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14:00–18:00 Uhr

Liquid Body, Leaking Frontier

Ausstellung|Im Rahmen des Projekts „Teehaus 798“

  • Goethe-Institut China, Peking

  • Preis Eintritt frei

Ausstellungsplakat (Ausschnitt) © firm firm

Ausstellungsplakat (Ausschnitt) © firm firm

Partner: 69 Art Campus
Dauer der Ausstellung: 11.09.2026 - 17.01.2027, 10:00 – 18:00 Uhr, Montag geschlossen
Kuratorin: Tang Yifei
Künstler*innen: Chen Tianzhuo, Chen Ruofan, Chen Zhe, Isaac Chong Wai, Liao Wen, Lucy McRae, Man Mei To, Wang Yuyu, Yin Yunya
Archive: Freud Letters; Xiaozu Corridor – Performance Art Video Zine I

Ausstellungseröffnung

Zeit: 11.09.2026, 14:00 – 17:00 Uhr
Zeitplan:
14:00 Uhr Grußwort
14:30 Uhr Führung mit Performance, Performerin: Wang Can
15:00 Uhr Künstlergespräch, Gäste: Chen Ruofan, Liao Wen, Tang Yifei, Wang Yuyu, Sprache: Chinesisch mit englischen Untertiteln

Ort: Goethe-Institut China
Adresse: Originality Square, Jiuxianqiao Road Nr. 2, 798 Art District, Bezirk Chaoyang, Peking
Eintritt frei


Im Rahmen des Projekts „Teehaus 798“ präsentiert das Goethe-Institut China vom 11. September 2026 bis zum 17. Januar 2027 die Gruppenausstellung „Liquid Body, Leaking Frontier“, kuratiert von Tang Yifei und unterstützt von 69 Art Campus. Ausgangspunkt sind Briefe Sigmund Freuds aus der Zeit der Spanischen Grippe von 1920, die in einen Dialog mit Papierarbeiten, skulpturalen Installationen und Videoarbeiten von neun zeitgenössischen Künstler*innen treten. Im Zentrum der Ausstellung steht der Körper als Ort von Erinnerung, Verletzlichkeit und gesellschaftlicher Erfahrung.

In einem Brief an seinen engen Freund Oskar Pfister beschreibt Freud, wie die persönliche Trauer nach einem traumatischen Verlust zeitverzögert einsetzen kann. Ausgehend von dieser Beobachtung untersucht die Ausstellung einen Zustand, der auch über die historische Situation hinaus relevant ist. Nach tiefgreifenden gesellschaftlichen Erschütterungen kehren öffentliche und soziale Strukturen häufig schnell zur Normalität zurück, während individuelle Erfahrungen von Verlust, Widerspruch, Unsicherheit und Verletzlichkeit weiterwirken.

Die Ausstellung fragt, was mit solchen Erfahrungen geschieht, wenn sie sich nicht unmittelbar in Sprache oder gesellschaftlichen Narrativen ausdrücken lassen. Der Körper wird dabei zum zentralen Medium: Er speichert Erinnerungen, trägt Spuren gesellschaftlicher Veränderungen in sich und macht Erfahrungen sichtbar, die sich einer sprachlichen oder rationalen Einordnung entziehen.

Die in den vergangenen Jahren und heute entstandenen Arbeiten – darunter Papierarbeiten, Skulpturen, Installationen und Videos – nähern sich diesen Fragen aus unterschiedlichen Perspektiven. Die Videoarbeiten kommen vollständig ohne Dialog aus und arbeiten stattdessen mit Bewegung, Gesten, Wiederholungen und nonlinearen Bildrhythmen. Die skulpturalen Arbeiten untersuchen körperliche Wahrnehmung, Grenzzustände und Formen der Veränderung.

In der Ausstellung „Liquid Body, Leaking Frontier“ wird der Körper nicht als statische Grenze verstanden, sondern als ein durchlässiger und sich ständig verändernder Raum zwischen Individuum und Gesellschaft, Erinnerung und Gegenwart sowie Mensch und Umwelt. Die Ausstellung beschäftigt sich mit der Frage, wie sich langfristige Verletzlichkeit und unsichtbare Formen von Gewalt in Körper und Wahrnehmung einschreiben können. Zugleich wird nach einer Form von Resilienz gesucht, die nicht in der Rückkehr zu einem früheren Zustand liegt, sondern in Veränderung, Anpassung und der Entwicklung neuer Formen des Daseins.
 

Die Kuratorin


Tang Yifei ist Kuratorin und Autorin. Im Zentrum ihrer Forschung steht das metaphorische Potenzial von Körper und Verkörperung. Sie beschäftigt sich mit biologischen, fiktionalen und mehr-als-menschlichen Ökologien und untersucht insbesondere Fragen der Performativität und Intersubjektivität innerhalb und außerhalb kultureller und gesellschaftlicher Konstruktionen sowie deren Überlagerungen in unterschiedlichen Zeit-Raum-Konstellationen.

