Lost Contact: Liebe, Beziehungen und Zugehörigkeit
Aufruf zur Teilnahme| Teilen Sie Ihre eigene Geschichte eines „Lost Contact“ mit uns
- Teil der Reihe: Programm Lost Contact
Ist es gefährlich, Beziehungen einzugehen?
Wir leben in einer Zeit ständiger Bewegung – zwischen Stadt und Land, zwischen Ländern und Kulturen, zwischen realer und virtueller Welt. Wir bauen Empathie mit immer mehr Spezies auf, ja sogar mit Maschinen. Wir erleben neue Formen von Verbundenheit – und zugleich eine oft kaum greifbare Einsamkeit. Wir erkunden fluide Identitäten, suchen offene Antworten – und verlieren uns bisweilen im Überangebot der Möglichkeiten. Während das Bewusstsein für „Grenzen“ wächst, wird zwischenmenschlicher Kontakt zugleich komplizierter.
„Lost Contact“ widmet sich genau diesen Spannungsfeldern: Wie sprechen – und leben – wir in einer sich radikal verändernden Welt über Liebe, Beziehungen und Zugehörigkeit? Wie erleben wir Nähe in Zeiten digitaler Technologien, urbaner Beschleunigung, sozialer Umbrüche und sich wandelnder Familienbilder?
Das Projekt entspringt einem kollektiven Unbehagen – einer Einsamkeit, die aus Urbanisierung, Identitätspolitiken, sozialen Transformationsprozessen, emotionaler Desorientierung und technologischem Wandel resultiert. Der Druck und die Unsicherheit des Alltags verändern unser Verständnis von Intimität. In den Städten erkunden junge Menschen offene Beziehungsformen, suchen „Situationships“, praktizieren „Dazi“ (Aktivitätsverabredungen) und wenden sich digitalen Plattformen als Ersatz für Fürsorge zu. Auf dem Land sind generationsübergreifende Brüche, verwaiste Familienkonstellationen oder migrationsbedingte Abwesenheiten Teil des Alltags. Für jene, die ständig unterwegs sind, ist Zugehörigkeit nicht mehr an feste Orte gebunden, und traditionelle Familienmodelle sind nicht mehr der einzige Weg zu Nähe.
Emotionen und Intimität sind nicht mehr ausschließlich privat. Sie sind geprägt von Machtverhältnissen, ökonomischen Bedingungen und kulturellem Kapital. „Liebe“ und „Begleitung“ können heute buchstäblich käuflich sein – von Video-Streaming über Einsamkeits-Apps bis hin zu „Solorestaurants“ oder digitalen Lebenspartner*innen. Gleichzeitig beeinflussen Algorithmen, KI-basierte Beziehungsmodelle oder Reproduktionsmedizin unsere Vorstellung von Partnerschaft und Familie. Inmitten wachsender Optionen bleibt die Frage: Wer hat Macht in Beziehungen? Wer bestimmt die Spielregeln?
Beziehungen können Nähe bedeuten – aber auch Kontrolle, Ausschluss oder Ungleichheit. An dieser Schwelle beginnt der tatsächlich gefährliche Kontakt.
Doch es gibt auch Gegenbewegungen: experimentelle Beziehungsformen, queere Wahlfamilien, unterstützende Netzwerke, politische Kollektive. Immer mehr Menschen teilen ihre Erfahrungen, Infragestellungen und Utopien. Dabei wird nicht nur neu über Freiheit und Gleichberechtigung in Beziehungen gesprochen, sondern auch über ein Thema, das alles durchzieht – das Altern. Es macht strukturelle Lücken sichtbar, die in keinem Beziehungskonzept gelöst sind.
„Lost Contact“ versteht sich als Plattform für individuelle Perspektiven, für Geschichten, die vielstimmig und widersprüchlich ein komplexes Bild unserer Gegenwart zeichnen. Wir laden Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen ein – Studierende, Künstler*innen, Arbeiter*innen, Wissenschaftler*innen, Autor*innen, Angestellte, die sich oft in mehreren Rollen zugleich wiederfinden.
„Lost Contact“ ist Teil des regionalen Kooperationsprojekts „Alleinsein: Einsamkeit & Freiheit“ der Goethe-Institute aus Ost – und Zentralasien. Das Projekt wird sowohl digital als auch analog umgesetzt. In Peking und der Provinz Guangdong sind diverse Veranstaltungen geplant – Filmvorführungen, Gespräche, Podiumsdiskussionen, Workshops und vieles mehr. Parallel entsteht eine digitale Publikationsreihe mit Essays, Erzählungen und Reflexionen, die persönliche Erfahrungen mit gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Dynamiken verknüpfen. Beiträge in Ich-Form stehen dabei gleichberechtigt neben analytischen oder literarischen Formaten.
Bitte sende uns eine kurze Vorstellung von Dir und eine Skizze Deiner Idee, Deiner persönlichen Erfahrung oder Deines thematischen Projekts – sei es künstlerisch, literarisch, forschend oder autobiografisch.
