Regisseur SABU im Interview: „Ich liebe es, Gegensätze zusammenzubringen."

Pressekonferenz Mr.Long
© Berlinale 2017

Regisseur Hiroyuki Tanaka, besser bekannt als SABU, zählt zu den international erfolgreichsten Regisseuren Japans. Mit der Berlinale verbindet ihn eine lange Beziehung.

Bereits sein Erstlingswerk Dangan Runner (1996) führte ihn zu den Berliner Filmfestspielen, sein vierter Film Monday (1999) wurde mit dem FIPRESCI Preis ausgezeichnet und viele seiner weiteren Werke im Bereich Panorama/Forum gezeigt. Nach seinem actiongeladenen Epos Chasuke’s Journey  (Ten no Chasuke, 2015) trat er mit der internationalen Koproduktion Mr. Long (2017) nun zum zweiten Mal im Wettbewerb der Berlinale an.
 
Regisseur Sabu © Berlinale 2017 SABU, Sie sind nun bereits zum 9. Mal auf der Berlinale und verbrachten auch für die Post-Produktion von Mr.Long einige Zeit hier. Hat sich die Stadt in Ihren Augen verändert?


Nun die Atmosphäre rund um die Gedächtniskirche hat sich (nach dem Anschlag im Dezember 2016) merklich verändert. Kreuzberg ist noch multikultureller geworden und es liegt eine gefährliche Spannung in der Luft. Es könnte glaube ich spannend sein, dort einen Film zu drehen. Es ist durch und durch künstlerisch, bis hin zum Graffiti an den Wänden.

Hat das Berlinale Publikum auf ihren Film reagiert, wie Sie es erwartet/geplant haben? Und war diese Reaktion anders als die des japanischen Publikums?

Es kamen Reaktionen an genau den Stellen, die ich geplant hatte. Das internationale Publikum lacht manchmal „ungeplant“, aber das kam dieses Mal nicht vor. Dafür gab einen regelrechten Aufruhr bei einer schockierenden Szene, ich glaube sie hat das Publikum wütend gemacht.

Wie kamen Sie auf Idee, zwei so unterschiedliche Dinge wie „Kochen“ und „Töten“ im Film zusammenzubringen? Zwei Dinge, die eigentlich nicht zusammen passen?

Gerade deshalb habe ich mich dafür entschieden ein Messer (und keine andere Waffe) zu verwenden. Mich interessierte es ein gefährliches Tötungswerkzeug in ein Werkzeug zu verwandeln, das den Menschen Freude bereitet – diesen Gegensatz. Ich fand es spannend zu zeigen, dass ein Werkzeug, das einen  Menschen töten kann im nächsten Augenblick zu etwas wird, was den Menschen Freude bereiten kann.  Und nicht zuletzt, liebe ich es einfach, Gegensätze zusammenzubringen

Warum haben Mr. Long und Lilly so wenig Dialoge?

Lilly ist verzweifelt und Mr. Long ist jederzeit auf den Tod gefasst -  so sind diese beiden. Ich wollte zwar verschiedene Dinge ausdrücken, aber nicht mit alltäglichen Worten. Die beiden haben keine Zukunftsträume, keine Pläne,  deshalb tauschen Sie nur große, wichtige Worte. Ich wollte keine gewöhnliche Liebesgeschichte erzählen.  

Bitte erklären Sie die Kabukiszene.

Dabei ging es um den Unterschied zwischen der taiwanesischen und japanischen Kultur. Ich wollte die Individualität der Dorfbewohner aufzeigen.   zeigen. Im Stück „Shirami go nin otoko (frei: „Die 5 Räuber“) geht es um unterschiedliche Männer, die genau wie Mr. Long aufgewachsen sind – Mr. Long und die Figuren im Stück haben vieles gemeinsam. Ich glaube das Berlinale Publikum mochte die Szene.

In ihren Filmen kommen viele Yakusa vor. Ich glaube Yakusa gelten heute als cooler, als Ninja und Samurai.

Für Actionfilme eignen sie sich sehr gut als Charaktere. Früher galten sie als cool, heute eher weniger. Ihre Auftritte steigern immer die Spannung, deshalb eigen sie sich besonders gut in der Rolle der Bösen.

Wie war es mit ausländischen Schauspielerin zusammen zu arbeiten? Gab es Probleme?

Wir hatten einen Dolmetscher, darum hab es keine Kommunikationsschwierigkeiten. Nur für Lilly hatten wir keinen Übersetzer, deshalb  sind wir jede Szene vor dem Dreh genau durchgegangen. Wir fragen uns jedes Mal, was wir als nächstes drehen wollten und  machten dann eins nach dem anderen. Sie war wunderbar!

Wie schon in Ten no Chasuke (2015) spielte in diesem Film das Schicksal eine große Rolle. Dass das der eigene Lebensweg von anderen bestimmt wird. Haben Sie das Gefühl, dass ihr eigenes Leben vom Schicksal bestimmt wird? Hatten sie selbst schon außergewöhnlich „schicksalshafte“ Erlebnisse?

Dass dieser Film für den Wettbewerb der Berlinale ausgewählt wurde verändert auch mein Leben. Derzeit überlege ich, ob ich meinen nächsten Film in Deutschland oder China drehe. Wenn ich bisher vor solchen Entscheidungen stand, traf ich meist auf einer Party die passende Person. Natürlich ist das kein wirklicher Zufall, weil es sich um Filmfestparties gehandelt hat, aber ob ich solche eine Gelegenheiten nutze oder nicht, liegt am Ende in meiner Hand. Manchmal habe ich das Gefühl, dass mir die passenden Menschen in den Weg gestellt werden, wenn ich vor großen Entscheidungen stehe. Das Leben ist schon lustig!