DADA in Japan Lang lebe der Punk-Rock

DADA und Punk-Rock
© Tokyo Rockers (1978)

Das Dada der 1920er, das Neo-DADA der 1960er... das Gesicht von Dada ändert sich mit der Zeit. Für das Dada der 1970er und 80er Jahre ist das passendste Image vielleicht in der Punk-Bewegung zu finden.

Die Kunst des Punk, mit ihren Schriftzügen und Collagen auf Flyern und Plattenhüllen, erinnert sehr an die Prinzipien der Dada-Kunst. Mit ihrer Ablehnung aller etablierten Musikstile und mit Methoden des Zerschneidens und Zerstörens war der Punk der Essenz des Dada erstaunlich nahe, auch wenn er sich selbst nie mit diesem Namen bezeichnete.

Die Geschichte des Punk-Rock in Japan begann 1978, mit den „Tokyo Rockers“ in Tokio und mit „Kansai NO WAVE“ in der Region Kansai. Doch aus Sicht des Dada ist besonders die Band „JUKE/19“ des Künstlers Shinro Ohtake zu nennen, deren Musik die Zuhörer aktiv mit Lärm bedrängte und denen selbst im Zentrum der Underground-Rockszene in Tokio, dem „Free Space Kichijouji Minor“, ein Auftritt verweigert wurde. Ein weiterer Repräsentant des Dada in der Musikszene ist Masami Akita's Band „Merzbow“; ein Name der an den Dada-Künstler Kurt Schwitters angelehnt ist und sich auch im Stil der Band, der durch Sound-Collagen geprägt ist, widerspiegelt. Im Laufe der 80er Jahre wurde der Punk-Rock zwar zunehmend ausgehöhlt, doch lassen sich die Prinzipien des Dada auch in Nachfolgebewegungen wie Noise/Industrial weiter verfolgen.
 

  • Shinro Ohtake © Shinro Ohtake
  • Juke 19 © Juke 19
  • Sogo Ishii © Sogo Ishii
  • Masahi Yamato: St. Terrorism © Masahi Yamato
  • Shinro Ohtake von Juke 19 bei Biennale 2010 in Gwangju © Shinro Ohtake
Sogo Ishii und Masashi Yamamoto
 
Das Punk-Rock Prinzip „egal ob Du gut spielen kannst, Hauptsache Du bist mit Herz dabei“ wurde auch von unabhängigen Filmemachern der damaligen Zeit aufgenommen – und zwar nicht einfach nur als Trend, sondern als Leitprinzip. Der Filmemacher Sogo (Gakuryuu) Ishii wusste es zu verstehen, die Verbindung von Rock und Bild ins Rampenlicht zu rücken, etwa mit seinem Film „Explosions-Stadt“. Aber auch Masashi Yamamoto war ein typischer Regisseur des frühen Punk, mit Filmen wie „St, Terrorism“ oder „Karneval der Nacht“. Die Nachfolger dieser Punk-Filme der 80er Jahre finden sich noch heute in der Welt der sog. "pink eigas" (in pornographischen Filme). Regisseure wie Rintaru Isei, Goldman, Katsuyuki Hirano, Matsuo Company oder Yamashita Bakushi verstehen es, dem Publikum ihrer pornographischen Filme die unmittelbare sexuelle Erregung vorzuenthalten, um sie dann schlussendlich in einer plötzlichen Anhäufung von Selbstausdruck zu entladen.
 
Seit den 1990ern findet man Dada immer weniger in der Kunst als vielmehr im Bereich des Design. Die Verbreitung von Desktop-Publishing als Kernmethode des modernen Designs ist wohl einer der Gründe dafür. Doch auch wenn dieselben Prinzipien benutzt werden, identifiziert sich wohl kaum ein Designer bewusst mit Dada.
 
Heutzutage ist die normale Reaktion, wenn einem etwas nicht gefällt, ganz einfach sich für etwas anderes zu entscheiden – und nicht etwa das Nichtgewollte zu zerstören. Alle Wertschätzungen sind relativ; jede Entscheidung für etwas und gegen etwas anderes, beinhaltet auch immer eine Ablehnung. Diese Mentalität macht es schwierig für Dada weiter zu bestehen. Ist Dada nach 100 Jahren Existenz in der Welt nun doch dazu verdammt, als Relikt in einem Museum zu fristen? Oder wird sich vielleicht wieder eine Gelegenheit bieten, Dada in irgendeiner Form neues Leben ein zu hauchen?

TEIL I: Dada in Japan - Von Zen bis Ultraman