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15:00 Uhr

Sonic Other_lands: Das dritte Ohr — Zwischen gefalteten Topografien

Ausstellung|Eine Praxis, die Erinnerungen neu ordnet, in Geschichte eingreift und geografische Wahrnehmungen rekonfiguriert

  • Goethe-Institut China, Peking

  • Preis Eintritt frei

Ausstellung | Sonic Other_lands 11

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Im Rahmen des Projekts „798 Teehaus“ präsentiert das Goethe-Institut China das kuratorische Projekt derKlang-Initiative„Unruly Ear“. Die Ausstellung versammelt Künstler*innen und Archivar*innen, die sich in ihren Arbeiten kontinuierlich mit Klang auseinandersetzen.

Ausgehend vom Klang begreift die Ausstellung „Hören“ dabei als eine Praxis, die Erinnerungen neu ordnet, in Geschichte eingreift und geografische Wahrnehmungen rekonfiguriert.

In diesem Prozess verweben ortsspezifische vokale Ausdrucksformen – etwa Gesänge von den Ufern des Indus oder mündliche Überlieferungen indigener Gemeinschaften – Landschaften und Gewässer mit vielfältigen Geschichten des Widerstands zu einem Klangteppich. In seiner Bewegung überschreitet Klang kulturelle und politische Grenzen, entzieht sich unter bestimmten Bedingungen jedoch auch der Hörbarkeit. Leerstellen und Risse innerhalb der Sprache sowie Verschiebungen im Prozess der Übersetzung formen dabei einen dynamischen, beinahe greifbaren Raum, in dem sich eine noch unbenannte Form der Wahrnehmung abzeichnet.

Die im Lesebereich des Goethe-Instituts arrangierten Arbeiten lenken den Blick auf klang- und hörbasierte Formen der Organisation von Erinnerung: von den nicht dokumentierten Geschichten von Plantagenarbeiter*innen über intime Erzählweisen diasporischer Frauengemeinschaften bis hin zu neu imaginierten Protestliedern. Die künstlerischen Interventionen zielen darauf ab, Wissens- und Wahrnehmungsräume jenseits von Text und schriftlich fixierter Geschichte zu eröffnen.

Durch die Dehnbarkeit der Töne sowie durch den Einsatz des Materials Kautschuk durch die Künstler*innen wird „Hören“ hier als eine elastische sich kontinuierlich ausdehnende Struktur gedacht. Erinnerung, Sprache und Archiv lösen sich aus ihren festgefügten Formen und geraten unter wiederholter Spannung in Bewegung.Im Ausstellungsraum Grey Box werden auditive Spuren verlängert und verzweigt, sie werden in den öffentlichen Raum ausgedehnt und in ihrer zeitlichen Dimension entfaltet. In mehreren Listening Sessions werden sie mit unterschiedlichen Kontexten und historischen Fragmenten in Bezug gesetzt, bevor sie in die Topografie des Raumes zurückkehren.

Eine begleitende Veranstaltungsreihe vertieft diese Auseinandersetzung und untersucht etwa die Wirkungsweisen von Klang in seiner Funktion als Infrastruktur. Dabei wird an die Geschichte des 798 Art Districts (ehemals Funkgerätekombinat 718) als einem frühen Produktionsstandort für Radiotechnik angeknüpft.
 

Sonic Other__lands
Das dritte Ohr - Zwischen gefalteten Topografien

Kuratorische Leitung: Unruly Ear
Künstler*innen: Nguyen Trinh Thi, Shen Xin, Zahra Malkani, Priyageetha Dia, Tra My Hickin, Koa Pham, Hong-Kai Wang
Ausstellungsdauer: 16. Mai bis 30. August 2026
 

Eröffnung

Samstag, 16. Mai
15:00 – 15:30 | Ausstellungsführung
15:30 – 16:30 | Listening Session + Curator Talk /Songs Entangled with the Land
 

Begleitprogramm

Samstag, 30. Mai
Listening Session + Screening /Die politischen Dimensionen von Funktechnik und Hören

Samstag, 13. Juni
Listening Session + Screening /Klang als Erinnerungsmedium:Tonbänder und private Archive
Kooperationspartner: Family Lens
Gast: Gu Xue

Samstag, 27. Juni
Listening Session + Künstler*innengespräch
Gast: Hong-Kai Wang (online)

Sonntag, 23. August
Artist Talk + Gespräch
Kooperationspartner: Spurs Gallery
Gast: Nguyen Trinh Thi

Samstag, 29. August (Finissage)
Listening Session + Screening /Widerstand als Probe für die Zukunft

Details zu den einzelnen Veranstaltungen entnehmen Sie bitte den kommenden Ankündigungen.

Ort: Goethe-Institut China
Adresse: Originality Square, 798 Art District, Chaoyang District, Beijing
Eintritt frei
 

Über die Künstler*innen

Nguyen Trinh Thi
Nguyen Trinh Thi ist eine in Hanoi lebende Filmemacherin und Künstlerin. In ihrer künstlerischebn Praxis, die sich zwischen Film, Dokumentarfilm, Videokunst, Installation und Performance bewegt, erforscht sie die Potenziale von Klang und auditiver Wahrnehmung sowie die vielfältigen Beziehungen zwischen Bild, Ton und Raum. Dabei setzt sie sich kontinuierlich mit Themen wie Geschichte, Erinnerung, Repräsentation, Ökologie und dem Unbekannten auseinander.

