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Leif Randt
Allegro Pastell

Der Autor Leif Randt steht vor einem violetten Hintergrund.
Der Autor Leif Randt. | © Zuzanna Kałużna

Leif Randts Bestseller Allegro Pastell wird als Germanys next lovestory gehandelt und handelt von einer Generation, die alles hinterfragt. Jerome und Tanja kommen in einer Bar ins Gespräch und beginnen eine Fernbeziehung zwischen Frankfurt und Maintal. Wir begleiten sie durch Vorfreude, unvermeidliche Bitterkeit, lange E-Mails und Katerzweifel.
 

Von Ditte Hermansen

Eine persönlicher Kommentar vorweg: Dieser Roman hat sich in meinem Freundeskreis zu einer Art Kultphänomen entwickelt. Wir entdecken Tanja und Jerome plötzlich überall – Vor allem in uns selbst. Als Roman der Stunde bezeichnet die Schweizer Wochenzeitung WOZ Leif Randts (1983) umjubelten Roman über Liebe in Zeiten der allgegenwärtigen Kritik. Auch auf Platz sieben der SPIEGEL-Bestsellerliste landete die Geschichte einer Generation, die alles hinterfragt, zu der DER SPIEGEL die Protagonist*innen Tanja und Jerome zählt. Auch ich gehöre dieser Generation an, und was gibt es besseres, als wenn eine Lektüre die eigene Situation auf den Punkt genau trifft und all das beschreibt, was man so tut, ohne es sich wirklich einzugestehen?

Die Liebenden im Buch lernen einander in einer Frankfurter Bar kennen, in der gerade eine Party zu Tanjas erfolgreichem Debütroman steigt. Sie kommen am DJ-Pult ins Gespräch und steigen schließlich gemeinsam in ein Taxi: Eine Lovestory aus den späten Zehnerjahren nimmt ihren Lauf. Auf den nächsten paar hundert Seiten folgen wir einer Fernbeziehung, Tanja lebt in Berlin, Jerome in Maintal. Die Vorfreude am Bahnhof, die Enttäuschung darüber, dass sich ein gemeinsamer Rhythmus nicht so recht einstellen will, E-Mails, die einem als Leser*in das Gefühl geben, den Charakteren über die Schulter zu blicken, und die einen in gleichem Maße mit Freude und Bestürzung über die Banalität des Menschseins erfüllen.

Teezeremonien und der Sinn des Lebens


Ich will von dir keine Hoffnung auf ein diffuses später – für Jerome findet das Leben jetzt statt. Es gilt den Fokus nicht zu verlieren. Überhaupt geht es für dieses (ansonsten trotzdem ziemlich diffuse) Paar Mitte dreißig ununterbrochen darum, einen Kern zu finden. Ums gemeinsam schweigen können etwa, wie in den Szenen, in denen Jerome und Tanja direkt nach dem Begrüßungssex ihre Teezeremonie abhalten.
Eigentlich redeten sie ja beide schrecklich gern, und Jerome war überzeugt, dass die Fähigkeit, miteinander quasi endlos sprechen zu können, noch vor jeder körperlichen Anziehung die Grundlage für ihr Zusammensein bildete. Mithilfe der Teezeremonie hatten sie sich bewiesen, dass sie auch gemeinsam schweigen konnten. 

Das Buch "Allegro Pastell" liegt auf einer bunten Decke. © Ditte Hermansen Allegro Pastell ist ein  kluges Buch, und obwohl es sich um Klischees dreht, sucht man diese auf sprachlicher Ebene vergebens. Es gibt wohl kaum etwas Peinlicheres, als den Roman der Stunde einen Tick zu spät zu entdecken, aber dieses Buch trifft einen Nerv, wie ich es bei Gegenwartsliteratur selten erlebt habe. Dieses Zitat aus einer von Tanjas E-Mails zum Beispiel:
Es gibt in Berlin momentan eine Tendenz, die mir nicht gefällt. Die jungen Leute suchen wieder feste Partnerschaften. Die kurze Phase, als die Smartphones eine Schleuse hin zu einem ständig wiederkehrenden Anfangsprickeln öffneten, scheint vorüber.

Aber muss man tatsächlich einem bestimmten Jahrgang angehören, um diesen Roman genießen zu können? Er sei nichts für Freunde der Onkelliteratur, heißt es in der Wochenzeitung Der Freitag, und obwohl ich dem zustimmen würde, möchte ich doch behaupten, dass dieser Text über seinen eigenen Entstehungskontext hinausverweist. Randt spinnt eine subtile Satire, bei der man nie ganz sicher sein kann, wer genau eigentlich gerade unter Beschuss steht. Der Text nimmt das Streben nach einer authentischen Liebesbeziehung aufs Korn und hegt gleichzeitig eine gewisse Zärtlichkeit für den Traum davon.



 

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