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Hans Otte
Ganz bei den Klängen

Weit über die Grenzen Deutschlands hinaus hat sich der Komponist und Pianist Hans Otte mit seiner Musik einen Namen gemacht: 1996 arbeitet er in seinem Bremer Haus an einer neuen Komposition.
Weit über die Grenzen Deutschlands hinaus hat sich der Komponist und Pianist Hans Otte mit seiner Musik einen Namen gemacht: 1996 arbeitet er in seinem Bremer Haus an einer neuen Komposition. | Foto (Detail): © picture-alliance/dpa/Ingo_Wagner

Der 2007 in Bremen verstorbene Komponist und Pianist Hans Otte gilt mit seinen minimalistisch anmutenden Klavierstücken als Wegbereiter neuer Musik, und doch verweisen seine Klänge auf alte Musiktraditionen.
 

Von Romy König

Auf den ersten Blick, beim raschen Hinhören, können Hans Ottes Stücke an Minimal Music erinnern – jenen amerikanischen Musikstil der 1970er-Jahre, dessen zentrales Merkmal, die Wiederholung, eine fast meditative Wirkung entfalten konnte. Doch das wäre zu kurz gegriffen, wie sein Biograf Ingo Ahmels in einem Beitrag für die Neue Zeitschrift für Musik betont: Hans Otte, Komponist, Pianist und Musikveranstalter, habe Spuren gelegt zu Komponisten wie Bach, Schubert, Chopin und Debussy. Er breche eben nicht mit den Paradigmen abendländischer Musik, ihrer Harmonik und Tonalität, sondern benutze vielmehr jene Akkorde, welche die Werke der großen Barock- wie Klassikkomponisten ausmachten, als „Bausteine einer eigenen kaleidoskophaften Harmonik“.

Raffinierte Einfachheit

Der 1926 in Sachsen geborene Otte war 25 Jahre lang Musikchef bei Radio Bremen und hat Festivals ins Leben gerufen wie die Konzertreihe pro musica antiqua und pro musica nova, die sich im jährlichen Wechsel Werken aus Hochmittelalter und Renaissance und zeitgenössischer Musik widmeten. Doch einen Namen gemacht hat sich der studierte Musiker vor allem als Komponist von Klavierstücken, allen voran des zwölfteiligen Zyklus’ Das Buch der Klänge (1979–1982), mit dem er um die Welt reiste – und das bis heute weltweit vielfach verbreitet wurde.

Ingo Ahmels, selbst Komponist und Musikproduzent, beschreibt dieses Werk als Ottes „Wurf“: Otte habe es komponiert für all die Menschen, „die ganz bei den Klängen sein“ und „sich selbst klingend wiederfinden“ wollten; so habe es der Künstler selbst anlässlich einer Premiere 1982 formuliert. Mehr als zehn Jahre später legt Otte, der zu Beginn der 1950er-Jahre Komposition bei Paul Hindemith an der Yale Universität studiert und später unter dessen Leitung mit den Berliner Philharmonikern eine Platte aufgenommen hatte, mit einem weiteren Werk nach: In der Klavier-Miniaturensammlung Stundenbuch, bestehend aus 48 Einminütern, bleibt er sich und dem Hang zu einfachen Formen treu, diesmal vor allem inspiriert durch den Minimalismus des Zen-Buddhismus, dem er auf Reisen nach Japan begegnet ist.

Die Suche nach dem Klang der Klänge

Als Otte 2007 81-jährig nach langer Krankheit in Bremen stirbt, würdigt ihn der damalige Programmdirektor von Radio Bremen als „herausragenden innovativen Geist“. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung nennt ihn „Wegbereiter neuer Musik“. Ahmels aber sieht in ihm einen Klangpoeten, der sich mit seiner Arbeit vor allem einem Anspruch verschrieben hatte: der Suche nach dem Klang der Klänge.

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