Band des Monats
Ambre Vallet

Eine Frau vor einem blauen Hintergrund.
© Joshua Keisers

Zwei Sprachen, zwei Kulturen, zwei Heimaten: Ambre Vallet hat gelernt, zwischen Deutschland und Frankreich ihren eigenen Platz zu finden. Was zunächst eine persönliche Erfahrung war, ist heute zum Markenzeichen ihrer Musik geworden. Mit zweisprachigen Songs, Übersetzungen und genreübergreifenden Projekten verbindet sie Menschen auf beiden Seiten des Rheins.

Von Josefine Rempe

Eine deutsch-französische Kindheit

Geboren ist Ambre in Montpellier - ihr Vater ist Franzose, ihre Mutter Deutsche. Als sich die beiden trennen, ist Ambre 6 Jahre alt und zieht mit ihrer Mutter nach Münster. Mit 15 zieht sie nach Berlin-Charlottenburg, wo sie bis heute lebt. Die Trennung ihrer Eltern, sowie das Leben zwischen zwei Nationalitäten, zwei Identitäten, prägt sie sehr und so auch ihre Musik.

Das Musizieren begleitet sie von klein auf. Als sie 4 Jahre alt ist, nimmt ihre Mutter sie mit auf ihr erstes Konzert. Weil sie schon immer sehr viel Energie hatte, ließ ihre Mutter sie viel ausprobieren, um diese herauszulassen. Deshalb fängt die kleine Ambre zunächst Schlagzeug-Unterricht an. Später wechselt sie dann zu Gitarren-Kursen. Hier lernt sie auch, sich selbst beim Spielen mit Gesang zu begleiten.

Karrierestart mit YouTube

Mit 14 fängt sie an, Videos auf YouTube hochzuladen und gewinnt so an Bekanntheit. In ihrem Kinderzimmer covert sie deutsche und französische Songs, die gerade beliebt sind. Und dies zu einer Zeit, in der man mit YouTube noch kein Geld verdienen kann und in der Schule dafür ausgelacht wird. Weil sie somit auch keine Sicherheit hat, mit ihrer Musik Geld verdienen zu können, macht sie später also zusätzlich noch einen Bachelor in Marketing.

Doch das Covern behält sie bei – bis heute macht es noch einen Großteil ihrer Musik und vor allem ihres Contents auf den sozialen Medien aus. Oft übersetzt sie die Charts des Moments auf Deutsch oder auf Französisch und hat sich so inzwischen eine große deutsch-französische Community aufgebaut, die ihr Song-Anfragen schickt oder ihre Sprachkenntnisse mit ihren Übersetzungen trainieren kann. Zu ihrem Cover-Repertoire gehören zudem Techno-Remixe von Klassikern wie Ella Elle l’a von France Gall, eines ihrer meistgehörten Lieder auf Spotify. Im Feature mit den DJs Neptunica und Ely Oaks vermischt sie hier die deutsche Techno-Tradition mit dem französischen Chanson.

Zwischen Freiheit und Verantwortung

Dabei geht sie all ihre Projekte unabhängig an, ohne Plattenvertrag. Im Coffee Clash-Interview mit Ingo Nommsen erklärt sie, dass sie sich musikalisch noch etwas ausprobieren möchte, sich nicht auf ein Genre festlegen möchte. Dies ist unter vertraglichen Bedingungen, die einen häufig an ein bestimmtes Genre binden, nicht möglich. Dass sie durch diese Experimentierfreude an Reichweite einbüßt, ist ihr bewusst. Jedoch erklärt sie: „Aber es geht ja bei Musik nicht, finde ich, immer um die Zahlen, sondern was man halt auch damit verbindet. Ich schreibe auch viele Songs über gesellschaftskritische Themen, über Frauenthemen – also, ich habe einen Song zum Beispiel, der heißt Deine Mama, den habe ich vor 5 Jahren rausgebracht. Da geht’s um Belästigung und so.“

Inzwischen ist Deine Mama schon 6 Jahre alt, doch für Frauen auf der ganzen Welt beschreibt er noch immer eine traurige Alltäglichkeit: „Zahlst solange ihre Drinks, bis sie mitmacht / Denn sie ist nur eine Bitch, wenn sie nein sagt / Wenn sie dich ignoriert, will sie nur mit dir spielen / Dreht sich weg, deshalb ziehst du sie zu dir.“ Belästigungen und Missbrauch gehen oft im Schatten der Scham unter, werden für sich behalten, aus Angst, als übertrieben oder als Lügnerin wahrgenommen zu werden. Ambre gibt all diesen untergegangenen Erfahrungen in ihrem Song einen Raum und so erreicht sie, auch ohne einen Plattenvertrag, eine große Reichweite für alle, die sich schon einmal in einer ähnlichen Situation befunden haben, doch sich nicht getraut haben, darüber zu sprechen.

Entre les deux: angekommen zwischen zwei Welten

Ambre geht es also nicht um Hörerinnen- und Follower-Zahlen, sondern vielmehr darum, das zu finden, was ihr Spaß macht. Dies findet sie in den verschiedensten Kontexten; letztes Jahr zum Beispiel war sie der Support für den französischen Rapper Gims während seiner Tourstopps in Deutschland – nun hat sie Bühnenluft geschnuppert und wünscht sich, bald selbst auf Tour gehen zu können. Ihre Nische hat sie gefunden; es ist ihre deutsch-französische Identität, die ihre deutsch-französische Musik ausmacht. So führt sie auch zweisprachig in ihr neues Album Entre les deux mit dem Song Ambre ein: „Ambre – in beiden Sprachen fehlen mir Worte / Ist okay, ça c’est ma langue / Si vous ne pouvez pas me comprendre / Écoutez moi !“

„Écoutez moi !“ Ein klarer Aufruf, sich das am 16.10. erschienene Album anzuhören, ob zum Deutsch- oder Französisch-Üben, oder einfach, weil man eine solche Mischung aus Sprachen und Genres selten hört. Mit viel Energie geht Ambre das neue Album an. Écoutez-la alors !

 

Diskografie

Alben
Unzensiert (2019)
7 (2021)
Entre les deux (2026)

Singles (Auswahl)
Montpellier (2021)
Deine Mama (2021)
Ton Amour (2022)
je t’aime (es tut weh) (2025)
Ambre (2026)
Tant pis (2026)

Band des Monats auf Spotify

Hände und Gitarre © Colourbox.com, ldutko Jeden Monat stellen wir euch eine Band oder eine*n Sänger*in aus einem deutschsprachigen Land vor – den Musikstilen sind keine Grenzen gesetzt. Mit dieser Playlist könnt ihr in die Musik der vorgestellten Künstler*innen hineinschnuppern..

 

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