Reframing Family: Feminist Perspectives Through the Lens

Ausstellung|Ein gemeinsames Fotoprojekt des Goethe-Instituts Bulgarien, Ungarn und Chennai (Indien)

  • Goethe-Institut Bulgarien, Sofia

Reframing Family: Feminist Perspectives Through the Lens Denitsa Toneva / Two Dogs Two Cats

Reframing Family: Feminist Perspectives Through the Lens Denitsa Toneva / Two Dogs Two Cats

Kuratorin: Dr. Kallina Brailsford 

Fotografinnen: Betül Aydin, Gabriella Vincze-Bába, Ágnes Bihari, Anabelle Moghadam, Arthi Duraisamy, Helia Jafarzadeh, Blagovesta Semkova, Dhivya Ravishankar, Sina Niemeyer 

Koordinatorin: Elizabeta Zaykova 


25.06.–31.08.2026 

Galerie des Goethe-Instituts Bulgarien

 
Die Ausstellung „Reframing Family: Feminist Perspectives Through the Lens“ umfasst Werke von neun Fotografinnen, die an einem Residenzprogramm der Goethe-Institut Bulgarien, Ungarn und Chennai (Indien) teilgenommen haben. Die Ausstellung ist ein Dialog, der durch den Austausch und die kollektive Reflexion zwischen den unterschiedlichen kulturellen und politischen Kontexten entstanden ist und umfasst Fotografien, Archivbilder, Familienalben, Videos und Installationen. Ihre Arbeiten betrachten die Familie nicht als feststehende oder natürliche Struktur, sondern als einen Raum der Spannungen, geprägt von Macht, Erinnerung, Fürsorge, Schweigen, Geschlecht, Identität und Zugehörigkeit.

In der englischen und deutschen Sprache leiten sich die Begriffe für Familie (family) vom lateinischen familia ab, das wiederum von famulus – „Diener“ oder „Haussklave“ – stammt. Im alten Rom umfasste der Begriff den gesamten Besitz und alle Menschen, die unter einem Dach und unter der Herrschaft eines Hausherrn (paterfamilias) lebten. Der etymologische Ursprung des Wortes zeigt, dass ihm ursprünglich patriarchalische Strukturen der Hierarchie, Abhängigkeit und Kontrolle innewohnen, die das Familienleben auch heute noch prägen.  In verschiedenen Kulturen und Generationen fungiert die Familie sowohl als Ort der Intimität und des Schutzes als auch als Mechanismus, durch den soziale Normen, Geschlechterrollen und Machtstrukturen reproduziert werden. Historisch gesehen sind für viele Frauen Überleben, Legitimität, Autonomie und soziale Anerkennung mit der Familie verbunden, während ein Leben außerhalb der Familie oft mit gesellschaftlichen, wirtschaftlichen oder politischen Sanktionen belegt ist. Die Ausstellung geht von dieser Spannung aus und untersucht, wie feministische Perspektiven durch die Fotografie die Familienstruktur problematisieren, in Frage stellen und neu denken, während sie gleichzeitig hinterfragen, was es für Frauen bedeutet, sich für Mutterschaft, Widerstand, Einsamkeit oder alternative Formen familiärer Beziehungen zu entscheiden. 

Im Rahmen der Ausstellung wird die Fotografie zu einem kritischen Raum, durch den die Familie konstruiert, dargestellt, hinterfragt und in Erinnerung behalten wird. Familienalben und Archivfotos fungieren nicht nur als persönliche Dokumente, sondern als visuelle Strukturen, die Vorstellungen von Geschlecht, Intimität und der „akzeptablen“ Familie festigen. Mutterschaft und Weiblichkeit erscheinen nicht als feststehende oder idealisierte Zustände, sondern als Identitäten, die durch Migration, Fürsorge für andere, Neurodiversität, Fertilität und die ungleiche Verteilung von Reproduktions- und Hausarbeit geprägt sind, die historisch den Frauen auferlegt wurde. 

Die Archive werden zu instabilen Orten der Nachgedächtnis, die Spuren von Schweigen, Abhängigkeiten, Zerrissenheit und generationenübergreifendem Trauma tragen und die Aufmerksamkeit nicht nur auf das lenken, was fotografiert und bewahrt wurde, sondern auch auf das, was ausgeschlossen, ausgelöscht oder unsichtbar gemacht wurde. Die Ausstellung widmet sich auch queeren Beziehungen, Wahlfamilien und alternativen Formen der Zugehörigkeit und rückt dabei Frauen in den Vordergrund, die außerhalb normativer Familienstrukturen leben, sei es aus eigener Entscheidung oder aufgrund ihrer Lebensumstände. Auf diese Weise werfen die Werke die Frage auf, wem es historisch gesehen erlaubt war, sichtbar, legitim und anerkannt zu sein, und bestätigen gleichzeitig, dass die Familie nach wie vor eng mit Fragen der Fürsorge, der Zugehörigkeit und der Menschenrechte verbunden ist. 

Die Ausstellung entwirft keine eindeutige Begriffsbestimmung von Familie, sondern ein komplexes und oft widersprüchliches Bild. Die Familie erscheint gleichzeitig als Ort der Intimität, des Überlebens und der Verbundenheit sowie als Struktur, durch die geschlechtsspezifische Erwartungen, Unterdrückung und vererbte Traumata reproduziert werden. Die Ausstellung „Reframing Family: Feminist Perspectives Through the Lens“ löst diese Widersprüche nicht auf, sondern lässt sie offen und wirft die Frage auf, wie feministische fotografische Praktiken die Strukturen sichtbar machen können, die das Familienleben prägen, während sie gleichzeitig die überlieferten Narrative neu denken und Raum für andere Formen des Wahrnehmens, Erinnerns und der Zugehörigkeit schaffen. 
Dr. Kallina Brailsford

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Kallina Brailsford ist Künstlerin und Kuratorin mit einem Doktortitel in Fotografie. Ihre Arbeit erforscht die Fotografie als Prozess des Erzählens, kritische visuelle Kompetenz und Transformation und stellt häufig Fragen im Zusammenhang mit Identität, Sichtbarkeit und visueller Repräsentation aus einer feministischen Perspektive. In ihrer Praxis kombiniert sie dokumentarische und analoge Methoden, visuelle Bildung sowie partizipative Ansätze wie „Photovoice“, um marginalisierten Gemeinschaften Sichtbarkeit zu verleihen. Sie hat an Universitäten im Vereinigten Königreich und in Bulgarien gelehrt.

Kallina Brailsford ist Kuratorin zahlreicher Ausstellungen in Bulgarien und im Ausland sowie die Gründerin der Plattform Human Camera, über die sie groß angelegte Projekte realisiert, darunter Fotobücher, öffentliche Veranstaltungen und internationale Initiativen.

www.humancamera.com