Linda Jahilo empfiehlt
Vater unser

Angela Lehner, Vater unser © 2019 Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG, München Angela Lehner wurde 1987 in Klagenfurt geboren. Ihre Ankunft in der Literatur war ungemein kraftvoll, nahezu explosiv. Mit ihrem Debütroman Vater unser scheint sie zu rufen: Hier bin ich und man kann mich nicht übersehen! Tatsächlich konnte man es nicht, da ihr Roman für großes Aufsehen gesorgt hat: Er schaffte es auf die Longlist des Deutschen Buchpreises und erhielt bei der Verleihung des Österreichischen Buchpreises die Debütauszeichnung.

Der Roman beginnt mit dem Eintreffen der widersprüchliche Gefühle erzeugenden Hauptfigur Eva Gruber am psychiatrischen Krankenhaus Wien. Erst nach und nach vertieft sich der Verdacht, dass Eva ihre Einweisung organisiert hat, um ihrem jüngeren Bruder Bernhard, der wegen Essstörungen behandelt wird, näher zu sein. Eva versteht sich als Retterin des Bruders, als die einzige Alpha-Persönlichkeit der Familie, die Verantwortung übernimmt und handeln muss. Aber Bernhard, der sich nicht retten lassen will, versucht seiner Schwester möglichst fern zu bleiben. Warum das so ist, was zwischen beiden vorfiel, das bleibt eine der interessantesten Fragen des Romans, mit der die Spannung aufrechterhalten wird.

Angela Lehner erzählt die Familien- und Krankenhausgeschichte in drei Kapiteln: „Der Vater“, „Der Sohn“ und „Der Heilige Geist“. Sie richtet kritische Bemerkungen an die Adresse des vom Katholizismus geprägten Österreich und gibt dem Roman dadurch eine starke gesellschaftliche Dimension. Die vielen Austriazismen und die stellenweise benutzte Mundart machen es aber auch zu einem sympathischen österreichischen Buch.

Carl Hanser Verlag

Angela Lehner
Vater unser
Carl Hanser Verlag, Berlin, 2019
ISBN 978-3-446-26259-1
284 Seiten

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Rezensionen in den deutschen Medien:
Frankfurter Allgemeine Zeitung
literaturkritik.de
VIDEO: Lesung & Gespräch: Angela Lehner Vater unser, April 2019, Literaturhaus Salzburg

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