Wandern in Geschichte

Ausstellung | Die Fotografien von Ulrich Wüst

  • Sofia City Art Gallery

Kreta 1997 Aus der Serie: Jahrebuch. 1978–2008 (FRAGMENT) © Ulrich Wüst; ifa

Parmen 2016 Aus der Serie: Randlage. Die Gemeinde Nordwestuckermark 2014– 2019 © Ulrich Wüst; ifa

Das Goethe-Institut, die Sofioter Stadtgalerie und das ifa (Institut für Auslandsbeziehungen) präsentieren die erste Einzelausstellung des deutschen Fotografen Ulrich Wüst in Bulgarien. Ein Begleitprogramm mit kostenlosen Führungen vermittelt weitere Einblicke in sein Werk.

Wandern in Geschichte. Die Fotografie von Ulrich Wüst

Eine Ausstellung des ifa (Instituts für Auslandsbeziehungen)

10.09. – 22.11.2026
Kurator: Matthias Flügge

Eröffnung: 10.09., Donnerstag, 18:00 Uhr
Kuratorenführung: 12.09., Samstag, 16:00 Uhr

Sofioter Stadtgalerie (Sofia City Art Gallery), 2. Etage
General Gurko 1, Sofia


Zum vierten Mal richten das Goethe-Institut Bulgarien und die Sofioter Stadtgalerie den Fokus auf zeitgenössische deutsche Fotografie. Nach den Ausstellungen von Sibylle Bergemann (2022), Barbara Klemm (2023) und Helga Paris (2024) steht nun erstmals ein männlicher Blick hinter der Kamera im Mittelpunkt: Ulrich Wüst.

Wir laden Sie herzlich zur offiziellen Eröffnung am Donnerstag, den 10. September, um 18:00 Uhr in der Sofioter Stadtgalerie ein. Der Kurator Matthias Flügge wird anwesend sein. Am 12. September um 16:00 Uhr führt Flügge die Besucher*innen durch die Ausstellung und reflektiert dabei das fotografische Vermächtnis Ulrich Wüsts.

Das Werk von Ulrich Wüst wurde in den 1980er Jahren insbesondere durch seine zahlreichen Stadtbilder bekannt, die er an verschiedenen Orten der DDR aufgenommen hatte. Sie zeigen Spuren des Zweiten Weltkrieges undungehinderten Verfall der historischen Bausubstanz. Im Mittelpunkt seines fotografischen Interesses standen jedoch die durch Unachtsamkeit und Ahnungslosigkeitebenso wie durch Zerstörung und Wildwuchs verursachten Absurditäten städtebaulicher Situationen. So entwickelte der Fotograf seineganz eigenevisuelle Form der Architekturkritik, die bis heute nichts an ihrer Eindringlichkeit verloren hat, zumal sie nicht ideologisch argumentiert, sondern von einem Phänomensinnge tragen wird, dem ein subtiler Humor ebenso wenig fremd ist wie die Ironie.

Einem breiten internationalen Publikum wurden die Fotografien von Ulrich Wüst durch seine Einladung zur documenta 14 nach Kassel 2017 bekannt.

Ulrich Wüsts fotografisches Werk, das sich im weitesten Sinne mit dem Themadeutscher Ostenbefasst, lässt sich auch über die versunkene DDR hinaus als Bild-Archäologie der Gegenwart beschreiben. Diese Bilder zeigen Fundstücke der „Grabungen“ und sind zugleich Werkzeuge zu deren Konservierung. Wüst hat einen untrüglichen Sinn für die Zeichenhaftigkeit alltäglicher Situationen, Gegenstände und Materialien ebenso wie für die hintergründigen Bedeutungsschichten von gefundenen Bildern, wie z. B. den vergrößerten Details aus DDR-Pressefotos, die den manipulativen Gebrauch der Fotografie deutlich werden lassen.

Das fotografische Werk von Ulrich Wüst kann aus verschiedenen Perspektiven wahrgenommen werden. Die Beobachtungen, die er in seinen Bildern festhält,mögen letztlichihre Wurzeln in der deutschen Teilung und deren Überwindung haben. Sie betreffen jedoch immer auch universelle Phänomene gesellschaftlicher Wandlungen und deren materielle Erscheinungsformen. Die scheinbar lapidaren, höchst präzise komponierten Bilder sind Ergebnis langer visueller Wanderungen in gegenwärtigen Orten der jüngsten Geschichte.
Matthias Flügge

***
Ulrich Wüst

1949 geboren in Magdeburg
1967–1972 Studium an der Hochschule für Architektur und Bauwesen Weimar, Abschluss in Stadtplanung
1972 Übersiedlung nach Ost-Berlin
1972–1983 Tätigkeit als Stadtplaner und Bildredakteur
seit 1984 freischaffender Fotograf in Berlin und Schönhof (Mecklenburg)
2000 Helen-Abbott-Preis
2021 Kunstpreis des Landes Sachsen-Anhalt
www.ulrichwuest.de

Matthias Flügge

1952 geboren in Demmin, Mecklenburg
Studium der Kunstgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin
1978–1986 Redakteur der Zeitschrift Bildende Kunst und freiberuflich tätig
1990–1999 Chefredakteur und Mitherausgeber der Zeitschrift bildende kunst, freier Journalist und Ausstellungsmacher in Berlin
1996 Aufnahme in die Akademie der Künste Berlin
1997–2006 Vizepräsident der Akademie der Künste Berlin
2012–2022 Rektor der Hochschule für Bildende Künste Dresden

▬ ▬ ▬

Führungen durch die Ausstellung mit der Kunsthistorikerin Jenny Decheva
  • 03.10., Samstag, 16:00 Uhr
  • 31.10., Samstag, 16:00 Uhr
  • 21.11., Samstag, 16:00 Uhr (im Original steht 21.10.; vermutlich ist 21.11. gemeint, da die Ausstellung bis 22.11. läuft)
Die Führungen sind kostenlos; es fällt lediglich der reguläre Eintritt in die Galerie an.

Während der Laufzeit der Ausstellung kann zudem der gleichnamige Katalog des Verlags Spector Books erworben werden.


„Wandern in Geschichte. Die Fotografie von Ulrich Wüst“ ist eine Ausstellung des ifa (Instituts für Auslandsbeziehungen), die in Partnerschaft mit dem Goethe-Institut Bulgarien in der Sofioter Stadtgalerie gezeigt wird.

Idee und Auswahl: Matthias Flügge und Alexander Lisewski in Zusammenarbeit mit Ulrich Wüst
Realisierung, Organisation und technische Umsetzung: Alexander Lisewski
Koordination Goethe-Institut Bulgarien: Elizabeta Zaykova
Kuratorin Sofioter Stadtgalerie: Gergana Mihova
Übersetzung und Führungen: Zheni Decheva
Logistikpartner der Veranstaltung: Cargo Planet