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14:00–15:30 Uhr
Frauen und Steine
Lesung und Gespräch|Im Gespräch mit Regina Dürig und Yu Yishuang
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Originality Square, 798 Art District, Jiuxianqiao Road 2, Chaoyang District
- Sprache Deutsch, Chinesisch (Konsekutivübersetzung)
- Preis Eintritt frei
Lesung und Gespräch:
Frauen und Steine
Zeit: 06.09.2026, 14:00 – 15:30 Uhr
Gäste: Regina Dürig, Yu Yishuang
Moderation: Zhang Yan
Sprache: Deutsch, Chinesisch (Konsekutivübersetzung)
Ort: Goethe-Institut China
Adresse: Originality Square, 798 Art District, No. 2 Jiuxianqiao Road, Chaoyang District, Beijing
Eintritt frei
Regina Dürigs Erzählband „Frauen und Steine“ hinterfragt mit geistreicher Präzision und Mut zur Auslassung das sogenannt Normale. Dank ihrem feinen Gespür für Stimmen werden die vielfältigen Figuren — unter anderem ein Hufeisenkrebs, die Sagengestalt Melusine oder die Bildhauerin Camille Claudel — allesamt greifbar. Ein absoluter Lesegenuss. (Tamara Schuler, Viceversa)
Yi Yishuangs „Wasser im Wasser“ gleicht dem Spiegelbild im Wasser, das philosophische Fragen in die Textur des Alltags einwebt. Sie schreibt über die Zerbrechlichkeit und Zähigkeit des Lebens, über die Distanz und Verbundenheit in Beziehungen, über das beharrliche Streben des modernen Menschen nach Spiritualität inmitten von Zweifel und Leid. „Wasser im Wasser“ ist sowohl eine Metapher für das Leben — Grenzen auflösen, Chaos annehmen, zur ursprünglichen Reinheit zurückkehren — als auch die Antwort auf das Dasein: Der Mensch ist winzig und unbedeutend, und doch kann er in Liebe und Verantwortung die Verantwortung für alle Schuld und alles Leid übernehmen. (Constelado Verlag)
Das Schreiben von Frauen steht in einer subtilen und tiefen Spannung zu der Welt, in der sie leben. Es hat eine gewisse, fast heilige Mission – Erfahrungen jenseits der männerdominierten Ordnung wie Liebe, Zweifel und den Kampf um die eigene Stimme in Worte zu fassen, und gleichzeitig schält es mit seinem präzisen Blick die Strukturen des sogenannt Normalen ab und lässt sie in einem neuen Licht erscheinen. Lange Zeit wurde der Begriff „Frauenliteratur“ eng mit privaten Themen, emotionalen Geschichten und der vermeintlichen Leichtigkeit des weiblichen Schreibens verbunden. Doch in der sich ständig verändernden Realität und unter den wachsenden Herausforderungen, denen Frauen ausgesetzt sind, hat das Schreiben von Frauen längst seine eigene literarische Tiefe und formale Vielfalt entwickelt. Es hinterfragt mit geistreicher Präzision und Mut zur Auslassung das Vertraute, lässt vergessene Biografien wieder aufleben und erfindet die Möglichkeiten des Erzählens neu. Daher erhalten das Überdenken und die Wertschätzung des weiblichen Schreibens eine besondere Bedeutung.
Regina Dürigs Erzählband „Frauen und Steine“ und Yu Yishuangs „Wasser im Wasser“ sind zwei leuchtende Beispiele dafür. „Frauen und Steine“ enthält ein ganzes Universum. Auf nur zweihundert Seiten schafft Dürig mehrere literarische Gattungen und experimentiert mit bestehenden Formen, um sie völlig neu zu entdecken. Die Frauen in ihren Geschichten stellen auf je eigene Weise die Frage, wie man ankommen kann gegen die patriarchale Versteinerung der Welt. Mit umfangreicher Recherche schreibt Dürig fiktionalisierte Lebensgeschichten über Alice Kober und Camille Claudel – und geht dem auf die Spur, was in den gängigen Biografien vergessen wird. Sie lässt einen Hufeisenkrebs und die Sagengestalt Melusine in einem weirden Podcast über das Aussterben philosophieren; eine Frau hält einen gesalzenen Monolog über Selbstbestimmung. Yu Yishuangs Schreiben hingegen löst sich von der traditionellen Logik aus „Konflikt, Wahl und kausalem Handlungsverlauf“ und entspricht damit perfekt dem Titel ,Wasser im Wasser' – ohne klare Grenzen, ohne binäre Gegensätze. In einer Zeit, die von KI und der Zergliederung von Informationen geprägt ist, in der alle vom technologischen Rationalismus vereinnahmt werden, hält sie dennoch an jenen vieldeutigen, mysteriösen Wesenskernen fest, die sich nicht von Maschinen reproduzieren lassen, und strebt nach einer Lebensqualität, die allein dem Menschen eigen ist. Beide Autorinnen zeigen auf ihre je eigene literarische Weise die Vielfalt und Tiefe des weiblichen Schreibens.
