese zu überwinden, um sich ein anderes Leben aufzubauen. Gelbe Briefe begleitet ein Künstlerpaar, dessen Familienleben und berufliche Entscheidungen durch politische Umbrüche auf die Probe gestellt werden. Künstlerische Freiheit wird zur existenziellen Frage: Die eigenen Überzeugungen und die eigene Stimme zu verteidigen, kann bedeuten, die Lebensgrundlage, die persönliche Sicherheit und selbst die engsten Beziehungen aufs Spiel zu setzen. Während Rose Sandra Hüller den Silbernen Bären für die Beste Schauspielerische Leistung in einer Hauptrolle einbrachte, wurde Gelbe Briefe auf der Berlinale 2026 mit dem Goldenen Bären für den Besten Film ausgezeichnet. Beide Werke regen dazu an, über das Verhältnis zwischen Individuum und Macht nachzudenken.
Kilian Armando Friedrichs Ich verstehe Ihren Unmut, ausgewählt für die Sektion Panorama der Berlinale 2026, führt die Frage nach persönlichen Entscheidungsspielräumen in den Arbeitsalltag zurück. Unter dem Druck der Reinigungsbranche lassen sich die Grenzen zwischen Verantwortung, Kompromiss und der Notwendigkeit, den eigenen Lebensunterhalt zu sichern, nur schwer ziehen. Der Film knüpft an das Interesse an Pflege- und Bildungsarbeit an, das KinoFest in den vergangenen Jahren begleitet hat. Er richtet den Blick auf Menschen, die durch ihre häufig unsichtbare und wenig anerkannte Arbeit das gesellschaftliche Leben aufrechterhalten.
Wer gehört wird und wer für andere sprechen darf, bildet einen weiteren wichtigen Erzählstrang des Programms. In Julia Roeslers Luisa erschüttert der Verdacht auf sexuellen Missbrauch an einer jungen Frau mit Behinderung, die in einer Wohneinrichtung lebt, die Beziehungen in ihrem Umfeld. Der Film konfrontiert das Publikum mit Fragen nach Autonomie, Abhängigkeit und der Verantwortung von Betreuungspersonen. In Frauke Lodders’ Gotteskinder entfalten sich diese Spannungen innerhalb der Familie: Liebe, Identität und der jugendliche Wunsch nach Selbstentdeckung treffen auf strenge religiöse Überzeugungen. Beide Filme zeigen Familien und betreuende Institutionen in ihrer Vielschichtigkeit: Sie können Halt geben und zugleich die Selbstbestimmung des Einzelnen begrenzen.
Die Suche nach dem eigenen Platz im Leben lässt sich auch mit Humor erzählen. Simon Verhoevens Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke, eine Verfilmung des autobiografischen Romans von Joachim Meyerhoff, führt das Publikum in die Welt eines jungen Mannes zwischen Schauspielschule und dem exzentrischen Alltag seiner Großeltern. Humor verbindet sich mit Verlust und familiärer Nähe zu einer Geschichte des Erwachsenwerdens, die ebenso persönlich wie zugänglich ist. Im Rahmen des KinoFest 2026 wird Hauptdarsteller Bruno Alexander in Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt zu Gast sein und bei Publikumsgesprächen die Begegnung zwischen Film und Zuschauenden über die Leinwand hinaus fortsetzen.
Vom Zuhören unter Menschen erweitert Ildikó Enyedis Stille Freundin den Blick auf die Pflanzenwelt und andere Lebensformen um uns herum. Verbunden durch einen botanischen Garten eröffnen Lebensgeschichten aus drei historischen Zeiträumen unterschiedliche Zugänge zu Natur, Wissenschaft und Wissen. Der Film lädt dazu ein, innezuhalten, zu beobachten und die Welt jenseits vertrauter, auf den Menschen ausgerichteter Wahrnehmungsmuster zu erfahren. Die Mitwirkung von Tony Leung Chiu-wai und Léa Seydoux zeigt zudem, wie grenzüberschreitende Begegnungen das deutsche Gegenwartskino mitprägen – sowohl im kreativen Prozess als auch in den Geschichten, die es erzählt.
Der Animationsfilm The Last Whale Singer nimmt hingegen die ganze Familie mit auf eine Abenteuerreise in die Unterwasserwelt. Seine Geschichte über Mut, Freundschaft und die Suche nach der eigenen Stimme schlägt eine Brücke zu den anderen Werken des Programms und eröffnet zugleich Menschen unterschiedlicher Altersgruppen einen Zugang zum Kino.
Mit diesen acht Filmen stellt KinoFest 2026 das deutsche Kino als einen Raum vielfältiger Stimmen, kultureller Erfahrungen und Weltsichten vor. Mit seiner Rückkehr nach Hanoi, Ho-Chi-Minh-Stadt, Hue, Hai Phong und Da Nang möchte das Programm Begegnungen ermöglichen: zwischen dem Publikum und Menschen mit anderen Lebenswegen, zwischen Vertrautem und bislang ungeahnten Möglichkeiten. So wirken die Fragen nach familiärer Verbundenheit, Würde, Glauben und dem Wunsch, man selbst sein zu dürfen, über die Leinwand hinaus.
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