Website: pseudo-yifei.org
 

Die Künstler*innen


Chen Tianzhuo hat mit einer eklektischen und multidisziplinären Praxis aus Performance, Installation, Video, Fotografie und Arbeiten auf Papier eine eigenständige Position in der zeitgenössischen Kunst entwickelt. Häufig verbinden sich diese Medien in komplexen, hypnotischen Performances, die die Grenzen zwischen Ausstellung und Theater verwischen. In seinen Arbeiten greift er auf Fragmente und Symbole aus Sub- und Clubkultur, religiösen Ritualen und ökologischen Diskursen zurück. Dabei beschäftigt er sich mit unterschiedlichen Vorstellungen von Existenz, Spiritualität, (nicht-)materiellen Kräften und der Komplexität unserer posthumanen Gegenwart.

Chen Ruofan lebt und arbeitet in Shanghai. Er arbeitet mit Malerei, Installation und ortsspezifischer Recherche. Im Zentrum ihrer Praxis stehen chronische und unsichtbare Formen ökologischer, körperlicher und emotionaler Verletzlichkeit, die sich unbemerkt akkumulieren, bis sie einen Krisenpunkt erreichen. Gesammelte Materialien wie Staub und industrielle Rückstände verwandelt sie in materielle Zeugnisse. Ihre Arbeiten wurden international ausgestellt. Zu ihren jüngeren Ausstellungen zählen „Dull Ache“ (LC Queisser, Tiflis, 2026), „Dust“ (Shower Gallery, Seoul, 2025) und „Shelter“ (BANK, Shanghai, 2024). 2026 war sie außerdem in den Ausstellungen „Stay Connected: Supplying the Global“ im Tai Kwun Contemporary in Hongkong und „2026 Art Spectrum“ im HOAM Museum of Art in Seoul vertreten.

Chen Zhe versteht ihre künstlerische Praxis als eine Suche nach Verbindung inmitten von Trennung. Sie untersucht Schwellen, an denen Körper und Bewusstsein um eine Verbindung ringen, während Sprache und Erfahrung nicht zueinander passen. Dabei beschäftigt sie sich mit der Frage, wie sich Zeit, Trauma, Begehren und Glauben in den Körper einschreiben und durch ihn Gestalt annehmen. Ihre Arbeiten sind stark von Literatur, Anatomie und jungscher Psychologie geprägt und greifen auf Symbolsysteme aus Astronomie, Wahrsagung, Alchemie und rituellen Praktiken zurück.

Isaac Chong Wai arbeitet mit Installation, Performance, Video, Fotografie und Zeichnung. Ausgehend von Körper und Zeit sowie den Spuren, die beide hinterlassen, untersucht er gesellschaftliche Phänomene und zwischenmenschliche Beziehungen. Er überführt Emotionen, Spannungen und Erinnerungen in performative Materialität und beschäftigt sich mit der Verletzlichkeit und Widerstandsfähigkeit des Körpers innerhalb gesellschaftlicher Systeme. Dabei entwirft er alternative Mikrokosmen menschlicher Beziehungen, die auf gegenseitiger Unterstützung und Verständigung beruhen. Chong war an der 60. Biennale di Venezia beteiligt.

Liao Wen arbeitet vor allem mit Skulptur und Installation. In ihrer künstlerischen Praxis beschäftigt sie sich mit Brüchen in individuellen Erfahrungen innerhalb kollektiver Narrative. Mithilfe somatischer Metaphern und fragmentierter Körperformen untersucht sie menschliche Verletzlichkeit und die Spannungen zwischen individueller Erfahrung und gesellschaftlicher Wahrnehmung.

Lucy McRae leitet ein multidisziplinäres Kunst- und Forschungsstudio, das sich mit den Auswirkungen zukünftiger Technologien auf die menschliche Evolution befasst. In Filmen, kinetischen Skulpturen und Textilarbeiten entwirft sie hypothetische Welten und setzt sich mit neuen wissenschaftlichen Feldern wie Gentechnik und CRISPR auseinander. In ihren genreübergreifenden Science-Fiction-Filmen und Installationen entwirft sie eine mögliche nahe Zukunft, in der wissenschaftliche Fortschritte es ermöglichen könnten, Menschen außerhalb des Mutterleibs im Labor heranwachsen zu lassen. Dabei dient ihr die Spekulation als künstlerisches Werkzeug, um Fragen nach Technologie, Ethik, Identität und der Zukunft des Menschen aufzuwerfen.

