Das Goethe-Institut Mexiko veranstaltet eine Diskussionsrunde, in der die Entwicklung des Diskurses rund ums Thema Gendergerechte Sprache vorgestellt und diskutiert wird. Anhand der Stellungnahmen der eingeladenen Experten und Expertinnen und eines unparteiischen Publikums werden die Relevanz und die Anwendbarkeit dieser morphologischen Veränderung dargestellt. Im Anschluss entscheidet die Öffentlichkeit (vertreten durch das Publikum) durch eine Abstimmung, ob sie diese sprachliche Modifikation umsetzen/verwenden will oder nicht.
WAS IST GENDERN IN DER SPRACHE?
Gendern oder Gendergerechte Sprache bezieht sich auf die Bildung und Verwendung von Begriffen, die demografische Gruppen mit anderer Geschlechtsidentität und sexueller Orientierung als das binäre männlich oder weiblich sichtbar machen.
Da wir uns in einer Welt befinden, die sich sowohl technologisch als auch gesellschaftlich in ständigem Wandel befindet, brauchen wir Anhaltspunkte und Referenzen, um die Rolle zu verstehen, die wir bei der Entwicklung und Mitgestaltung unserer Gesellschaft spielen. Themen wie z.B. die Gendergerechte Sprache werden zugunsten einer toleranteren und integrativen Gesellschaft umgesetzt. Aufgrund der Exklusivität, die diese Diskursbildungen in manchen Fällen darstellen, fällt es oft schwer, die öffentliche Meinung in ihrer Gesamtheit einzubeziehen. Um dieser Tendenz entgegenzuwirken, soll diese Diskussionsrunde nicht nur einen Raum für die Meinungsaustausch bieten, sondern auch eine Plattform, auf der die Diversität der Perspektiven auf das Thema vorgetragen und mit dem Rest des Forums diskutiert werden können.
EXPERTEN UND EXPERTINNEN
MEXIKO
Dr. Idanely Mora Peralta
Prof. und Dr. für Linguistik an der Fakultät für Philosophie und Literatur UNAM.
Mit ihrer Bachelorarbeit erhielt sie die Auszeichnung des Wigberto Jiménez Moreno-Preises in der Kategorie Maya-Toponymie und Anthroponymie in kolonialen Schriften des 17. Jahrhunderts (2009). Als Mitwirkende an dem Buch Documentos públicos y privados del siglo XVI. Textos para la Historia del español colonial I, wurde sie mit dem RAE-Preis für philologische Forschung 2015 ausgezeichnet.
Sie nimmt häufig an Podcasts, Vorträgen und Diskussionsrunden teil, in denen das Thema "Gendergerechte Sprache" aufgegriffen wird.
Omar Méndez Castillo
Staatssekretär für Integralen Schutz im Sekretariat für Frauen, Regierung des Bundesstaates Nuevo León.
BA-Abschluss in Psychologie, Master-Abschluss in Psychoanalyse und Verwaltung sowie einen Doktortitel in Personen und Gesellschaften in der modernen Welt.
Die Arbeit von Omar Méndez Castillo setzt einen Schwerpunkt auf die Umsetzung von Sozial- und Bildungsprogrammen in den Bereichen öffentliche Politik, Geschlechtergleichstellung und Gleichberechtigung, Modelle für Interventionen in den Gemeinden, Bürgerbeteiligung, Gemeindeentwicklung, Menschenrechte, Aufmerksamkeit für gefährdete Gruppen, soziale Verantwortung und soziale Eingliederung, einschließlich seiner klinischen psychoanalytischen Erfahrung.
Derzeit arbeitet er als Staatssekretär für integralen Schutz an der Entwicklung von Funktionsmodellen und der Anwendung von Verfahren zur Begleitung, Kanalisierung und behördenübergreifenden Nachbetreuung von Frauen, die Opfer von Gewalt sind. Er gibt Kurse und Konferenzen zu Themen wie "Inklusive Sprache in staatlichen Einrichtungen" und "Soziale Eingliederung als Mittel des Wandels".