Shen Xin
Shen Xin arbeitet mit bewegten Bildern, Klang, Text, Malerei, Performance und Installation. Die künstlerische Praxis gründet auf dem Bewusstsein für Interkonnektivität und zielt darauf ab, die darin angelegten grundlegenden sozialen Verantwortlichkeiten erfahrbar zu machen. Geboren in Chengdu in der Provinz Sichuan, lebt Shen Xin heute im Norden von An t-Eilean Sgitheanach (Isle of Skye) sowie in Mni Sota Makoce.

Zahra Malkani
Zahra Malkani ist eine multidisziplinäre Künstlerin aus Karatschi, Pakistan. Zusammenarbeit, Forschung und Pädagogik stehen im Zentrum ihrer Arbeit. Sie richtet den Blick auf die Machtstrukturen hinter Entwicklungsprozessen und Landenteignung und erforscht langfristig dissidente ökologische Wissensformen sowie Strategien des Widerstands. Gemeinsam mit der Künstlerin Shahana Rajani ist sie Mitbegründerin der kritischen Anti-Institution Karachi LaJamia, die im Kontext der anhaltenden Umweltbewegungen in Karatschi zum Schutz von Land- und Wasserressourcen arbeitet. Dort entwickelt sie experimentelle Praktiken an der Schnittstelle von politischem Handeln und ökologischer Bildung.

Priyageetha Dia
Priyageetha Dia arbeitet vor allem mit zeitbasierten Medien und Installationen. In ihrem Werk verknüpft sie die Geschichte von Arbeiter*innen in Südostasien mit den Spannungen zwischen transgenerationalem Gedächtnis und maschinellen Logiken. Auf der Grundlage von Archiv- und Feldforschung untersucht sie nichtlineare Erzählformen und setzt sich kritisch mit etablierten Tropen-Narrativen auseinander.

Tra My Hickin
Tra My bewegt sich an der Schnittstelle von Kunst und Community und widmet sich den Bereichen Publikation, Redaktion und Archivarbeit. Durch Storytelling engagiert sie sich für soziale Gerechtigkeit, mit einem besonderen Fokus auf vietnamesische sowie ESEA-Migrant*innen-Communities. Sie ist Redakteurin desMagazinsTranslatorund Co-Direktorin vonAn Việt Archive.Ihr gemeinsam mit Koa Pham entwickeltes Werk ist Teil vonAmplifying Archives.

Koa Pham
Koa Pham ist ein in London ansässiger Künstler, der sich mit der Verflechtung persönlicher und kultureller Geschichte auseinandersetzt. Sein Werk umfasst Skulptur, Malerei, Text und Bewegtbild und schöpft aus moderner vietnamesischer Literatur, Film, persönlichen Erinnerungen und mündlichen Überlieferungen.

Hong-Kai Wang
Geboren in Huwei, Taiwan, promovierte Hong-Kai Wang mit einem PhD in Practice an der Akademie der bildenden Künste Wien. Ihre forschungsbasierte Praxis umfasst Ausstellungen, Performances, Schreiben, Publizieren und Workshops. An den Schnittstellen von Macht, gelebter Erfahrung und Geschichte untersucht sie kollektive Formen sowie deren Vermittlungs- und Lehrprozesse und fragt nach konkreten Möglichkeiten künstlerischer Praxis. Dabei lotet sie die Spannungsfelder zwischen Sprache, Ideologie, Identität und Wissenssystemen aus.

Indem sie die politischen Dimensionen von Zuhören und Erkenntnis in den Fokus rückt, zielt ihre Arbeit darauf ab, unterschiedliche Formen der Aufmerksamkeit sichtbar zu machen und emergente Zeit-Räume zu entwerfen. In diesen werden Geschichten von Arbeit, Ökonomien des Zusammenlebens, Wissensformationen und die Entstehung von Begehren kritisch miteinander verwoben.
 

Über die Kurator*innen

Unruly Ear ist ein Forschungs- und Kurator*innen-Kollektiv, das sich mit kritischen Klangpraktiken beschäftigt und Klang als Feld von Erinnerung, Wahrnehmung und Widerstand versteht. Gegründet Anfang 2026 in Peking, hat sich die Initiative zum Ziel gesetzt, in unregelmäßigen Abständen öffentliche Offline-Veranstaltungen sowie kuratorische Projekte zu initiieren. Unruly Ear begreift „Hören“ dabei als Methode, um bestehende Wahrnehmungsstrukturen aufzubrechen und Möglichkeiten für alternative Geschichtsschreibungen und vielstimmige Erzählweisen zu eröffnen.

Hester Young arbeitet zwischenLondonundBeijingin den Bereichen Bewegtbild, Forschung und Kuratieren. Sie ist zudem Mitbegründerin des britischen FilmkollektivsSine Screen.