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16:00–17:30 Uhr, GMT+8
The Desert of Images
Lecture Performance| „Das Sehen kommt vor der Sprache“
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Goethe-Institut China, Peking
- Sprache Chinesisch
- Preis Eintritt frei
„Das Sehen kommt vor der Sprache“.
Mit diesem Satz leitet John Berger in seinem Werk „Ways of Seeing“ seine brillante Argumentation ein. Auf der Grundlage von Walter Benjamins Theorie erläutert Berger mithilfe von Text- und Bildmaterial die Betrachtungsweisen verschiedener Bildtypen. In der gleichnamigen BBC-Dokumentationsserie vermitteln sowohl die cineastische Aufmachung als auch Bergers Gestik und Mimik den Zuschauenden eine unterschwellige Botschaft: Wenn wir den Einfluss von Bildern auf das moderne Leben gründlich analysieren wollen, sollten wir auch den Akt des Betrachtens mit einbeziehen.
Auch in der heutigen, von Bildern dominierten Mediengesellschaft hat die Sprache nach wie vor großes Gewicht, allerdings befürchten wir, dass unsere Aufmerksamkeitsspanne stetig kürzer wird und uns keine Zeit mehr bleibt, der Sprache richtig zuzuhören.
Wenn die Aufmerksamkeit nun zu einem Schauplatz kultureller, politischer und wirtschaftlicher Spiele wird, verändert sich das Bild selbst zu einer eigenen Sprache, und Sprache wird zu einer Art Bildgenre. Sie symbolisiert asketisches Verhalten und trägt daher zwangsläufig eine gewisse „Kraft“ in sich, die „Respekt verdient“. Verglichen mit den Werten und Gedanken, die zwischen den Zeilen eines Textes mitschwingen, lässt sich diese „Kraft“ leichter reproduzieren. Tatsächlich folgt die Produktion von Bildmaterial dem natürlichen Verhalten, dass „das Sehen vor der Sprache kommt“. Genau das ist auch der Grund, warum Bilder in der spätkapitalistischen Gesellschaft zur vorherrschenden Rhetorik geworden sind.
In einer Live-Performance, die visuelles Material, Schauspiel, Text und Musik vereint, werden wir ausgehend von der Betrachtungsweise klassischer Ölgemälde und dem Kunsthandel die universellen Werte der Repräsentation als grundlegende Funktion des Bildes erörtern. Anschließend werden wir diese Rhetorik nutzen, um das Hier und Jetzt der Subkultur zu rekonstruieren und mit der Mainstream-Rhetorik zu kontrastieren. Letztlich werden wir uns anhand von Platons Höhlengleichnis mit dem Wandel der Bilder im Zeitalter des Internet 3.0 auseinandersetzen und die Bildmatrix des Alltags aufdecken.
Wie kann diese Rhetorik die Macht an den Text zurückgeben und den Einfluss des Bildes ausgleichen? Vielleicht war der Text noch nie ein wirksames Mittel zur Entmystifizierung des Bildes. Welche neuen Praktiken würden entstehen, wenn wir nicht mehr die sprachliche Lese- und Schreibkompetenz betonen, sondern stattdessen die Förderung der visuellen „Lese- und Schreibfähigkeit“ (visual literacy) als realistisches Konzept betrachten?
Am Ende der Aufführung wird die aus dem Text hervorgehende Post-Punk-Melancholie zusammen mit dieser Sehnsucht verfliegen. Wenn wir mit visueller Kompetenz verschiedene Bildformen strukturell verstehen und ihre Rhetorik im Sinne der realen Welt einsetzen können, werden wir so vielleicht aus dieser „Wüste der Bilder“ herausfinden.
Lecture Performance
The Desert of Images
Zeit: 25.04.2026, 16:00 – 17:30 Uhr
Ort: Goethe-Institut China
Adresse: Originality Square, 798 Art District, Jiuxianqiao Road No. 2, Chaoyang District, Beijing
Sprache: Chinesisch
Eintritt frei
Künstler:innen
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Jiang Ge ist Hobby-Bassist, Designer, Art Director und Autor von Texten zur Designtheorie. Er war als Gastdozent an der Guangzhou Academy of Fine Arts tätig und hat an mehreren Universitäten Vorlesungen und Workshops gehalten. Nach seinem Masterabschluss an der University of the Arts London im Jahr 2019 erforscht Jiang Ge weiterhin die Literarizität visueller Kommunikation durch Fiktion und Spekulation, und betreibt gleichzeitig forschungsorientierte Praxis durch Schreiben, Übersetzen und experimentelles Publizieren. Seine Forschungsschwerpunkte sind „unfreundliches“ Design, visuelle Kultur und Kreislaufwirtschaft.
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Xu Hongchangs Drehbuch „Wannian“ (Lebensabend) gewann 2017 bei der World Sinophone Drama Competition for Young Playwrights den zweiten Preis und wurde 2018 international übersetzt. Lesungen fanden unter anderem in Gaoxiong, Nanjing und Peking statt. 2025 wurde das von ihm inszenierte Stück „Yisui sancan“ (Ein Jahr, drei Mahlzeiten) auf den Heidelberger Stückemarkt eingeladen. 2023/24 wurde sein Stück „Shasi yi zhi yang“ (Ein Schaf töten), bei welchem er ebenfalls als Autor und Regisseur fungierte, zum Nanjing Youth Drama Festival und zu den Luxelakes Environmental Theatre Weeks in Chengdu eingeladen. 2020 inszenierte er auf Einladung des Goethe-Instituts das Stück „Yinhe nu“ (Die Wut der Milchstraße) im Rahmen der Berliner Festspiele. Seine Tanztheaterproduktion „Tangjihede“ (Don Quixote) wurde für das „Promising Screenwriters Program“ des 22. Guangdong Modern Dance Festivals ausgewählt, und das Dokumentartheaterstück „Qing wei wo dakai yangtai“ (Bitte öffne den Balkon für mich) für das „Young Creator Program 31“ in Qiantan. Sein Stück „Kalami xiangyao da laohu, shanglai jiushi tiao zhi wu“ (Karami möchte den Tiger bekämpfen, doch als erstes tanzt sie) wurde vom Shanghai Ming Contemporary Art Museum und dem Guangzhou Yunmu Theater eingeladen.
Persönliche Website: hongchangxu.com
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Li Yang stammt gebürtig aus Yangjiaotang, ist Sänger der Band „disan jiaozhi“ und Leiter eines Guqin-Studios. Seine Werke widmen sich der Erforschung von Stimme, Körper und Umgebung. Sein Stil ist mal ätherisch, mal seltsam und unerklärlich. Zu seinen bekanntesten Werken zählt das Stück „shenyin sishi chongzou (40-stimmiges Stöhnen). Das wichtigste Album der Band trägt den Titel „Hebei shifu diaole“ (Der Meister aus Hebei ist verschwunden).
Ort
Originality Square, 798 Art District, Jiuxianqiao Road 2, Chaoyang District
Peking
China
Ort
Originality Square, 798 Art District, Jiuxianqiao Road 2, Chaoyang District
Peking
China