Residenz
in der Region Klaipėda und Kurische Nehrung

Kurische Nehrung Foto: Jurgita Mikutytė

Das Goethe-Institut Litauen und das Thomas-Mann-Kulturzentrum haben Anfang 2026 ein Residenzprogramm für Kulturjournalist*innen, Kulturwissenschaftler*innen, Autor*innen und andere Akteur*innen ausgeschrieben, um eine vertiefte Auseinandersetzung mit den Beziehungen zwischen Deutschland und Litauen zu ermöglichen – sowohl in ihrer heutigen Relevanz als auch im Blick auf ihre historischen Hintergründe. Für das Programm wurden zwei Stipendiat*innen für jeweils zweiwöchige Aufenthalte in Nida und Klaipėda ausgewählt.

Stipendiat*innen des Residenzprogramms des Goethe-Instituts und des Thomas-Mann-Kulturzentrums 2026
Susanne Lenz

21. September – 4. Oktober 2026 in Nida

Susanne Lenz, geboren in Heidelberg, studierte Germanistik und Geschichte, 1990 kam sie als erste Westdeutsche zur Berliner Zeitung. Seit 2023 leitet sie dort das Feuilleton. Von 2004 bis 2009 war sie als Lektorin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes an der Universität der Philippinen tätig, von 2009 bis 2012 unterrichtete sie am Department of Media and Communication der Königlichen Universität von Phnom Penh.

Susanne Lenz wird sich im Rahmen des Residenzprogramms mit der vielschichtigen Geschichte und Gegenwart der Kurischen Nehrung beschäftigen. Dabei wird es darum gehen, welche Bedeutung das deutsche Kulturerbe für die Gegenwart hat, welche Aspekte der Geschichte unterschiedliche Interessengruppen für bewahrenswert halten, wie sie interpretiert und repräsentiert werden. 
Ihr Aufenthalts- und Arbeitsort ist das Internationale Übersetzer- und Schriftstellerzentrum (TVRC) in Nida, das von der Öffentlichen Ieva-Simonaitytė-Kreisbibliothek Klaipėda betrieben wird.
Jan Wilm

17.-30. Oktober 2026 in Klaipėda

Jan Wilm (*1983) lebt als Schriftsteller, Übersetzer und Essayist in Frankfurt am Main. Er übersetzte u. a. Werke von Maggie Nelson, Lydia Davis, Adam Thirlwell und Joshua Cohen. 2016 erschien sein Sachbuch The Slow Philosophy of J. M. Coetzee (Bloomsbury), 2019 der Roman Winterjahrbuch, 2022 der Essay Ror.Wolf.Lesen. (beide Schöffling), 2025 der Essay Bärtierchen (Matthes & Seitz) sowie 2026 der Erzählband Sachertorte und andere Fiktionen (Droschl).
 
In Klaipėda möchte Jan Wilm die faszinierende Kulturgeschichte sowie die kulturelle Gegenwart Litauens aufgreifen. Den verschiedenen Facetten der Stadt will er sich aus fiktionaler und nichtfiktionaler Perspektive nähern. Inspiriert von seinen Erlebnissen und Begegnungen in Klaipėda plant er eine Erzählung und einen Essay.

Ziele der Residenz

Die Residenz bietet Raum für Projekte, die sich mit deutsch-litauischen Themen der Gegenwart oder Geschichte in ihrer gegenwärtigen Relevanz aus kultureller, gesellschaftlicher oder künstlerischer Perspektive befassen. Die Herangehensweise kann journalistisch, literarisch, dramaturgisch, essayistisch oder in anderen passenden Formaten gestaltet werden, abhängig von der jeweiligen Projektidee.

Ziel der Residenz ist es, substanzielle Auseinandersetzungen zu ermöglichen, neue Perspektiven auf gemeinsame kulturelle Erfahrungen zu eröffnen und zeitgenössische journalistische oder künstlerische Projekte zu fördern. Angestrebt wird dabei die Veröffentlichung eines Medienbeitrags oder eine andere öffentlich zugängliche Präsentationsform.

Eine Übersetzung ins Litauische für die Veröffentlichung auf der Webseite des Goethe-Instituts oder in litauischen Medien wird sehr gerne unterstützt, sofern sich der Beitrag dafür eignet und beidseitiges Interesse besteht.

Kontext

Ein möglicher Ausgangspunkt ist die frühere Nachbarschaft in den ostpreußisch‑litauischen Grenzräumen rund um Klaipėda, die Kurische Nehrung und die angrenzenden historischen Regionen. Diese Landschaften waren über viele Jahrhunderte multiethnische Räume intensiver kultureller, sprachlicher und gesellschaftlicher Wechselwirkungen. Von Königsberg aus wirkten Persönlichkeiten wie Ludwig Rhesa, Simon Dach und andere, deren Arbeiten und Wirkungszusammenhänge Spuren in der litauischen wie der deutschen Kultur hinterlassen haben. Die Region spielte eine wichtige Rolle für die Entwicklung und Pflege der litauischen Sprache und Literatur – unter anderem als Druck‑ und Publikationsort litauischer Texte – und war zugleich ein Gebiet, in dem unterschiedliche Gemeinschaften über lange Zeit hinweg Formen des friedlichen Zusammenlebens und des alltäglichen Austauschs entwickelten. Mehrsprachige Lebenswelten und vielfältige kulturelle Zugehörigkeiten prägten diese Räume über Generationen.

Die Ereignisse des 20. Jahrhunderts – Krieg, Vertreibung und politische Neuordnungen – haben viele dieser historischen Verflechtungen überlagert oder in Vergessenheit geraten lassen. Weitere Veränderungen, vor allem Migrations- und Deportationsbewegungen, aber auch Anpassungsprozesse, die sich in der Mitte des Jahrhunderts und danach in dieser Region abspielten, durften lange nicht thematisiert werden, sind aber nun auch vor Ort von Interesse. Heute sind zahlreiche Spuren nur noch fragmentarisch sichtbar und gerade deshalb Anlass für neue Recherchen, künstlerische Annäherungen und journalistische Erkundungen. Vor dem Hintergrund der aktuell wieder intensiver werdenden Beziehungen zwischen Deutschland und Litauen erhält auch die kulturelle Auseinandersetzung mit diesen historischen und gegenwärtigen Verbindungen neue Impulse.

 
Unterstützung durch das Goethe-Institut und das
 Thomas-Mann-Kulturzentrum

Das Goethe-Institut unterstützt die Stipendiatin bzw. den Stipendiaten dabei, Kontakte zu relevanten Einrichtungen und Personen auf der Kurischen Nehrung, in Klaipėda und ganz Litauen herzustellen, etwa zur Universität Klaipėda, insbesondere zum Institut für die Archäologie und Geschichte der Baltischen Region (BRIAI), zur Ieva-Simonaitytė-Bibliothek, Partnerbibliothek des Goethe-Instituts, zum Simon-Dach-Haus, dem Hermann-Sudermann-Gymnasium in Klaipėda u.a.

Förderbedingungen

Informationen zum Bewerbungsprozess

Bewerbung war bis zum 14. April 2026 möglich. Die Entscheidung wurde im Mai 2026 getroffen.

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