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Berlinale-Blogger 2020
Flucht als einzige Überlebenschance

Szene aus dem Film „Welcome to Chechnya“
Szene aus dem Film „Welcome to Chechnya“ | © Public Square Films

Was können Menschen tun, wenn ihre Chance zu überleben nur darin besteht, aus dem eigenen Land zu flüchten? Der Dokumentarfilm „Welcome to Chechnya“ zeigt, wie Aktivist*innen versuchen, sich der systematischen Verfolgung von LGBTQI-Personen in Tschetschenien entgegenzustellen.

Von Ieva Šukytė

Die russische Teilrepublik Tschetschenien unter ihrem seit 2016 amtierenden Präsidenten Ramsan Kadyrows hat eine Vielzahl von Verbrechen gegen Menschen aus der LGBTQI-Community begangen. Der Film Welcome to Chechnya des US-amerikanischen Regisseurs David France verweist darauf, wie David Isteev und Olga Baranova, Aktivist*innen des russischen Pro-LGBT-Netzes und Mitarbeiter des Moskauer Gemeindezentrums für LGBTQI+, ihr eigenes Leben riskieren, indem sie in geheimen Aktionen Hunderten von Menschen zur Flucht aus dem Land verhelfen.

Opferschutz

Um die Identität der Opfer von Verfolgung und Folter zu schützen, nutzt David France Gesichter von US-Aktivisten und fremde Stimmen mit Hilfe der Deepfake-Technologie. Erst am Ende des Films, der auf der Berlinale in der Sektion Panorama zu sehen ist, wird das Gesicht eines der Opfer, Maxim Lapunow, gezeigt. Er hat es als einziger gewagt, vor Gericht zu gehen und über die Angriffe und Mordfälle in Tschetschenien öffentlich auszusagen. Die Identität anderer Aktivisten bleibt geheim, ihre Zeugnisse enthüllen jedoch die Wahrheit über das, was in Tschetschenien während der systematischen Verfolgungen tatsächlich passiert ist.

Mutiger Kampf gegen die Brutalität

Neben Videomaterial mit Aussagen der Betroffenen und Nachweisen von Gewalt zeigt der Film auch Handyaufnahmen von Angriffen gegen Männer und Frauen in Tschetschenien, die geschlagen, misshandelt, gesteinigt und später inhaftiert oder von fremden Angreifern oder sogar eigenen Familienmitgliedern um der Familienehre willen ermordet werden. Jede Rettungsaktion, die von den Aktivisten mit versteckter Kamera aufgenommen wurde, ist eine Art Überlebensspiel, an dessen Ende es oft Verlierer gibt.

Frances Filmsprache ist der journalistischen Recherche ähnlich. Sein Werk dokumentiert die Ausbrüche toxischer Maskulinität und den Traditionalismus in Tschetschenien und offenbart die von Russland verschwiegenen brutalen Verbrechen mittels Videoaufnahmen und anderen Zeugnissen. Am Ende steht das Ergebnis, dass die LGBTQI+-Gemeinschaft in Tschetschenien nicht erwünscht ist.

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