Alle Brücken sind einsam | Lesekreis zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann

Lesekreis |In einer Zeit der Krisen und des Umbruchs versucht Bachmann, mit den Mitteln der Poesie und des Denkens der menschlichen Würde eine Stimme zu verleihen.

  • Goethe-Institut China, Peking

  • Sprache Chinesisch
  • Preis Eintritt frei, Anmeldung erforderlich

© Fritz Peyer, via Wikimedia Commons © Fritz Peyer, via Wikimedia Commons

Ingeborg Bachmann bei der Verleihung des Wildganspreises, 1972 © picture-alliance / brandstaetter images/Barbara Pflaum | Barbara Pflaum

Im Jahr 2026 feiern wir den 100. Geburtstag Ingeborg Bachmanns. Die österreichische Lyrikerin, Schriftstellerin und Literaturkritikerin zählt zu den bedeutendsten und eigenständigsten Stimmen der deutschsprachigen Literatur des 20. Jahrhunderts. Ihr Werk ist untrennbar mit den geistigen und historischen Erschütterungen des Nachkriegseuropas verbunden und setzt sich eindringlich mit den Fragen von Krieg, Erinnerung, Sprache, Macht und Identität auseinander.

Ingeborg Bachmann wurde 1926 in Klagenfurt in Kärnten geboren. Sie studierte Philosophie, Germanistik und Psychologie an den Universitäten Innsbruck, Graz und Wien und promovierte 1949 an der Universität Wien mit einer Dissertation über die kritische Aufnahme der Existenzphilosophie Martin Heideggers. Nach dem Studium lebte sie zunächst in Wien, später überwiegend in Rom. 1953 erhielt sie für ihre Gedichte den Preis der Gruppe 47; im selben Jahr erschien ihr erster Gedichtband „Die gestundete Zeit”, der sie schlagartig bekannt machte. Drei Jahre später wurde ihr Gedichtband „Anrufung des Großen Bären” mit dem Bremer Literaturpreis ausgezeichnet. Mit dem Erzählband „Das dreißigste Jahr” (1961) etablierte sie sich auch als bedeutende Prosaautorin und ihr 1971 erschienener Roman „Malina” gilt als eines der wichtigsten Werke der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur und zugleich als Schlüsseltext feministischer Literatur. 1959/60 hielt Bachmann als erste Inhaberin der Frankfurter Poetikdozentur ihre wegweisenden Poetikvorlesungen. Ihre intensive und von Spannungen geprägte Beziehung zu dem Lyriker Paul Celan gehört zu den bewegendsten Kapiteln der deutschsprachigen Literatur nach 1945.

Ob in ihren Gedichten oder ihrer Prosa – Bachmanns Schreiben kreist immer wieder um grundlegende und verstörende Fragen: Wie weit reicht die Sprache? Wie lassen sich historische Traumata erinnern und bewahren? Kann der Einzelne angesichts allgegenwärtiger gesellschaftlicher Disziplinierungsmechanismen seine Subjektivität bewahren? Und warum sind Liebe und Zerstörung so eng miteinander verwoben? In einer Zeit der Krisen und des Umbruchs versucht Bachmann, mit den Mitteln der Poesie und des Denkens der menschlichen Würde eine Stimme zu verleihen.

Anlässlich ihres 100. Geburtstags lädt das Goethe-Institut China 25 bis 30 Literaturinteressierte ein, gemeinsam einen Bachmann-Lesekreis zu bilden und an fünf Leseveranstaltungen teilzunehmen. Von August bis Dezember 2026 widmen wir uns einmal im Monat einem zentralen Thema ihres Werks. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden über die jeweiligen Lektüretexte vorab informiert.

Die Treffen finden einmal monatlich im Goethe-Institut in 798 statt. Begleitet und moderiert wird der Lesekreis von derLiteraturwissenschaftlerin und Übersetzerin Frau Dr. Ding Junjun. Die Auftaktveranstaltung findet am 22. August von 10:00 bis 11:30 Uhr im Goethe-Institut 798 statt.

Wir hoffen, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch die gemeinsame Lektüre und den Austausch neue Perspektiven auf Ingeborg Bachmanns Werk gewinnen und ihre Wertschätzung für ihr literarisches Schaffen vertiefen.

Alle Brücken sind einsam
Lesekreis zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann

Die fünf Treffen des Lesekreises widmen sich folgenden Themen:
1. Literarische Utopie – Bachmanns Verständnis von Literatur
2. „Wir sagen uns Dunkles“ – Der literarische Dialog zwischen Celan und Bachmann
3. „Eingriff“ oder „Vision“? – Politik und Wirklichkeit in Bachmanns Werk
4. „Aufbruch“ und „Suche“ – Die existenzielle Not des Individuums in Bachmanns Erzählungen
5. Ein Leben im Echo – Weibliche Subjektivität und die Auflösung des Selbst

Sprache: Chinesisch
Moderatorin: Ding Junjun
Ort: Goethe-Institut China
Adresse: Originality Square, 798 Art District, Chaoyang District, Beijing
Teilnahme kostenfrei

Bewerbung
Bitte senden Sie Ihre Bewerbung per E-Mail an: ningxin.jiang@goethe.de
Betreff: Anmeldung zum Bachmann-Lesekreis des Goethe-Instituts 2026
Bitte geben Sie in Ihrer E-Mail Folgendes an: Ihren Namen, Ihre Telefonnummer und eine kurze Begründung (ca. ein Absatz), warum Sie am Lesekreis teilnehmen möchten.
Anmeldeschluss:8. August 2026

Die ausgewählten Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden telefonisch von Mitarbeiterinnen oder Mitarbeitern des Goethe-Instituts benachrichtigt. Sollten Sie bis dahin keine telefonische Rückmeldung erhalten, konnte Ihre Bewerbung leider nicht berücksichtigt werden.

Die Moderatorin

Dr. Ding Junjun ist Professorin und Leiterin der Abteilung für Literaturwissenschaft am Institut für Germanistik der Beijing Foreign Studies University sowie Redakteurin der FachzeitschriftGermanistische Kulturwissenschaften. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen die deutschsprachige Erzählliteratur des 19. Jahrhunderts, die Ästhetik des Bösen sowie kulturwissenschaftliche Theorien.

Sie hat zahlreiche literarische Werke ins Chinesische übersetzt, darunter Demian und Die Pfaueninsel, und mehr als zwanzig wissenschaftliche Aufsätze veröffentlicht, darunter den vielbeachteten BeitragDer verschwundene Erzähler. Darüber hinaus war sie an mehreren staatlich geförderten Forschungsprojekten im Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften beteiligt. Derzeit leitet sie ein vom chinesischen Bildungsministerium gefördertes Forschungsprojekt mit dem Titel Moral und Gesellschaft in der deutschsprachigen Erzählliteratur des 19. Jahrhunderts.