DEUTSCHLAND
Sabine Mertens
Leiterin der AG Gendersprache im Verein Deutsche Sprache (VDS).
Sie vertretet den Standpunkt, dass Gendersprache in Deutschland dem Sprachvolk zunehmend aggressiv aufgedrängt wird, und zwar „von oben", durch Politik, Verwaltungen, Medien und (globale) Konzerne, sieht Sabine Mertens die Freiheit des Ausdrucks bedroht und Persönlichkeitsrechte gefährdet. Auf Grund der eigenen Erfahrung mit dem steigenden Anpassungsdruck, und um die weitere Aushöhlung der Demokratie abzuwehren, engagiert sie sich im VDS e.V. (Verein deutsche Sprache). Dort leitet sie die AG Gendersprache. Der Verein sucht Deutsch als eigenständige Kultur- und Wissenschaftssprache zu erhalten, weiterzuentwickeln und vor dem Verdrängen durch das Englische zu bewahren.
Nach ihrer Meinung überträgt und prägt die (Mutter-)sprache Emotionen, Ausdrucksweisen, Mentalitäten, Denktraditionen, Vermittlungsmethoden und Verhaltensmodelle als Rhythmus und Tonalität schon vor dem Aufsaugen der Muttermilch. Demgegenüber erscheine ihr „geschlechtergerechte“ Sprache, Feminismus- und Gender-/Queer-Theorie anmaßend und monströs.
Almut Schnerring
Spracherzieherin, Autorin, Journalistin und Gründerin von Equal Care Day. Seit 1998 freie Journalistin und Lehrbeauftragte an der Universität Bonn.
Als „Wort- & Klang-Küche“ schreibt und produziert sie mit Sascha Verlan Beiträge und Radio-Feature für den öffentlich-rechtlichen Hörfunk. Gemeinsam arbeiten sie zu den Themen Geschlechtergerechtigkeit, Rollenstereotype und Alltagssexismus.
Unter dem Schlagwort „Rosa-Hellblau-Falle“ thematisieren sie die Zweiteilung der Kinderwelt in Prinzessinnen und Abenteurer und bieten Fortbildungen zu geschlechtssensibler Pädagogik an.
2016 initiierten Schnerring und Verlan den Equal Care Day, ein Aktionstag der auf die mangelnde Wertschätzung und unfaire Verteilung von Fürsorgearbeit aufmerksam macht. 2019 erhielten sie für die Umsetzung der Idee ein Förderstipendium von Social Impact. 2017 riefen sie mit Anke Domscheit-Berg den Goldenen Zaunpfahl ins Leben, ein Negativpreis für absurdes Gender-Marketing, der Rollenstereotype in der Werbung kritisiert.
MODERATION
Dr. Sabine Pfleger
Prof. und Forscherin für kritische Diskursanalyse.
Sabine Pfleger arbeitet an der Untersuchung der komplexen Beziehungen zwischen Gesellschaft und Kognition, die in sprachlichen Instanzen sichtbar werden. Diskursive Phänomene werden mit Ansätzen der kognitiven Linguistik angegangen, in deren Zentrum das bezeichnende Subjekt des methodischen Handelns steht, das in Kommunikations-, Beziehungs- und Identitätsräumen interagiert, die durch eine Reihe von kulturell überlieferten und sprachlich organisierten Interpretationsmustern konfiguriert sind.
Sie leitet derzeit ein kollektives Forschungsprojekt, das die Auswirkungen des Zweitsprachenerwerbs auf die Identitätskonstruktion untersucht.
Im Jahr 2010 erhielt sie eine lobende Erwähnung beim nationalen Preis des INAH für die beste Doktorarbeit in der Kategorie Linguistik sowie die Alfonso-Caso-Medaille für akademische Verdienste der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko. Im Jahr 2020 erhielt er den Sor Juana Inés de la Cruz-Preis.