Wenn Dein Beitrag in unser Konzept passt, melden wir uns schnellstmöglich, um die passende Veröffentichung und Honorierung individuell abzustimmen. Wir freuen uns auf Deinen Beitrag – und auf eine vielschichtige, lebendige und öffentliche Erzählung von Liebe, Berührung und Zugehörigkeit im Jetzt.
Goethe-Institut China
Das Goethe-Institut ist die weltweit tätige kulturelle Institution der Bundesrepublik Deutschland. Das Goethe-Institut China wurde 1988 als erstes ausländisches Kulturzentrum in China gegründet. Seither widmet es sich der Förderung der deutschen Sprache in China und engagiert sich gemeinsam mit seinen chinesischen Partnern für den Ausbau des chinesisch-deutschen Kulturaustausches und der Kooperation in verschiedenen kulturellen Bereichen wie Musik, Tanz, Theater, Film, Bildende Kunst und Architektur.
Das Projekt „Alleinsein: Einsamkeit und Freiheit“ ist ein regionales Projekt der Goethe-Institute in Ost- und Zentralasien. Das Projekt geht davon aus, dass Einsamkeit, Rückzug und freiwillige Isolation zunehmend prägende soziale Phänomene unserer Gegenwart sind, die auch in der Kunstwelt spürbar sind. Mit einem transnationalen, multidirektionalen und diskursiv-künstlerischen Ansatz nähert sich das Projekt diesem vielschichtigen Themenkomplex und macht dabei auch nichtwestliche Wahrnehmungsweisen und Diskurse sichtbar.
社实 SPL – Social Practice Lab
Das Social Practice Lab (SPL) wurde 2020 am Guangdong Times Museum gegründet und agiert seit 2022 als unabhängige Plattform. SPL initiiert und begleitet engagierte Kunstprojekte im Dialog mit Künstler*innen, Wissenschaftler*innen, Aktivist*innen, Institutionen und Communities. Im Fokus stehen Themen wie Urbanisierung, Migration, marginalisierte und lokale Geschichtsschreibung sowie alternative soziale und künstlerische Praktiken.
Oneway Street Journal - 单读
Das Oneway Street Journal ist eine unabhängige Literaturzeitschrift der Buchhandlung OW Space in Peking. Sie widmet sich literarischen und gesellschaftlichen Stimmen einer neuen Generation global denkender Autor*innen – mit Beiträgen aus den Bereichen Roman, Essay, Lyrik, Drama und Sozialforschung. Das redaktionelle Programm wird durch Podcasts, dokumentarische Formate und Literaturpreise ergänzt.
Wir leben in einer Zeit ständiger Bewegung – zwischen Stadt und Land, zwischen Ländern und Kulturen, zwischen realer und virtueller Welt. Wir bauen Empathie mit immer mehr Spezies auf, ja sogar mit Maschinen. Wir erleben neue Formen von Verbundenheit – und zugleich eine oft kaum greifbare Einsamkeit. Wir erkunden fluide Identitäten, suchen offene Antworten – und verlieren uns bisweilen im Überangebot der Möglichkeiten. Während das Bewusstsein für „Grenzen“ wächst, wird zwischenmenschlicher Kontakt zugleich komplizierter.
„Lost Contact“ widmet sich genau diesen Spannungsfeldern: Wie sprechen – und leben – wir in einer sich radikal verändernden Welt über Liebe, Beziehungen und Zugehörigkeit? Wie erleben wir Nähe in Zeiten digitaler Technologien, urbaner Beschleunigung, sozialer Umbrüche und sich wandelnder Familienbilder?
Das Projekt entspringt einem kollektiven Unbehagen – einer Einsamkeit, die aus Urbanisierung, Identitätspolitiken, sozialen Transformationsprozessen, emotionaler Desorientierung und technologischem Wandel resultiert. Der Druck und die Unsicherheit des Alltags verändern unser Verständnis von Intimität. In den Städten erkunden junge Menschen offene Beziehungsformen, suchen „Situationships“, praktizieren „Dazi“ (Aktivitätsverabredungen) und wenden sich digitalen Plattformen als Ersatz für Fürsorge zu. Auf dem Land sind generationsübergreifende Brüche, verwaiste Familienkonstellationen oder migrationsbedingte Abwesenheiten Teil des Alltags. Für jene, die ständig unterwegs sind, ist Zugehörigkeit nicht mehr an feste Orte gebunden, und traditionelle Familienmodelle sind nicht mehr der einzige Weg zu Nähe.
Emotionen und Intimität sind nicht mehr ausschließlich privat. Sie sind geprägt von Machtverhältnissen, ökonomischen Bedingungen und kulturellem Kapital. „Liebe“ und „Begleitung“ können heute buchstäblich käuflich sein – von Video-Streaming über Einsamkeits-Apps bis hin zu „Solorestaurants“ oder digitalen Lebenspartner*innen. Gleichzeitig beeinflussen Algorithmen, KI-basierte Beziehungsmodelle oder Reproduktionsmedizin unsere Vorstellung von Partnerschaft und Familie. Inmitten wachsender Optionen bleibt die Frage: Wer hat Macht in Beziehungen? Wer bestimmt die Spielregeln?
