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Das Deutsche Filmfestival 2026 in Rom
Filme aus Deutschland zwischen Vielfalt, Aktualität und Licht

Martina Barone (rechts) und Sarah Wollberg (links) vor den Filmplakaten des 6. Festivals des Deutschen Films in Rom
Martina Barone (rechts) und Sarah Wollberg (links) beim 6. Festival des Deutschen Films in Rom | © Goethe-Institut Italien | Foto: Sarah Wollberg

Das Deutsche Filmfestival 2026 zeigt wieder eine reichhaltige Auswahl an Filmen aus Deutschland. Zwischen Dokumentarfilmen, die mit dem italienischen Publikum in Dialog treten, und Spielfilmen, die Brücken zwischen verschiedenen Welten schlagen, zeigt das diesjährige Programm viele verschiedene Perspektiven und Filmsprachen. Wir haben Martina Barone getroffen, Mitglied der diesjährigen Jury, die mit uns über die Filmauswahl gesprochen hat.

Von Sarah Wollberg

Welches Deutschlandbild vermitteln die Filme des Deutschen Filmfestivals 2026?

Mich hat die große Vielfalt überrascht: Die Filme, die wir zeigen, führen in unterschiedliche Teile der Welt, erzählen von verschiedenen Figuren und öffnen zahlreiche Blickwinkel. Wenn ich es zusammenfassen müsste, würde ich sagen, dass es nicht ein einziges Bild gibt, sondern ein ganzes Spektrum an Möglichkeiten. Und genau das ist das Schöne daran.

Diese Vielfalt war auch eines der Kriterien, die uns bei der Auswahl geleitet haben: dem Publikum ein möglichst breites Panorama zu bieten und es in die jüngste deutsche Filmproduktion einzuführen. Die Zuschauer*innen finden hier sehr unterschiedliche Erzählweisen, Techniken, Bilder, Geschichten und Genres – und das freut mich besonders.

Ich denke gern an Deutschland als ein vielfältiges, offenes Land, das von unterschiedlichen Welten durchzogen ist. In den Filmen, die wir ausgewählt haben, gibt es viel Offenheit, Wärme und Licht.

Was hat Dich am meisten beeindruckt?

Auch die diesjährige Dokumentarfilmauswahl hat mich durch die gleiche Offenheit überrascht, von der ich bereits gesprochen habe. Im Dokumentarfilm hat uns vor allem das Kino des Realen geleitet: Dort haben wir die stärkste Gegenwärtigkeit gefunden. Während die Spielfilme mit Genres und weiter gefassten Geschichten experimentieren, sind die Dokumentarfilme stärker an Sprache, Realität und aktuellen Figuren orientiert.

Martina Barone an einem Tisch im Rahmen des 6. Festivals des Deutschen Films in Rom © Goethe-Institut Italien | Foto: Sarah Wollberg

Ich denke zum Beispiel an den Dokumentarfilm über die Regisseurinnen, No Mercy von Isa Willinger: Nichts könnte aktueller sein. Als ich ihn gesehen habe, war ich völlig gefesselt. Es ist wunderbar, ein Werk zu zeigen, das so eng mit dem historischen Moment verbunden ist, den wir gerade erleben.

Gibt es eine besondere Verbindung zum italienischen Publikum?

Ja, auf jeden Fall der Dokumentarfilm über die deutsche Ikone: I Want It All. Hildegard Knef von Luzia Schmid. Als wir ihn ausgewählt haben, dachte ich sofort, dass er eine Brücke zum italienischen Publikum schlagen könnte: Er erzählt eine sehr persönliche und spezifische Geschichte, in der sich jedoch viele ähnliche Figuren aus unserem Land wiederfinden können. Er ist stark identitätsbezogen, aber gerade deshalb so resonant.

Er erinnert an eine Art von Erzählung, die auch wir in Italien kennen – deshalb erschien er mir wie eine natürliche Brücke: ein Film, in dem italienische Kinoliebhaber*innen etwas Vertrautes entdecken können, eine Erzählweise, die stark mit unserer eigenen Vorstellungswelt kommuniziert.

Erzählst du uns etwas über den Eröffnungsfilm „Gavagai“ von Ulrich Köhler?

Wir haben ihn gemeinsam ausgewählt, weil er uns als der perfekte Eröffnungsfilm erschien. Er verbindet eine klare Autorenhandschrift mit einer offenen, publikumsnahen Sprache und einer Form des Erzählens, die ein großes Publikum erreichen kann. Es ist genau der Film, der ein Festival eröffnen sollte: zugänglich, aber dennoch mit einer ganz besonderen künstlerischen Handschrift.

Gibt es ein wiederkehrendes Thema im Festivalprogramm?

Normalerweise kann man bei einem Festival mit thematischem Schwerpunkt gut erkennen, welche Art von Kino aus einem bestimmten Land kommt: die Stimmung, die Richtung, das, was erzählt werden soll. In diesem Fall zeigt die Vielfalt der Filme jedoch etwas anderes: wie unterschiedlich, wie experimentierfreudig und wie ausdrucksstark die Werke sind. Und auch das ist spannend, denn das Publikum sieht viele verschiedene Ansätze, ohne das Gefühl zu haben, immer wieder dieselbe Geschichte zu sehen.

Ein Beispiel ist The Frog and the Water von Thomas Stuber – ein sehr zarter Film, etwas, das man vielleicht nicht sofort erwarten würde. Es ist ein warmherziger Film mit einem starken Thema rund um das Bedürfnis nach Kommunikation. Mich hat seine Schönheit beeindruckt: Figuren, die trotz ihrer Schwierigkeiten, miteinander zu kommunizieren, einen Weg finden, einander zu verstehen.

Dieses Motiv taucht in verschiedenen Formen auch in anderen Filmen des Festivals auf. Wenn wir also ein gemeinsames Thema benennen wollten, wäre es wohl dieses: das Bedürfnis, Brücken zu bauen und miteinander zu kommunizieren.

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