Im August begrüßt das Goethe-Institut China Regina Dürig, Gewinnerin des Wortspielpreises 2025, in Peking. Aus diesem Anlass laden wir die chinesische Schriftstellerin Yu Yishuang ein, um einen Dialog zum Thema „Frauenschreiben“ zu ermöglichen. In diesem Gespräch werden die beiden Schriftstellerinnen unter der Moderation von Zhang Yan aus ihren Schreibarbeiten diskutieren.
Seit 2018 ist das Goethe-Institut China beim Internationalen Lteraturfestival WORTSPIELE in München beteiligt. Der Preis findet jährlich statt. Das Internationale Lteraturfestival WORTSPIELE ist eine Kooperation von Johann de Blanck mit dem Zentrum für Kultur und Kunst Muffatwerk und dem Kulturreferat der Landeshauptstadt München, mit Unterstützung des Deutschen Schriftsteller Verlags, des Verlags Texte und Kritiken, des Bayerischen Rundfunks und des Goethe-Instituts China. Die von der Jury ausgewählten Gewinner erhalten neben dem Bayern 2 Wortspielpreis ein einmonatiges Aufenthaltsstipendium, das vom Goethe-Institut China unterstützt wird.
Gäste:
Regina Dürig, geboren in Mannheim, arbeitet gattungsübergreifend mit Text. Sie schreibt Prosa, Texte für die Bühne, Hörspiele, Kinder- und Jugendbücher, Übungen, Experimente und Monotypien. Sie beschäftigt sich mit Rollenbildern und -realitäten, vergessenen Frauen und der strukturellen Versteinerung der Welt. Kollaborationen mit anderen Disziplinen sind zentraler Teil ihrer künstlerischen Arbeit, insbesondere das Stories & Sounds-Duo Butterland. 2025 erschien ihr Erzählband „Frauen und Steine“ bei Droschl. Für ihre Arbeiten hat Regina zahlreiche Auszeichnungen erhalten, u.a. den Kulturpreis der Stadt Biel 2023, den Weinfelder Buchpreis, den Literaturpreis Wartholz und den Literaturpreis des Kantons Bern, ausserdem waren ihre Bücher für den Schweizer Kinder- und Jugendmedienpreis und den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Sie hat an der Plymouth University (UK) mit einer literarischen Arbeit zur amerikanischen Altphilologin Alice Kober promoviert. Regina lebt seit 2006 in Biel/Bienne (Schweiz).
Yu Yishuang, Schriftstellerin. Zu ihren Werken zählen „Alles Feste löst sich in Luft auf“, „Das Feuer habe ich nicht angezündet“, „Das Leben soll nicht explodieren“, „Das Schiff auf dem Meer“, „Im Laufe der Jahre“ und „Wasser im Wasser“. Sie ist Preisträgerin des „Oktober“-Preises für junge Autoren und des „Zijin · Stern der Volksliteratur“-Preises für Romane. Sie war Finalistin des Blancpain-Literaturpreises „Ideal Kingdom“ und des Huadi-Literaturpreises. Einige ihrer Werke wurden ins Englische und Deutsche übersetzt.
Moderation:
Prof. Dr. Zhang Yan ist seit über drei Jahrzehnten als Übersetzerin und Dolmetscherin zwischen dem chinesischen und dem deutschsprachigen Kulturraum tätig. Ihr besonderer Schwerpunkt liegt auf Literatur, Kunst und Kultur; sie dolmetschte u. a. für Peter Handke, Martin Walser, Aleida und Jan Assmann, Volker Schlöndorff und Markus Lüpertz. Als Literaturübersetzerin veröffentlichte sie bislang 14 Übersetzungen, darunter Werke von Peter Handke, Arthur Schnitzler, Marion Poschmann und Friedrich Dürrenmatt.
Ort
Originality Square, 798 Art District, Jiuxianqiao Road 2, Chaoyang District
Ort
Originality Square, 798 Art District, Jiuxianqiao Road 2, Chaoyang District