Beziehungen können Nähe bedeuten – aber auch Kontrolle, Ausschluss oder Ungleichheit. An dieser Schwelle beginnt der tatsächlich gefährliche Kontakt.
Doch es gibt auch Gegenbewegungen: experimentelle Beziehungsformen, queere Wahlfamilien, unterstützende Netzwerke, politische Kollektive. Immer mehr Menschen teilen ihre Erfahrungen, Infragestellungen und Utopien. Dabei wird nicht nur neu über Freiheit und Gleichberechtigung in Beziehungen gesprochen, sondern auch über ein Thema, das alles durchzieht – das Altern. Es macht strukturelle Lücken sichtbar, die in keinem Beziehungskonzept gelöst sind.
„Lost Contact“ versteht sich als Plattform für individuelle Perspektiven, für Geschichten, die vielstimmig und widersprüchlich ein komplexes Bild unserer Gegenwart zeichnen. Wir laden Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen ein – Studierende, Künstler*innen, Arbeiter*innen, Wissenschaftler*innen, Autor*innen, Angestellte, die sich oft in mehreren Rollen zugleich wiederfinden.
„Lost Contact“ ist Teil des regionalen Kooperationsprojekts „Alleinsein: Einsamkeit & Freiheit“ der Goethe-Institute aus Ost – und Zentralasien. Das Projekt wird sowohl digital als auch analog umgesetzt. In Peking und der Provinz Guangdong sind diverse Veranstaltungen geplant – Filmvorführungen, Gespräche, Podiumsdiskussionen, Workshops und vieles mehr. Parallel entsteht eine digitale Publikationsreihe mit Essays, Erzählungen und Reflexionen, die persönliche Erfahrungen mit gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Dynamiken verknüpfen. Beiträge in Ich-Form stehen dabei gleichberechtigt neben analytischen oder literarischen Formaten.
Aufruf zur Teilnahme
Wir laden Dich herzlich ein, Deine eigene Geschichte eines „Lost Contact“ mit uns zu teilen. Bis zum 30. August 2025 kannst Du uns per Mail an socialpractice2022@gmail.com kontaktieren.Bitte sende uns eine kurze Vorstellung von Dir und eine Skizze Deiner Idee, Deiner persönlichen Erfahrung oder Deines thematischen Projekts – sei es künstlerisch, literarisch, forschend oder autobiografisch.
Wenn Dein Beitrag in unser Konzept passt, melden wir uns schnellstmöglich, um die passende Veröffentichung und Honorierung individuell abzustimmen. Wir freuen uns auf Deinen Beitrag – und auf eine vielschichtige, lebendige und öffentliche Erzählung von Liebe, Berührung und Zugehörigkeit im Jetzt.
Veranstalter
Das Goethe-Institut ist die weltweit tätige kulturelle Institution der Bundesrepublik Deutschland. Das Goethe-Institut China wurde 1988 als erstes ausländisches Kulturzentrum in China gegründet. Seither widmet es sich der Förderung der deutschen Sprache in China und engagiert sich gemeinsam mit seinen chinesischen Partnern für den Ausbau des chinesisch-deutschen Kulturaustausches und der Kooperation in verschiedenen kulturellen Bereichen wie Musik, Tanz, Theater, Film, Bildende Kunst und Architektur.
Das Projekt „Alleinsein: Einsamkeit und Freiheit“ ist ein regionales Projekt der Goethe-Institute in Ost- und Zentralasien. Das Projekt geht davon aus, dass Einsamkeit, Rückzug und freiwillige Isolation zunehmend prägende soziale Phänomene unserer Gegenwart sind, die auch in der Kunstwelt spürbar sind. Mit einem transnationalen, multidirektionalen und diskursiv-künstlerischen Ansatz nähert sich das Projekt diesem vielschichtigen Themenkomplex und macht dabei auch nichtwestliche Wahrnehmungsweisen und Diskurse sichtbar.
Kuratiert von
Das Social Practice Lab (SPL) wurde 2020 am Guangdong Times Museum gegründet und agiert seit 2022 als unabhängige Plattform. SPL initiiert und begleitet engagierte Kunstprojekte im Dialog mit Künstler*innen, Wissenschaftler*innen, Aktivist*innen, Institutionen und Communities. Im Fokus stehen Themen wie Urbanisierung, Migration, marginalisierte und lokale Geschichtsschreibung sowie alternative soziale und künstlerische Praktiken.
Partner
Das Oneway Street Journal ist eine unabhängige Literaturzeitschrift der Buchhandlung OW Space in Peking. Sie widmet sich literarischen und gesellschaftlichen Stimmen einer neuen Generation global denkender Autor*innen – mit Beiträgen aus den Bereichen Roman, Essay, Lyrik, Drama und Sozialforschung. Das redaktionelle Programm wird durch Podcasts, dokumentarische Formate und Literaturpreise ergänzt.