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Literatur in Zeiten des Coronavirus
Fragen, Veränderun­gen, Chancen

Antje Damm im Home Office
Antje Damm im Home Office | Foto: © Antje Damm

Antje Damm ist Autorin und Illustratorin von Kinder- und Bilderbüchern. In ihrem Fragebuch „Was wird aus uns? Nachdenken über die Natur“ gibt sie Kindern und Erwachsenen viel Stoff für Gespräche über die Umwelt und ihre Bedeutung. Aus ihrem Zuhause in der Nähe von Gießen gab sie uns das folgende Interview.

Was lösen die aktuelle Lage und die soziale Distanz in Ihnen und in Ihrer Arbeit aus?

Da ich zu Hause arbeite, hat sich an meiner Arbeitssituation nichts tiefgreifendes verändert. Ich bin gewohnt, meinen Arbeitsalltag selber zu strukturieren und auch zu ungewöhnlichen Zeiten am Schreibtisch zu sitzen. Einzig die Tatsache, dass nun auch alle anderen Familienmitglieder hier sind und wir oft den ganzen Tag wieder zu sechst das Haus bevölkern, hat zur Folge, dass ich weniger Ruhe zum Arbeiten habe und abgelenkter bin. Gerade habe ich zwei Bilderbuchprojekte abgeschlossen und kann nun glücklicherweise ohne Druck an Sachen arbeiten, die mir Spaß machen. Zum Beispiel bemale ich kleine Streichholzschachteln und baue winzige Dioramen, einfach aus Spaß. Wahrscheinlich hätte ich für solche spielerischen Sachen sonst keine Zeit. Jetzt mache ich das einfach. Was sich wirklich immens auswirkt auf meinen Alltag, sind die ganzen abgesagten Lesungen, Veranstaltungen und Reisen. Das macht sich natürlich finanziell bemerkbar und die Erlebnisse und der Austausch mit Menschen sind für mich ein wichtiger Bestandteil meiner Arbeit, der nun einfach weggebrochen ist und der mir sehr fehlt. Ansonsten geht es uns hier gut, weil wir einen Garten und viel Platz haben und viel Draußen sein können. Mir tun Leute in der Stadt leid, die kleine Kinder haben oder einsam sind.

Sie haben mit dem Goethe-Institut Rom das Schulprojekt „Was wird aus uns?“ – auf Ihrem gleichnamigen Buch basierend – für italienische Schulen entwickelt und haben selber Kinder. Wie erleben Sie den Fernunterricht?
 
Meine beiden jüngeren Töchter sind 14 und gehen in die achte Klasse. Für sie ist es in Ordnung, selbstständig Arbeitsaufträge zu erledigen. Allerdings bin ich nun viel mehr involviert, denn bei Fragen und Problemen werde ich natürlich angesprochen und versuche dann auch zu helfen. Das ist nicht immer ganz einfach, gerade in Fächern wie Mathe oder Physik. Ich habe die Befürchtung, dass Kinder mit Eltern, die arbeiten müssen, oder einfach nicht so gut helfen können, benachteiligt sind. Was wir alle klasse finden, ist, dass wir nicht so früh aufstehen müssen, wie sonst. Meine Töchter sehnen sich wieder nach der Schule, die ja nicht nur ein Lernraum, sondern auch wichtig für die sozialen Kontakte ist.
Antjes Tag im Lockdown Antjes Tag im Lockdown | Illustration: © Antje Damm Sie schreiben Fragebücher für Kinder. Welche Fragen müssen wir jetzt Kindern (und uns selbst) stellen?
 
Spannend finde ich nun die Fragen, die unser menschliches Miteinander betreffen. Brauchen wir andere Menschen, warum, wofür? Kann man Freundschaften auch pflegen, obwohl man sich nicht treffen kann? Verändert sich da etwas? Wir kann man Menschen, die nun einsam sind, helfen? Genau diese Gespräche habe ich auch mit meinen Kindern. Sie haben an Menschen in Altenheimen und Hospizen Briefe geschrieben, die gegen die Einsamkeit und Isolation helfen sollen. Da denke ich manchmal, so eine Krise hat auch Chancen und löst Dinge aus, die gut sind.

Ihr Buch „Was wird aus uns?“ beschäftigt sich mit den Themen Natur und Mensch, Naturschutz und Nachhaltigkeit. Momentan beobachten wir, dass sich die Natur erholt und Tiere sich ihren Lebensraum zurück erobern. Welche Wünsche haben Sie für eine Post-Corona-Zeit in Sachen Nachhaltigkeit?
 
Ich hoffe, die Beschäftigung mit dem Thema der globalen Verantwortung, Klima- und Naturschutz rücken nun nicht in den Hintergrund. Die Fridays-for-Future-Bewegung ruht gerade, das ist schade! Aber man sieht ja an den ganzen Maßnahmen, die unser Leben massiv beeinträchtigen, wozu Politik und Gesellschaft in der Lage sind. Dieses schnelle und durchgreifende Handeln unserer Politik wünsche ich mir auch, wenn es um die Umweltthematik geht. Vielleicht erinnern wir uns nach Corona daran und fordern es für andere Themen auch ein. In meinem Buch Was wird aus uns? Gibt es die Frage: „Wozu sind lästige Tiere und Krankheiten gut?“. Da kann man auch drüber nachdenken ...

Sie sind Illustratorin, aber auch Architektin. Was müssen Ihrer Meinung nach Städte und Städteplaner tun, um den Klimaschutz jetzt mehr Raum zu geben?
 
Wir müssen vom Auto und Flugzeug weg. Mobilität in Städten muss mit dem Fahrrad funktionieren und Reisen mit der Bahn, wenn möglich. Städtebau beschäftigt sich ja schon lange mit klimaneutralen Konzepten. Leider wird davon zu wenig umgesetzt, weil andere Parameter Vorrang haben. Ich glaube, wir wissen ganz genau, was der Natur und unserem Leben gut täte, aber wir sind nicht bereit, dafür auf bestimmte Dinge zu verzichten.

Arbeiten Sie zur Zeit an einem Buchprojekt? Und wenn ja, nimmt die jetzige Situation Einfluss auf die Gestaltung des Buches? Wäre es ohne Covid19 vielleicht anders geworden?
 
Ich bin gerade auf der Suche nach einer neuen Projektidee. Ob diese Krise konkret Einfluss darauf nimmt, kann ich nicht sagen. Ich denke aber, dass man sich automatisch mit neuen Fragen beschäftigt. Natürlich beeinflusst diese Zeit mein Denken, und das wird in zukünftige Projekte auch einfließen.

Was vermissen Sie gerade in der Zeit des Lockdowns?
 
Mir fehlen die leckeren Essen bei meinen Eltern und meine Freunde unheimlich. Und ich möchte mal wieder ins Theater gehen und Konzerte hören. Kultur ist kein Luxus, sondern lebensnotwendig für mich. Ach, und mal Jemand in den Arm nehmen ist auch schön!

Haben Sie eine Frage für uns und unsere Leser?
 
Interessant fände ich die Frage, ob man nach der Krise etwas an seinem Verhalten ändern wird und wie man diese Situation als Chance für die Zukunft sehen kann.
 

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