Generation D(ance) erobert Sofia: Start der 19. Ausgabe von „Antistatic“

Festival|12 Tage, über 20 Tanzveranstaltungen

  • Toplocentrala, Sofia

Grafisches Festivalmotiv: großes metallisches „D“ im Zentrum, gelbe Typografie „Generation D(ance)“, blaue Collage mit Tanzszenen im Hintergrund. © Antistatic

Grafisches Festivalmotiv: großes metallisches „D“ im Zentrum, gelbe Typografie „Generation D(ance)“, blaue Collage mit Tanzszenen im Hintergrund. © Antistatic

Am 8. Mai beginnt die neunzehnte Ausgabe des Festivals für zeitgenössischen Tanz und Performance „Antistatic“. Über einen Zeitraum von 12 Tagen erwarten das Publikum mehr als 20 Tanzveranstaltungen, gegliedert in ein internationales Programm, die Bulgarische Tanzplattform, ein Vermittlungs- und Bildungsprogramm sowie die Präsentation der 8. Ausgabe des Tanzmagazins.
Das diesjährige Motto lautet „Generation D(ance)“ und ist jener Generation gewidmet, für die Tanz zugleich Zeit und Raum der Annäherung ist.

„Generation D(ANCE) ist hier. Hier weicht die Disziplin des Geistes dem Wahnsinn des Körpers. Hier ist Kühnheit keine Ausnahme, sondern Norm. Hier ist Berührung ein Akt des Widerstands“, teilen die Kuratorinnen und Organisatorinnen Iva Sveshtarova, Vili Prager und Stefan A. Shterev mit.

Fünf Produktionen bilden das internationale Festivalprogramm. Speziell für „Antistatic“ kommen die herausragenden Künstler Francisco Camacho – eine der Schlüsselfiguren der zeitgenössischen Tanzbewegung, die Ende der 1980er Jahre in Portugal entstand – und Meg Stuart nach Sofia. Als Pionierin des zeitgenössischen Tanzes in Europa wurde Stuart 2018 auf der Biennale von Venedig mit dem Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk ausgezeichnet.
Für ihre Performance „I’ll Steal You for a Moment“ stehen die beiden erstmals seit drei Jahrzehnten wieder gemeinsam als Duo auf der Bühne. Inspiration schöpfen sie aus den geheimnisvollen nuraghischen Ruinen Sardiniens.

Ruth Childs, aus der legendären Tanzfamilie um Lucinda Childs, gastiert bei „Antistatic“ mit der Performance „Fantasia“. „Fantasia“ ist eine Kindheitserinnerung – ein Portal, durch das musikalische Erinnerungen eines Kindes hereinbrechen, das diese später zur Grundlage seiner choreografischen Arbeit als Erwachsene macht.
Durch Fragmente klassischer Musik Werke, die sie einst umgaben, bringt Ruth Childs die zutiefst persönlichen Schichten ihres körperlichen und emotionalen Gedächtnisses auf die Bühne. Seit 2015 arbeitet Childs zudem an einem Projekt zur Rekonstruktion früher Werke ihrer Tante, der US-amerikanischen Choreografin Lucinda Childs, die wir hoffentlich in Zukunft auch in Bulgarien sehen werden.

Zwei rumänische Produktionen sind ebenfalls Teil des Festivalprogramms. Eduard Gabia, bekannt aus dem Musikduo Karpov not Kasparov, betritt mit „Code Switching“ erstmals als Tanzkünstler die Bühne. Die Performance versetzt das Publikum in einen elektrisierten Raum aus Sprache, Bewegung und Handlung.
Der Choreograf Mihai Mihalcea präsentiert „Unauthorized Movements“, eine Arbeit, die sich als Halluzination von Bildern aus verschiedenen historischen Epochen entfaltet: von den frühen Tagen der Industrialisierung über den häuslichen Optimismus der 1950er Jahre bis hin zu unserer Gegenwart, in der Technologien zunehmend fähig sind, unsere Bewegungen und unser Verhalten zu erkennen und zu interpretieren.
Beide Produktionen werden mit Unterstützung des Nationalen Tanzzentrums Rumäniens realisiert – dem ersten seiner Art in ganz Osteuropa.

