|

19:00 Uhr

Sieben Winter in Teheran

Film|Steffi Niederzoll, 97 min., 2023

  • Cultural San Martín , CABA

  • Preis Eintritt frei und kostenlos

Eine Frau in dunkler Robe steht hinter einem hölzernen Rednerpult und spricht in ein Mikrofon. Beide Hände sind erhoben, die Handflächen zeigen nach vorne. Im Hintergrund sitzen mehrere Personen auf roten Stühlen. (c) Made in Germany

Eine Frau in dunkler Robe steht hinter einem hölzernen Rednerpult und spricht in ein Mikrofon. Beide Hände sind erhoben, die Handflächen zeigen nach vorne. Im Hintergrund sitzen mehrere Personen auf roten Stühlen. (c) Made in Germany

Im Sommer 2007 wird Reyhaneh Jabbari von einem älteren Mann angesprochen. Er bittet die Studentin ihm bei der Gestaltung von Praxisräumen zu helfen. Bei der Ortsbegehung versucht er, sie zu vergewaltigen. Reyhaneh ersticht ihn in Notwehr. Sie wird wegen Mordes verhaftet und zum Tode verurteilt. Sieben Jahre lang sitzt sie im Gefängnis, während ihre Familie Anwälte engagiert und die Öffentlichkeit über den Fall informiert. Trotz nationaler und internationaler politischer und menschenrechtlicher Bemühungen verweist die iranische Justiz auf das „Recht auf Blutrache“: Solange Reyhaneh ihre Anschuldigungen gegen den Mann nicht zurückzieht, darf seine Familie ihren Tod verlangen. Aber Reyhaneh bleibt bei ihrer Aussage und wird im Alter von 26 Jahren gehängt.
In ihrem berührenden und erschreckend aktuellen Dokumentarfilmdebüt verwendet Regisseurin unter anderem originales Ton- und Bildmaterial, das aus dem Land geschmuggelt wurde. Der Film macht die Ungerechtigkeit in der iranischen Gesellschaft sichtbar und porträtiert eine unfreiwillige Heldin, die im Kampf für Frauenrechte ihr Leben gab.

Die Reihe

Hannah Arendts Erfahrung als Beobachterin des Prozesses gegen Adolf Eichmann im Jahr 1961 stellte einen ein Wendepunkt in ihrem Denken über das Böse dar. Dieses Ereignis bildet den Ausgangspunkt für die Filmreihe im Rahmen der Hannah Arendt-Tage. Von Exil bis Post-Truth. Eine Einladung, sich über die Leinwand einen Einblick in andere Gerichtsprozesse, in unterschiedlichen geopolitischen Kontexten zu nehmen, um weiter über Gerechtigkeit und die Verantwortung von Staaten zu reflektieren. 

"Ich habe meine Meinung geändert“, schrieb Arendt nach dem Eichmann-Prozess in einem Briefwechsel mit ihrem Freund Gershom Scholem. „Ich bin in der Tat heute der Meinung, dass das Böse immer nur extrem ist, aber niemals radikal, es hat keine Tiefe, auch keine Dämonie. Es kann die ganze Welt verwüsten, gerade weil es wie ein Pilz an der Oberfläche weiterwuchert. Tief aber und radikal ist immer nur das Gute." 

Dieser Paradigmenwechsel spiegelte sich auch in der Veröffentlichung ihres kontroversen Buches Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen wider, das sie lebenslange Freundschaften, den Zorn mächtiger Gruppen der jüdischen Gemeinschaft und die gnadenlose Kritik angesehener internationaler Medien kostete. Doch trotz aller Disqualifikationen, die sie erhielt, gab Hannah Arendt jedoch nie ihre Überzeugungen und die Unabhängigkeit ihres Denkens auf. 

Die Hannah Arendt-Tage beginnen mit einer Vorführung des Films Hannah Arendt von Margarethe von Trotta. Das Biopic konzentriert sich auf das Leben der deutschen Intellektuellen in den vier Jahren nach dem Prozess gegen Eichmann, der 1960 in Argentinien vom israelischen Sicherheitsdienst verhaftet wurde. Als Abschluss der Reihe wird die argentinische Premiere des Dokumentarfilms von Andres Veiel über die umstrittene Leni Riefenstahl stattfinden. Der Film feierte seine Premiere im offiziellen Wettbewerb des renommierten Filmfestivals von Venedig im vergangenen Jahr. 

Biografie

Steffi Niederzoll

Ihre Kurzfilme wurden auf zahlreichen renommierten nationalen und internationalen Filmfestivals gezeigt, unter anderem auf der Berlinale. Neben ihrer Filmarbeit ist sie auch an interdisziplinären künstlerischen Arbeiten beteiligt. Sie war Mitglied des Kollektivs 1000 Gestalten, das mit seiner Performance während des G20-Gipfels in Hamburg weltweit für Furore sorgte. Ihre kollektiven Arbeiten wurden unter anderem bei den Brecht-Festspielen, in der Kunsthalle Baden-Baden und in den Kunstmuseen in Roskilde und Vejle gezeigt. Sieben Winter in Teheran ist ihr erster Dokumentarfilm in Spielfilmlänge.

