JiGG 2017 Türkei / Deutschland: Oğuz Büyükberber & Tobias Klein

Oğuz Büyükberber & Tobias Klein
Oğuz Büyükberber & Tobias Klein | Foto (Ausschnitt): © Elisabeth Melchior, Basklarinetfestijn

Ein türkischer und ein deutscher Musiker, beide in Amsterdam lebend, wo sie seit zehn Jahren eine Zweisamkeit pflegen, die eines der seltenen Klarinettenduette der Gegenwart bildet

Wie habt ihr euch kennengelernt und als Band zusammengefunden?
Tobias: Ich habe Oğuz vor fast 20 Jahren in Amsterdam kennengelernt. Damals haben wir beide Blassklarinette bei Harry Sparnaay studiert. Ein paar Jahre später haben wir begonnen, als Duo aufzutreten.
 
Wie würdet ihr euren Sound beschreiben?
Tobias: Oszillierend zwischen extrovertiert und intim, zerebral und romantisch, sanft und ruppig. Manchmal alles gleichzeitig.
 
Welche Künstler haben euch am meisten inspiriert?
Tobias: Musiker gibt es zu viele, um sie hier aufzulisten. In anderen Bereichen ist es einfacher, zum Beispiel in der Literatur: Thomas Pynchon, David Foster Wallace und Roberto Bolaño.
Oğuz: Maler: Max Ernst, Paul Klee, Sigmar Polke; Schriftsteller: Walt Whitman, Cemal Sürayya, Ece Ayhan.
 
Wie sieht euer kreativer Prozess aus?
Tobias: Das hat sich mit der Zeit verändert. Ich denke, dass unser kreativer Prozess stark davon beeinflusst wurde, dass wir in den ersten Jahren, in denen wir zusammen gespielt haben, viel elektronisches Equipment benutzt haben. In den letzten fünf Jahren haben wir ausschließlich akustisch gespielt, wobei der Fokus jedoch weiterhin auf den Texturen und dem Sound selbst lag. Die Aufnahme unserer ersten CD als Duo (Reverse Camouflage, Trytone 2015) hatte ebenfalls einen Effekt: schnellere und klarere Entscheidungen treffen.
Oğuz: Wir haben auch in anderen Projekten mit vielen anderen Musikern zusammengearbeitet, was eine präzisere Notierung erforderte, aber ich habe das Gefühl, dass, wenn wir zu zweit „einfach so spielen“, wir unseren Weg finden und auch eine Weile auf ihm bleiben.

Was würdet ihr heute machen, wenn ihr nicht Musiker geworden wärt?
Tobias: Kochen und Journalismus würden mich reizen.
Oğuz: Obwohl ich offiziell blind bin, habe ich Visual Arts studiert und bin in diesem Bereich noch immer aktiv. Ich schätze, wenn ich nicht gleich Musiker geworden wäre, wäre ich nur Visual Artist. Und wenn ich nicht sehbehindert wäre, wäre ich sicher Formel-1-Rennfahrer!
 
Welches war für euch der bisher einprägsamste Moment in eurer musikalischen Laufbahn?
Tobias: Einer dieser Momente war mein erster Auftritt mit Oğuz! Er hatte Hüsnü Şenlendirici eingeladen und wir spielten im Bimhuis in Amsterdam. Ich hatte sehr hohes Fieber, über 40 Grad, und ich hatte an einem Punkt das Gefühl, aus meinem eigenen Körper zu fahren. Wenn ich heute die Aufnahme von damals höre, habe ich das Gefühl, einem Fremden beim Spielen zuzuhören – unheimlich.
Oğuz: Zu Beginn meiner Karriere als Musiker arbeitete ich als Simultandolmetscher für Jazz-Festivals in Istanbul. Das war in den frühen Neunzigern und viele der Jazzlegenden waren noch am Leben. So konnte ich mit Leuten wie Max Roach, Sonny Rollins, Steve Lacy und anderen abhängen und arbeiten. Ich werde nie vergessen, wie ich Cecil Taylor bei seinen stundenlangen Proben vor seinem Solokonzert zuhören konnte.
 
An welchem Ort spielt ihr am liebsten?
Tobias: De Ruimte in Amsterdam, Zomerjazzfietstour in Groningen, Pardon To Tu in Warschau, und … jede Location in Portugal!
Oğuz: Die üblichen Verdächtigen: Jeder Ort mit gutem und aufmerksamem Publikum! Ich liebe es aber auch, in der Natur zu spielen.