Residenz
in der Region Klaipėda und Kurische Nehrung

Kurische Nehrung Foto: Jurgita Mikutytė

Das Goethe-Institut Litauen schreibt ein Residenzprogramm für Kulturjournalist*innen, Kulturwissenschaftler*innen, Autor*innen und andere Akteur*innen aus, die sich eingehend mit den Beziehungen zwischen Deutschland und Litauen auseinandersetzen möchten – sowohl in ihrer heutigen Relevanz als auch im Blick auf ihre historischen Hintergründe.

Ein möglicher Ausgangspunkt ist die frühere Nachbarschaft in den ostpreußisch‑litauischen Grenzräumen rund um Klaipėda, die Kurische Nehrung und die angrenzenden historischen Regionen. Diese Landschaften waren über viele Jahrhunderte multiethnische Räume intensiver kultureller, sprachlicher und gesellschaftlicher Wechselwirkungen. Von Königsberg aus wirkten Persönlichkeiten wie Ludwig Rhesa, Simon Dach und andere, deren Arbeiten und Wirkungszusammenhänge Spuren in der litauischen wie der deutschen Kultur hinterlassen haben. Die Region spielte eine wichtige Rolle für die Entwicklung und Pflege der litauischen Sprache und Literatur – unter anderem als Druck‑ und Publikationsort litauischer Texte – und war zugleich ein Gebiet, in dem unterschiedliche Gemeinschaften über lange Zeit hinweg Formen des friedlichen Zusammenlebens und des alltäglichen Austauschs entwickelten. Mehrsprachige Lebenswelten und vielfältige kulturelle Zugehörigkeiten prägten diese Räume über Generationen.

Die Ereignisse des 20. Jahrhunderts – Krieg, Vertreibung und politische Neuordnungen – haben viele dieser historischen Verflechtungen überlagert oder in Vergessenheit geraten lassen. Weitere Veränderungen, vor allem Migrations- und Deportationsbewegungen, aber auch Anpassungsprozesse, die sich in der Mitte des Jahrhunderts und danach in dieser Region abspielten, durften lange nicht thematisiert werden, sind aber nun auch vor Ort von Interesse. Heute sind zahlreiche Spuren nur noch fragmentarisch sichtbar und gerade deshalb Anlass für neue Recherchen, künstlerische Annäherungen und journalistische Erkundungen. Vor dem Hintergrund der aktuell wieder intensiver werdenden Beziehungen zwischen Deutschland und Litauen erhält auch die kulturelle Auseinandersetzung mit diesen historischen und gegenwärtigen Verbindungen neue Impulse.

Ziele der Residenz

Die Residenz bietet Raum für Projekte, die sich mit deutsch-litauischen Themen der Gegenwart oder Geschichte in ihrer gegenwärtigen Relevanz aus kultureller, gesellschaftlicher oder künstlerischer Perspektive befassen. Die Herangehensweise kann journalistisch, literarisch, dramaturgisch, essayistisch oder in anderen passenden Formaten gestaltet werden, abhängig von der jeweiligen Projektidee.

Ziel der Residenz ist es, substanzielle Auseinandersetzungen mit diesen Themen sowie der vielfältigen und vielschichtigen Region zu ermöglichen, neue Perspektiven auf gemeinsame kulturelle Erfahrungen zu eröffnen und zeitgenössische journalistische oder künstlerische Projekte zu fördern. Angestrebt wird dabei die Veröffentlichung eines Medienbeitrags oder eine andere öffentlich zugängliche Präsentationsform.

Eine Übersetzung ins Litauische für die Veröffentlichung auf der Webseite des Goethe-Instituts oder in litauischen Medien wird sehr gerne unterstützt, sofern sich der Beitrag dafür eignet und beidseitiges Interesse besteht.

Unterstützung des Goethe-Instituts

Das Goethe-Institut unterstützt die Stipendiatin bzw. den Stipendiaten dabei, Kontakte zu relevanten Einrichtungen und Personen auf der Kurischen Nehrung, in Klaipėda und ganz Litauen herzustellen, etwa zum Thomas-Mann-Kulturzentrum in Nida, zur Universität Klaipėda, insbesondere zum Institut für die Archäologie und Geschichte der Baltischen Region (BRIAI), zur Ieva-Simonaitytė-Bibliothek, Partnerbibliothek des Goethe-Instituts, zum Simon-Dach-Haus, dem Hermann-Sudermann-Gymnasium in Klaipėda u.a.

Digitale Vorgespräche sind möglich, um relevante Partner vor Ort im Voraus zu identifizieren.

Das Goethe-Institut begleitet die Residenz darüber hinaus durch Öffentlichkeitsarbeit. Die ausgewählte Person wird auf den Kommunikationskanälen des Instituts vorgestellt und kann – sofern gewünscht – Einblicke in ihre Arbeit geben, etwa in Form eines kurzen Interviews oder Beitrags.

Falls von allen Seiten erwünscht, kann die Teilnahme der Residenzperson an einer öffentlichen Veranstaltung organisiert werden (z.B. Gespräch, Arbeitspräsentation, Workshop o.ä.).

Zeitraum und lokale Infrastruktur

Die Residenz ist für einen Aufenthalt von bis zu vier Wochen im Zeitraum September bis Oktober 2026 in Klaipėda oder auf der Kurischen Nehrung vorgesehen.

Die Bewerber*innen haben die Möglichkeit, ihren bevorzugten Ort, die gewünschte Aufenthaltsdauer sowie den Zeitraum innerhalb dieses Rahmens im Motivationsschreiben anzugeben.

Die Unterkunft wird nach der Auswahl der Residenzperson in Zusammenarbeit mit unseren lokalen Partnern organisiert.

Die Arbeits- und Wohnbedingungen orientieren sich an den Gegebenheiten vor Ort und umfassen eine übliche, für die Projektarbeit geeignete Ausstattung (z. B. Arbeitsplatz und Internetzugang).

Förderbedingungen

Informationen zum Bewerbungsprozess

Bitte senden Sie Ihre Bewerbung einschl. Unterlagen per E-Mail bis zum 14. April 2026 an: kultur-vilnius@goethe.de.

Die Entscheidung wird voraussichtlich Anfang Mai 2026 bekanntgegeben.

Das Programm wird in Zusammenarbeit mit dem Thomas-Mann-Kulturzentrum durchgeführt.

Kontakt

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