Man Mei To untersucht urbane Landschaften und Lebenswelten, ausgehend von der Intimität des Körpers. Durch das Klonen, Rekonstruieren und Quantifizieren von Alltagselementen macht sie auf die Existenz unterschiedlicher Lebewesen und die Verbindungen zwischen ihrer Verletzlichkeit und ihrem Schweigen aufmerksam. 2017 erwarb sie einen Bachelorabschluss in Malerei am Royal Melbourne Institute of Technology (RMIT) und 2024 einen Masterabschluss in Bildhauerei an der Slade School of Fine Art, University College London. Ihre Arbeiten wurden international ausgestellt, unter anderem im Para Site in Hongkong, im Hive Center for Contemporary Art in Peking und Shanghai, in der Power Station of Art in Shanghai und bei Tangent Projects in Barcelona. 2021 nahm sie am Residenzprogramm „Tai Kwun Contemporary Artists’ Studio” teil.

Wang Yuyu beschäftigt sich mit Schwellenzuständen, die durch die Bewegung von Körpern und Materie entstehen. Sie untersucht, wie alltägliche Wahrnehmungen, die durch Wiederholung und Akkumulation geprägt sind, landschaftsähnliche Qualitäten annehmen. In ihren körperlich geprägten Arbeitsprozessen verwendet sie Materialien wie Silikon, Stoff, Fasern, Metall und organische Objekte und erforscht deren Verformung, Anordnung und Kombination. Dabei interessiert sie sich insbesondere für die Verhaltenslogiken, die sich in Alltagsszenen und häuslicher Arbeit verbergen. In ihrer jüngeren Praxis richtet sie den Blick auf nichtmenschliche Bewohner:innen der Stadt – etwa Insekten und parasitäre Pflanzen – und untersucht, wie diese natürliche Energien mobilisieren, die durch die Ordnung der Zivilisation unterdrückt werden. Schwellenzustände wie „Anhaftung“, „Parasitismus“ und „Infiltration“ versteht sie dabei als mögliche Strategien des Überlebens und der Kritik.

Yin Yunya studierte an der Beijing Film Academy und der University of the Arts London. Ausgehend von persönlichen Erfahrungen betrachtet sie alle Dinge als „Wörter“ und erforscht gemeinsame Schicksale, die Grenzen überschreiten. Ihre konzeptuelle Praxis ist in der zeitgenössischen Erfahrung verankert. Mit Bewegtbild, Performance und materialbasierten Installationen erforscht sie die aus den Widersprüchen und Paradoxien menschlicher Existenz entstehende Vitalität. Ihre Arbeiten wurden international ausgestellt und im Rahmen verschiedener Residenzprogramme präsentiert.

Die Tänzerin

Wang Can ist eine unabhängige Tänzerin und lebt in Peking. Sie studierte an der Juilliard School in New York und der University of the Arts in Philadelphia. Als Tänzerin arbeitete sie unter anderem mit dem Buglisi Dance Theatre, Helen Simoneau Danse zusammen. Ihre eigenen Arbeiten wurden international präsentiert, darunter "The Power of Waiting" beim International Contemporary Dance Festival of Mexico und "Porous Inhabitant" an der Bronx Academy of Arts and Dance in New York.


Der Partner


69 ART CAMPUS ist eine gemeinnützige Institution für zeitgenössische Kunst mit Sitz in Peking. Die Institution macht ihre Sammlung zeitgenössischer Kunst der Öffentlichkeit zugänglich und lädt Kurator*innen und Künstler*innen ein, unterschiedliche Kunstprojekte zu realisieren. Ziel ist es, neue Formen des Dialogs zwischen Unternehmensräumen und zeitgenössischer Kunst zu schaffen und beide Bereiche innerhalb eines gemeinsamen Raums zu verbinden.

Danksagung

Besonderer Dank gilt der Blindspot Gallery, White Space Beijing, LC Queisser und der ShanghART Gallery für ihre Unterstützung bei der Leihgabe von Kunstwerken und der Zusammenarbeit im Rahmen des Projekts.

Unser Dank gilt Josh Levy, PhD, Wissenschafts- und Technikhistoriker in der Manuskriptabteilung der Library of Congress, für die Bereitstellung von Archivmaterial und wissenschaftlichen Quellenangaben zu Freuds Briefen.

Besonderer Dank gilt Zhao Xuan, dem Organisator des „Xiaozu Corridor“, sowie den beteiligten Künstler*innen: Amo, Cheng Yiren, 1‑to‑1, Du Songzi, Gao Xu, He Huan, He Yuchen, Jin Jinjin, Li Junxiao, Li Rui, Li Yaoyao, Liu Hui, Lu Wenqi, Lü Desheng, Mu Xinrong & A Jun, Wang Xiao’ai, Wang Mengyuan, Yi Zhi, Yang Junfeng, Yu Dayu, Yu Mingjing, Monique Yim, Wei Gongxiang, Zhao Xuan, Zhou Yuhan und Zi Xi für ihre Teilnahme am Archivteil dieser Ausstellung.
Übersetzt mit DeepL.com (kostenlose Version)