Goethe_FM Berlin ist Techno

„Die Geburtsstunde der Berliner Technokultur fiel mit dem Fall der Berliner Mauer zusammen. Unmittelbar nach dem 9. November 1989 fand die Wiedervereinigung in leerstehenden Kellern statt. Dort begegneten sich Jugendliche aus dem Westen und Osten in einem Rausch aus Stroboskopblitzen und elektronischen Rhythmen.“
Uh-Young Kim, Journalist, Radiomoderator und DJ

Die Wurzeln der Technobewegung

„Der Techno wurde 1986 in Detroit erfunden. Eine von Begründer Juan Atkins, Derick May und Kevin Saunderson waren stark vom Sound der kultigen Nighttime-Sendung „Midnight Funk Association” und ihrem Moderator Charles „The Electrifying Mojo” Johnson beeinflusst. Den zündenden Funken brachte dann das Hörerlebnis Autobahn von Kraftwerk, den Pionieren der Elektromusik,“
25 Jahre Techno – Willkommen im Club

Jeff Mills
Sein Heimat fand aber in Berlin. In den 90er Jahren fanden hier die ersten Rave-Partys statt. Nach den Hippies der 70er feierten 1988 die Raver ihren „Summer of Love”.

„Als die Mauer fiel, hat es gekracht, und genauso hat es in der Musik gekracht.“ So beschreibt der Berliner DJ-Pionier Tanith die begleitende Rolle von Techno als Soundtrack zum Mauerfall. Unmittelbar danach war die deutsche Wiedervereinigung auf den Tanzflächen der Techno-Partys von Berlin schon in vollem Gange. Jugendliche aus dem Osten strömten in die Clubs im Westen.

„Dagegen die Techno-Aktivisten aus Westberlin machten sich auf die Suche nach Räumlichkeiten im Ostteil der Stadt. Bereits wenige Monate nach dem Mauerfall eröffneten die ersten Technoclubs in Ostberlin. Erst die Aneignung von ungenutzten Räumen und brachliegenden Flächen ermöglichte das Aufblühen einer unabhängigen Szene. Keller wurden aufgebrochen und provisorisch zu Clubs und Bars umfunktioniert,“ so Uh-Young Kim über die Technoszene.

Ufo-Club eröffnete 1988 in West-Berlin, in Kreuzberg, im Keller eines maroden Altbau-Wohnhauses. Zu Resident-DJs und Gästen des Clubs gehörtenTanith, Rok, Dr. Motte, und der damals 13-jährige Kid Paul. Aus dem UFO ging 1991 der Tresor hervor.

Tresor (Club) in Berlin September 2003 Der Musikstil hier war ein völlig eigener mit sehr starken Einflüssen aus dem Detroit Techno.

Seit der Eröffnung, zunächst in der Leipziger Straße in Berlin und von 2007 an im ehemaligen Heizkraftwerk Berlin-Mitte, legten im Tresor zahlreiche und weltbekannte DJs auf. Mit den Veranstaltungen und dem hauseigenen Plattenlabel Tresor Records hatte der Club Einfluss auf die Entwicklung der Techno-Szene.
Besonders oft spielten DJs aus Detroit wie Jeff Mills, Juan Atkins, Blake Baxter, Robert Hood, Kevin Saunderson, DJ Rolando und Kenny Larkin im Tresor.
 
Heutzutage reisen jedes Wochenende Tausende von Party-Touristen nach Berlin.

„Verschlossene, Sex-geladene Welt im coolsten Techno-Club.“
Rolling Stone über Berghain

Die Klubnacht im Berghain beginnt in einem ehemaligen Heizkraftwerk in der Nähe des heutigen Ostbahnhofs in der Samstagnacht und geht in der Regel ohne Unterbrechung bis zum Montagvormittag.
Berüchtigt ist die strenge Gästeauswahl durch die Türsteher, wobei einem beträchtlichen Teil der Gäste - ungeachtet der langen Wartezeit und aus manchmal für Außenstehende nicht nachvollziehbaren Gründen - der Eintritt verweigert wird.

Unsere Spotify Playlis ist voll der Technomusik aus Berlin-Clubs. Hören Sie mal
 

Keine Unterschiede

Uh-Young Kim ergänzt, dass aktive Szenemitglieder identisch mit Gästen waren. Die Betreiber der wichtigsten Clubs stammten selbst aus der Szene. Pragmatisch, optimistisch und autodidaktisch kombinierten sie Spaß, Aktivismus und Geschäft. Die Clubs fungierten als unverbindliche und gleichmachende Begegnungsstätten, die offen für alle sozialen Schichten und persönlichen Hintergründe waren. Ob man nun aus dem Osten oder Westen kam, war unwichtig, sobald man in die Masse der Tanzenden eintauchte.
 
"Beim Techno war die Location der Star, nicht der DJ" (Felix Denk).

Von den Clubs auf die Straße

„Berlin 1989: 150 Teilnehmer folgen der spontanen Inspiration eines Szene-DJs (Matthias Roeingh alias Dr. Motte) und seiner Freundin (Danielle de Picciotto) zum karnevalesken Techno-Umzug. Dass aus der eigentlich albernen „Demonstration“ für „Friede, Freude, Eierkuchen“, wie es in der launigen Anmeldung hieß, eine in die ganze Welt übertragene Mega-Sause für Millionen werden würde, war damals weder abzusehen noch beabsichtigt... Die Zahl der Menschen, die sich rund um die auf dem Kurfürstendamm in Berlin kreisenden „Lovemobiles“ versammelten, verdoppelte bis vervierfachte sich jährlich, bis 1995 eine halbe Million Menschen die traditionelle Route endgültig überforderten,“ so der Musikjournalist Christian Tjaben.