Agenda

  • Hannah Arendt und Exilliteratur

    Panel-Diskussion | Mit Claudia Bacci und Anabella Di Pego. Moderation: Lucila Svampa

    • Cultural San Martín , CABA

  • Über vergangene und zukünftige Gewalt. Überlegungen im Anschluss an Hannah Arendt.

    Panel-Diskussion | Mit Lucas Martin und Daniela Slipak. Moderation: Patrick Eser.

    • Cultural San Martín , CABA

  • Eröffnung: Hannah Arendt Tage Buenos Aires. Von Exil bis Post-Truth

    Eröffnung | Mit Key-words von Thomas Meyer

    • Cultural San Martín , CABA

  • Wenn das Böse banal ist – kann Widerstand viral sein? Hannah Arendt heute denken

    Workshop | Mit Florencia Sichel (geschlossene Veranstaltung)

    • Cultural San Martín , CABA

  • Hannah Arendt

    Film | Margarethe von Trotta, 113 min., 2012

  • Zwischen Menschen und Algorithmen: Das Gemeinsame mit Arendt denken

    Vortrag | Mit Margarita Martinez

    • Cultural San Martín , CABA

  • Arendt, Literatur, Philosophie: Auswirkungen auf die Literaturen der Gegenwart

    Gespräch | Mit Martín Kohan. Moderation Patrick Eser

    • Cultural San Martín , CABA

  • Der Prozess (El juicio)

    Film | Ulises de la Orden, 177 min., 2023

    • Cultural San Martín , CABA

  • Es bleibt die Sprache

    Performance | Recherche und Entwicklung der Inszenierung einer Performance, die den Künstlerinnen Laura Santos (Argentinien) und Felicitas Friedrich (Deutschland) vom Goethe-Institut in Auftrag gegeben wurde.

    • Cultural San Martín , CABA

  • Totalitäre Elemente der KI in der Hochschulbildung erforschen mit Hannah Arendt

    Hybrid-Vortrag | Mit Alice Watanabe

    • Cultural San Martín , CABA

  • Wem gehört Hannah Arendt? Politische Parteidoktrin versus Universalität des Werkes

    Panel-Diskussion | Mit den deutschen politischen Stiftungen Konrad Adenauer, Friedrich Ebert, Rosa Luxemburgo und Friedrich Naumann. Moderation: Patrick Eser und Friso Maecker

    • Cultural San Martín , CABA

  • Ökozid

    Film | Andres Veiel, 90 min., 2020

    • Cultural San Martín , CABA

  • Hannah aren’t

    Vortrag | Von Germán Rúa

    • Cultural San Martín , CABA

  • Sieben Winter in Teheran

    Film | Steffi Niederzoll, 97 min., 2023

    • Cultural San Martín , CABA

  • Öffentliches Interview mit Thomas Meyer

    Interview | Von Héctor Pavón

    • Cultural San Martín , CABA

  • Hätte Hannah Arendt WhatsApp genutzt?

    Hybrid-Vortrag | Mit Julia Maria Mönig

    • Cultural San Martín , CABA

  • Nahschuss

    Film | Franziska Stünkel, 106 min., 2021

    • Cultural San Martín , CABA

  • Kino und Justiz in Arendt’schen Begriffen: wie audiovisuelle Erzählungen Rechtsfragen angesichts von Verbrechen der Vergangenheit behandeln

    Panel-Diskussion | Mit Valeria Thus und Gabriel Ignacio Anitua. Moderation: Patrick Eser

    • Cultural San Martín , CABA

  • Riefenstahl

    Film | Andres Veiel, 115 min., 2024

    • Cultural San Martín , CABA

  • Es bleibt die Sprache

    Performance | Recherche und Entwicklung der Inszenierung einer Performance, die den Künstlerinnen Laura Santos (Argentinien) und Felicitas Friedrich (Deutschland) vom Goethe-Institut in Auftrag gegeben wurde.

    • Cultural San Martín , CABA

Projektpartner

Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit dem Kulturzentrum Centro Cultural San Martín durchgeführt und von der Zeitschrift Revista Ñ unterstützt. Die Veranstaltungstage waren Teil des Aktivitätenkalenders zum 200-jährigen Jubiläum der Freundschaft zwischen Deutschland und Argentinien.

  • Logo Cátedra Walter Benjamin UBA
  • Logo DAAD Argentina
  • Logo Ñ Revista Cultural
  • Logo Cultural San Martin
  • Logo Buenos Aires Ciudad
  • Logo 200 años amistad alemania en argentina