Terry Vreeburgwurde in den Niederlanden geboren und lebt seit sechs Jahren im verlassenen Dorf Tsarino in den östlichen Rhodopen. Dort kümmert er sich um die Künstlerresidenz mit der „Tsarino Foundation“ und kuratiert die Galerie „Razklon“, die versteckt in den Bergen liegt.
Für seine Ausstellungsome messages don't make itim Goethe-Institut stellt er eine Reihe neuer Werke zusammen mit ausgewählten fertigen Arbeiten vor. Zusammen bieten die ausgestellten Werke einen Überblick über die verschiedenen Medien und Techniken, die der Künstler verwendet, und untersuchen persönliche Themen wie Autonomie, Isolation und Egozentrismus.
Die neuen Werke, die in der Ausstellung präsentiert werden, sind teilweise vom Dorf und der umgebenden Natur inspiriert, in der der Künstler lebt. Dazu gehören beispielsweise Aluminiumskulpturen, die aus recycelten Bierdosen hergestellt wurden, unter Verwendung von lokalem Stein und Holz sowie Tinte, die aus Pilzen aus dem Wald gewonnen wurde.
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Über Wildcamping
Wildcampen zu gehen ist eine gute Methode, um große Eigenständigkeit zu erleben. Man sucht nach dem perfekten Ort. Am besten inmitten von wunderschöner Umgebung, mit dem Wissen, dass er für eine Nacht nur dir gehört. Niemand hat ihn dir ausgesucht, nur deine eigenen Beobachtungen haben dir diese Möglichkeit eröffnet. Deine Eigenständigkeit zeigt sich auch in den Gegenständen, die du zum Campen benötigst: Gegenstände wie Zelte, Koch- und Schlafutensilien sind verkleinerte Versionen ihrer alltäglichen Funktionen und nutzen oft Faltmechanismen oder leichte Materialien, um mehr Mobilität zu ermöglichen. Wenn man aufmerksam dafür ist, kann man die eleganten Lösungen im Design dieser Gegenstände leicht bewundern und darüber staunen.
Ich komme aus den Niederlanden, aber die Niederlande ist vermutlich eines der ungeeignetsten Länder, um wild zu campen, dank Überbevölkerung und strenger Regulierung (natürlich ist wildcampen illegal). Es ist sogar schwer, einen Platz zwischen Sträuchern oder hinter einem Strommast zu finden, weshalb das Wildcamping in den Niederlanden eher zu einem ironischen, als zu einem romantischen Erlebnis wird.
2018 habe ich den „Attention Amplifier“ gebaut, ein mobiler Leuchtturm, der an ein Fahrrad montiert werden kann. Wenn man ihn einschaltet, entfaltet sich ein 6 Meter hoher Turm mit einer Leuchte an seiner Spitze. Sein Licht blinkt blau und gibt ein sanftes, nächtliches Signal. Für zwei Wochen ging ich mit meinem Fahrrad wildcampen, suchte auf dem Land nach Orten, die verlassen und ohne menschliche Spuren waren und filmte dabei das Lichtsignal in der Landschaft. Ich habe versucht, das Land als einen wilden und weiten Ort abzubilden, der darauf wartet, entdeckt und erforscht zu werden. Der Leuchtturm an sich wurde zu einer Art Forschungsobjekt oder Mondsonde auf Mission. Mit seinem kleinen blinkenden Licht wirkt er, als ob er eine Nachricht sendet oder versucht in dieser abgeschotteten Umgebung Kontakt herzustellen.
Das Ergebnis dieses Projektes ist in diesem Video zu sehen.
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Das Thema des Wildcampings und seine Verbindung zu Eigenständigkeit, Entdeckung und Mobilität sind eine stetige Inspiration für neue Kunstwerke. Die meisten der hier ausgestellten Werke wurden in Tsarino entwickelt, einem verlassenen Dorf im östlichen Teil der Rhodopen. Vor ca. sechs Jahren habe ich mich dazu entschieden, dorthin zu ziehen, unter anderem, um dem fehlenden Platz in den Niederlanden zu entfliehen.
Die neuen Formen, Materialien und Farben aus Tsarino und der umliegenden Natur haben mich zu neuen Experimenten in Verknüpfung mit vorherigen Themen inspiriert. Beispielsweise laden die interaktiven Elemente des „Water Table“ und „Moon Table“ den Besucher auf spielerische Weise dazu ein, fühlbare Materialien wie Wasser oder Sand frei zu entdecken. Frei zu spielen und zu entdecken bedeutet, alle Hemmungen zu verlieren und somit an Eigenständigkeit zu gewinnen. Eigenständigkeit kann genauso zu Isolation und Absonderung führen, wie Freiheit und Einsamkeit eine Erweiterung voneinander sein können.
Manche der hier präsentierten Kunstwerke basieren auf weit entfernten Orten, sowohl existierenden als auch nichtexistierenden, andere sind als Verweise auf Navigationsinstrumente für die Reise dorthin gedacht oder als vorübergehende Zuflucht. Ich bin mir nicht sicher, ob sie irgendwelche Botschaften transportieren, aber eine klassische Sichtweise auf Kunst ist, dass Kunstwerke zwar eine Botschaft transportieren, diese aber nicht absichtlich verstanden werden kann, nicht einmal vom Schöpfer selbst.