„Workers’ Body“ ist die neueste Performance von Michael Turinsky, uraufgeführt im Januar 2025 im Tanzquartier Wien und nun Teil des Programms von „Antistatic“. Inspiriert von Pasolinis Gedicht „Le ceneri di Gramsci“, greift die Arbeit auf das Erbe von Antonio Gramsci zurück – marxistischer Denker, Mitbegründer der italienischen Kommunistischen Partei und selbst eine Person mit körperlicher Beeinträchtigung – um die politischen und erotischen Dimensionen der Solidarität der Arbeiterklasse zu erforschen.

Vom 16. bis 19. Mai findet die fünfte Bulgarische Tanzplattform statt, die dem bulgarischen Publikum sowie eingeladenen internationalen Gästen und Kuratorinnen das Neueste aus der zeitgenössischen bulgarischen Tanzszene präsentiert. In vier Tagen werden 12 Produktionen folgender Choreografinnen gezeigt:
Iskra Prodanova, Galina Borisova, Zornitsa Stoyanova, Iva Sveshtarova und Vili Prager, Aleksandar Georgiev – Ace, Violeta Vitanova und Stanislav Genadiev, Zhanna Pencheva, Teodora Popova, Marion Darova und Yanitsa Atanasova, Kosta Karakashyan sowie Zhivko Zhelyazkov.

Anlässlich des Europatages präsentiert das Festival eine besondere Filmvorführung mit anschließendem Publikumsgespräch mit dem multidisziplinären Künstler Anton Ovchinnikov aus der Ukraine. Gezeigt werden vier Tanzfilme von vier ukrainischen Künstlerinnen, entstanden im Rahmen des Projekts „To Remember“ / „PAM_YA_TA_TY“.
Das Projekt plädiert für Komplexität und Aufmerksamkeit gegenüber der Tatsache, dass ukrainische Künstlerinnen nicht nur Zeuginnen, sondern aktive Gestalterinnen des kulturellen Gedächtnisses der Gegenwart sind. „PAM_YA_TA_TY“ fungiert zudem als Brücke zwischen jenen Künstlerinnen, die in der Ukraine bleiben, und jenen, die sich in Europa niederlassen.

Das Festival eröffnet am 8. Mai mit der Präsentation der 8. Ausgabe des Tanzmagazins, die den visuellen Aspekten des Tanzes gewidmet ist, sowie mit der Rekonstruktion und begleitenden Ausstellung „A Never Ending Story“ der „Choreografin-Mutantin“ Galina Borisova.
Mit „A Never Ending Story“ rückt „Antistatic“ die Bedeutung des tänzerischen Gedächtnisses und die Notwendigkeit seiner Aktivierung im zeitgenössischen Kontext in den Fokus.

Mehr Informationen zu Performances, Workshops und Partys unter:
https://antistaticfestival.org

Tickets sind bereits online erhältlich unter:
https://linktr.ee/antistaticfestival
sowie vor Ort im RCSI Toplozentrale.
Aus Rücksicht auf die unterschiedlichen Lebensrealitäten des Publikums setzt „Antistatic“ auch 2026 das „Pay-What-You-Can“-Preismodell für alle Veranstaltungen des internationalen Programms fort. Jeder Besucherin kann zwischen drei Preiskategorien wählen: 11, 15 oder 20 Euro.
Tickets für Veranstaltungen der Bulgarischen Tanzplattform kosten 7 Euro.

Das internationale Programm des Festivals für zeitgenössischen Tanz und Performance „Antistatic 2026“ wird von der Stiftung Brain Store Project und dem Verein Nomad Dance organisiert – mit finanzieller Unterstützung des bulgarischen Kulturministeriums, des Goethe-Instituts Bulgarien, der Stadt Sofia – Kalender der kulturellen Veranstaltungen, des Forschungsprojekts DanceMap (gefördert durch das EU-Programm Horizont Europa), Dance On Tour Österreich – ein Projekt von Tanzquartier Wien in Zusammenarbeit mit dem österreichischen Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten und der Verwaltung des Nationalen Kulturfonds Rumäniens – sowie in Partnerschaft mit dem RCSI Toplozentrale und der Derida Bühne.

Die Bulgarische Tanzplattform wird mit finanzieller Unterstützung des bulgarischen Kulturministeriums realisiert.

Die Bildungsplattform „Without Distance“ 2026 ist Teil des Projekts „Life Long Burning – Future Lost and Found (LLB 3)“, gefördert durch das EU-Programm Kreatives Europa, und wird in Partnerschaft und mit finanzieller Unterstützung des Goethe-Instituts Bulgarien sowie des Nationalen Kulturfonds im Rahmen des Programms „Gezielte Unterstützung – Kreatives Europa“ umgesetzt.