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16:00–18:00 Uhr

AfterTongue: Zähle die Mandeln

Performance und Improvisation|Im Rahmen des Projekts „Teehaus 798“

  • Goethe-Institut China, Peking

  • Sprache Chinesisch
  • Preis Eintritt frei

Zähle die Mandeln Poster 11

Zähle die Mandeln Poster 511

Im April 2026 jährt sich der Todestag des bedeutenden deutschsprachigen Lyrikers Paul Celan zum 56. Mal. Aus diesem Anlass präsentiert der Pekinger unabhängige Projektraum „Trumpetoipa“ im Rahmen des Projekts „Teehaus 798“ des Goethe-Instituts China am 4. April eine Live-Performance im Goethe-Institut in 798. Der Titel der Performance „AfterTongue: Zähle die Mandeln“ steht dabei für den Moment, in dem die Sprache endet und der Körper übernimmt, in dem Worte zu Atem, Schrei oder Stille werden. Unter diesem Titel verschmelzen Text, Klang und Körper zu einer Hommage an Celans Werk.

Ausgangspunkt des Abends ist eines der bekanntesten Gedichte Celans: „Zähle die Mandeln“. Die Mandel dient dabei als zentrales Symbol – sie ist konkret, essbar, aber auch von einer charakteristischen Bitterkeit geprägt. Im Hebräischen steht das Wort shaked (Mandel) zudem für „Wachsamkeit“ und „Erwachen“.

Das Projekt bricht die klassische Lesung auf. Acht Künstler*innen aus den Bereichen Literatur, Musik und Performance nutzen den Text nicht als starre Vorlage, sondern als Rohstoff, der „verarbeitet“ wird.

Die Performance ist ein zweistufiges Experiment: Vier Textschaffende – darunter der Arbeiter-Dichter Xiao Hai und die Plath-Übersetzerin Jia Wei – dekonstruieren Celans Verse und entwickeln sie zu neuen literarischen Formen weiter. Diese Transformationen reichen von freien Gedichten und Tagebucheinträgen bis hin zu fiktiven Rezepten für ein „letztes Mahl“. Anschließend werden vier Multimedia-Künstler*innen live auf diese Texte reagieren. Mit Synthesizern, Schamanentrommeln und körperlicher Performance (Contact Improvisation) wird die Sprache in Klang und Bewegung übersetzt.

Der Name des veranstaltenden Pekinger Kulturraums „Trumpetoipa“ ist selbst ein Zitat aus einer chinesischen Celan-Übersetzung. Er symbolisiert die Verbindung zwischen der Kraft eines Instruments (Trompete) und der Freiheit einer anonymen Stimme im Netz.


Performance und Improvisation -
AfterTongue: Zähle die Mandeln


Zeit: 04.04.2026, 16:00 – 18:00 Uhr
Kuratorin: Zhang Yiwen
Künstler*innen: Ai Kuo, Jia Wei, Kang Tongge, Qing, Wang Hanhai, Xiaohai, Yi Shanqing, yixiang, Zhang Duohan
Sprache: Chinesisch
Ort: Goethe-Institut China
Adresse: Originality Square, Jiuxianqiao Road No. 2, Chaoyang District, Beijing
Eintritt frei
 

Mitwirkende Künstler*innen


Ai Kuo ist als Theatermacher, Autor und Kurator tätig. Seine Arbeit und Forschung bewegen sich an den Schnittstellen unterschiedlicher Orte, Disziplinen und Medien.

Jia Wei ist als Lyrikerin, Übersetzerin und Musikerin tätig.

Kang Tongge ist Theatermacherin und CI-Tänzerin (Contact Improvisation). Mithilfe des Körpers sowie verschiedener Medien und Materialien erforscht sie die Beziehung zwischen Alltag und Performance.

Als „Brainwave“-Drummer experimentiert Qing mit der Verbindung von rhythmischen Impulsen und neurologischen Resonanzen.

Wang Hanhai ist Absolvent der Academy of Fine Arts der Pekinger Filmakademie und arbeitet als Experte für visuelle Effekte und multimediales Bühnendesign. In seiner kreativen Praxis setzt er sich intensiv mit der Verbindung von elektronischer Musik und abstrakter visueller Ästhetik auseinander.

Der 1987 geborene Dichter und Arbeiter Xiaohai ist Mitglied der bekannten Picun-Literaturgruppe. Seine Werke wurden in renommierten Magazinen in China und Großbritannien veröffentlicht.

Yi Shanqing, Konzeptkünstlerin, „zeitgenössische Hexe“, ist Mitglied der Cave Society. Ihre künstlerische Praxis ist interdisziplinär und umfasst Texte, Installationen, Performances und Videoarbeiten.

Als Spezialist für MPE (Midi Polyphonic Expression) und Looper-Kunst verzichtet yixiangin seinen Sets konsequent auf den Einsatz von Computern. Er fokussiert sich aktuell auf die klanglichen Möglichkeiten seines SOMA-Systems, um elektronische Musik in ihrer direktesten Form als Dawless-Setup live zum Leben zu erwecken.

Der 1999 geborene Künstler Zhang Duohan nutzt Schreiben, Fotografie und Live-Performance, um die Konfrontation zwischen Text, Klang und Körper zu untersuchen. Seine Arbeiten thematisieren das Spannungsfeld zwischen politischer Trägheit und poetischem Widerstand, oft im Kontext von extremer körperlicher Bewegung.

Zhang Yiwen, Gründerin von Trumpetoipa, ist Kuratorin und Künstlerin. Ihre künstlerische Praxis umfasst experimentelle Videos, Bildinstallationen und Texte. In ihren Arbeiten beschäftigt sie sich vorwiegend mit weiblichen Erfahrungen, Ökologie, Machtverhältnissen und der Situation des Individuums in der modernen Gesellschaft.
 

Projekt „Teehaus 798“


Unter dem Einfluss fortschreitender Digitalisierung und städtischen Wandels werden Orte und Gelegenheiten zum direkten Austausch immer weniger, eine Folge ist der stärkere Rückzug ins Private. Das Projekt „Teehaus 798“ bietet seit 2021 eine Plattform für Begegnung und schafft Freiräume zwischen Gesellschaft, Kultur und Kunst. Alle Veranstaltungen im Rahmen des „Teehaus 798“ werden von den Projektinitiator*innen selbständig kuratiert und vom Goethe-Institut China unterstützt.