Courtisane - notes on cinema

Filmfestival|Filmkünstlerische Beitrage aus Deutschland

  • ARCA und Minard, Gent

  • Sprache Verschieden
  • Preis Filme: 9-13€, je nach finanziellen Möglichkeiten; Performance von KMRU: 12 Euro; Festivaltickets: von 75 – 250€.

Courtisane - notes on cinema Courtisane

Courtisane - notes on cinema Courtisane

Die Frage nach dem Zuhause zieht sich wie ein roter Faden durch das diesjährige Festivalprogramm Courtisane - notes on cinema, das vom 01. bis 05. April in Gent stattfinden wird.

Ambivalente Bedeutungsebenen von Heimat, zwischen Sehnsuchts- und Zufluchtsort, Entfremdung oder Divergenz - die 25. Filmfestival-Ausgabe untersucht, wie Exil und transklassische Perspektiven vertraute Vorstellungen von Zugehörigkeit aufbrechen und welche neuen, großzügigeren Formen des Zusammenlebens entstehen könnten, wenn gesellschaftliche Energien statt in verengte Identitätsentwürfe in offenere Welten umgeleitet würden.

Unter der Programmlinie Undercurrents präsentiert u.a. tavorträume, den letzten Kurzfilm und Abschlussprojekt der Kunsthochschule Kassel des jungen Filmemachers Leonard Volkmer. Im Measures of Distance Programm wird Klangkünstler KMRU, eine neue Soundperformance präsentieren. Wir freuen uns beide Künstler auf dem Festival begrüßen zu dürfen.

Weitere deutsche Beiträge auf dem Festival sind ebenfalls nicht zu verpassen: etwa Gernot Wielands Familienaufstellung mit einem Fuchs (Family Constellation with a Fox), der auf der letzten Berlin Biennale 2025 gezeigt wurde, oder Lemohang Jeremiah Moseses fantastischen Dokumentarfilm Mother, I Am Suffocating. This Is My Last Film About You, der 2019 auf der Berlinale Weltpremiere feierte.


 

KMRU Marco Krueger

KMRU

2026, sound performance, ca. 50 min

Freitag, der 3. April 2026 um 19:30 Uhr
Ort: Minard
                 
Joseph Kamaru, besser bekannt als KMRU, ist ein in Nairobi geborener Klangkünstler und Produzent, der derzeit in Berlin lebt. Für KMRU dient Sound als sensorisches Medium, mit dem er politische, materielle und konzeptionelle Dimensionen erforscht. Ausgehend von einem reichen Fundus an Hörerfahrungen in Nairobi und darüber hinaus erweitert er seine klangliche Praxis, um durch kreative Kompositionen, Installationen und Performances das Bewusstsein für seine Umgebung zu schärfen. Er hat unter anderem mit Niamké Désiré alias Aho Ssan, Freya Edmondes alias Elvin Brandhi und Kevin Martin alias The Bug zusammengearbeitet und seine Werke bei renommierten Labels wie Mego, Touch und Subtext veröffentlicht. Daneben ehrt er seinen Großvater und Namensvetter Joseph Kamaru – den berühmten kenianischen Aktivisten und Benga-Musiker – indem er dessen Musik neu auflegt und sein Vermächtnis des akkustischen Geschichtenerzählens fortsetzt.
 
“Different places have identifiable sonic identities relating to their specific locations and the auditory culture of the place. We are influenced by the environments we live in, but mostly not aware of them. This became apparent to me when I first traveled to Berlin and realised how different its sonic identity is from Nairobi. Sounds communicate the different senses and properties of the respective cities: Berlin has more motor sounds, while Nairobi has more sounds of people. We experience these sounds on a daily basis and it is important that we know how they affect us. If they change, they might indicate that something is different, and if we are attentive, we will notice it.”

„Verschiedene Orte haben eine erkennbare akustische Identität, die mit ihrer spezifischen Lage und der Hörkultur des Ortes zusammenhängt. Wir werden von der Umgebung, in der wir leben, beeinflusst, sind uns dessen jedoch meist nicht bewusst. Das wurde mir klar, als ich zum ersten Mal nach Berlin reiste und feststellte, wie sehr sich die akustische Identität dieses Ortes von der Nairobis unterscheidet. Geräusche vermitteln die unterschiedlichen Eindrücke und Eigenschaften der jeweiligen Städte: In Berlin hört man mehr Motorengeräusche, während in Nairobi eher Geräusche von Menschen zu hören sind. Wir erleben diese Geräusche täglich und es ist wichtig, dass wir wissen, wie sie auf uns wirken. Wenn sie sich verändern, kann dies ein Hinweis darauf sein, dass sich etwas verändert hat, und wenn wir aufmerksam sind, werden wir dies bemerken.“

Gespräch mit dem Künstler
Donnerstag, der 2. April 2026 um 17:00 Uhr
Kino: Arca

Ein Gespräch über das komplexe Klangspektrum unserer Umwelt und Umgebung, den Kampf gegen akustische Kolonialität und das Potenzial emanzipatorischen Hörens.

Im Rahmen des Forschungsprojekts Echoes of Dissent (KASK & Conservatory /School of Arts Gent)
In Zusammenarbeit mit den Fachbereichen Medienkunst und Musikproduktion von KASK & Conservatory.

 

tavorträume Leonard Volkmer

tavorträume

Leonard Volkmer

2025, DE, digital, sound, 9 min

Freitag, der 3. April 2026 um 22:15 Uhr
Kino: Arca


Ein fragmentierter Gedankenstrom verdichtet sich zu einer Spirale aus Liebessucht, Sehnsucht, Eifersucht, Sex, Drogen und psychischer Instabilität. Der innere Monolog besteht aus Fragmenten: halbfertigen Sätzen, aufblitzenden Erinnerungen, sich ständig wiederholenden Gedanken. Irgendwo zwischen Rausch und Realität bewegt er sich nach Gefühl. Vor dem Hintergrund einer Reihe von Selbstporträt-Fotografien zeichnet Volkmer mit unbefangener Verletzlichkeit psychische Gesundheit, Queerness und Begehren nach.


In Anwesenheit von Margaux Dauby & Raúl Domingues, Leonard Volkmer.
Kuratiert von Christina Stuhlberger.

Im Rahmen des künstlerischen Forschungsprojekts Doubled Voiced: Poetics of Exchange (LUCA School of Arts/KU Leuven). In Zusammenarbeit mit Elephy.