300 Worte Deutsch

Regie: Züli Aladağ
Deutschland 2014, 98 Min.
Mit: Pegah Ferydoni, Christoph Maria Herbst

300 Worte Deutsch © DCM Die emanzipierte Deutsch-Türkin Lale Demirkan ist sowohl mit der deutschen als auch mit der türkischen Kultur aufgewachsen. An der Universität studiert sie Germanistik, zuhause ist sie die muslimische Vorzeigetochter. Ihr Vater Cengiz ist zwar liebenswert, aber auch sehr traditionsbewusst. Zwischen Tradition und Moderne hin- und hergerissen, kommt Lale bald in Gewissenskonflikte, denn sie soll die vom Vater nach Deutschland geholten "Importbräute" vor der Abschiebung in die Türkei bewahren, indem sie den zu verheiratenden Frauen dabei hilft, den dafür notwendigen 300-Worte-Deutschtest zu bestehen. Nur so können sie eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen. Allerdings heißt dies aber auch, dass sie an fremde Männer verheiratet werden. Zu allem Überfluss sitzt ihnen unentwegt der fremdenfeindliche Ausländeramtsleiter Ludwig Sarheimer im Nacken.
 
Züli Aladags 300 Worte Deutsch ist eine gelungene Culture-Clash-Komödie über die deutsche und türkische Mentalität, die nach beiden Seiten kräftig austeilt. Der großartige Christoph Maria Herbst und der türkische Schauspieler Vedat Erincin beharken sich in ihren widerstreitenden Rollen wie einst Don Camillo und Peppone, die bezaubernde Pegah Ferydoni (Türkisch für Anfänger) füllt ihre Rolle mit Charme und großer Spielfreude. Das Drehbuch stammt aus der Feder von Ali Samadi Ahadi und Arne Nolting, die zuvor die ähnlich inkorrekte Ausländerkomödie "Salami Aleikum" schrieben.
Ein Film, der mit irrwitzigem Humor Vorurteile und Ressentiments abbaut und allen empfohlen sei, die in einem deutschen Film endlich mal wieder richtig lachen wollen.

So brachial 300 Worte Deutsch in manchen Momenten auch sein mag, im Kern erzählt Züli Aladag auf humorvolle, pointierte, aber eben auch ernsthafte Weise von der schwierigen und oft kaum zu erfüllenden Rolle, die gerade von Migranten der zweiten oder dritten Generation oft erwartet wird. Gleichzeitig traditionell und modern zu sein ist eben kaum möglich und kann zu Zerwürfnissen führen, die sich in einem Film am Ende meist auflösen, in der Wirklichkeit aber oft nicht.