Freiraum - Goethe-Institut Dänemark
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Freiraum

Das Projekt Freiraum möchte erkunden, wie es in den Städten Europas um die Freiheit bestellt ist. Welche Fragen ergeben sich, wenn Bürgerinnen und Bürger, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und Kulturschaffende ganz ortsspezifisch über den Begriff „Freiheit“ nachdenken? Welche Probleme werden in einer Stadt erkennbar?
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Mann mit Ball© Goethe-Institut / Caroline Lessire

Freiraum #KOPENHAGEN - unser Film

In den letzten Jahrzehnten hat sich Kopenhagen von einer Stadt mit egalitären dänischen Wohlfahrtsidealen und bezahlbaren Wohnungen für alle zu einer Stadt entwickelt, die weitgehend von Marktmechanismen geprägt ist und in der das wirtschaftliche Interesse öffentliche Interessen an den Rand gedrängt hat. Diese Entwicklung macht sich auch in der Bevölkerungszusammensetzung bemerkbar: Immer weniger Menschen können es sich leisten in der Stadt zu leben, die Innenstädte verändern sich und die soziale und wirtschaftliche Kluft zwischen Stadt und Land, zwischen Zentrum und Peripherie wächst. Es entsteht eine Grenze, die nicht mit Dänemarks Selbstverständnis von einer Wohlfahrtsgesellschaft vereinbar ist: Einer Gesellschaft, in der alle das Recht darauf haben, in der Stadt zu wohnen, zu leben und Teil einer Gemeinschaft zu sein, die man auf demokratischem Wege beeinflussen kann und will.
 

Hintergrund

In den späten 1980er Jahren stand Kopenhagen kurz vor dem Bankrott. Um die Schulden zu begleichen, veräußerte die Stadt einige ihrer Grundstücke an private Bauunternehmen. Daraus entstanden Unternehmungen wie die Metrolinie, die Entwicklung der Stadtteile Vesterbro, Nørrebro und Ørestad, sowie private und öffentliche Partnerschaften wie CPH City und Port Development.

Heute ist Kopenhagen die reichste Gemeinde Dänemarks; diese Stellung hatte jedoch ihren Preis:
Aus einer Stadt für alle, geprägt vom Ideal des dänischen Wohlfahrtsstaats, ist Kopenhagen zunehmend stromlinienförmiger geworden und wird heute stark von der kulturtragenden Elite beeinflusst – in Dänemark auch bekannt als Café-Latte-Segment. Diese Bezeichnung wurde zu einer Zeit populär, als die kreative Mittelschicht aus den Vorstädten in das innere Stadtgebiet drängte und zahllose teure Coffeeshops aus dem Boden schossen. Der Wunsch vom guten Leben ist zum Synonym für das reiche Stadtleben geworden, das ein entsprechendes finanzielles und soziales Kapital voraussetzt.

Bevor die Gemeinde ihre Grundstücke veräußerte und das Wohnen zu einer bevorzugten Investition für Bauunternehmen wurde, konnten sich Menschen aus allen Schichten Wohnungen im inneren Stadtgebiet leisten. Es herrschte eine größere Vielfalt unter Bewohnerinnen und Bewohnern und die dänische Gesellschaft war breiter repräsentiert. Heute zeigt sich ein gegenläufiger Trend, und das zu einer Zeit, in der sich Dänemark von einer homogenen zu einer multikulturellen Gesellschaft entwickelt, mit all den damit einhergehenden Problemen.

Die oben beschriebene Trennung und Gentrifizierung macht sich vor allem im Mikrokosmos Sydhavn bemerkbar. Der Stadtteil ist durch eine Zufahrtsstraße in das Stadtzentrum geteilt: Auf der einen Seite befindet sich ein Neubaugebiet charakterisiert durch Luxuswohnungen erbaut in den letzten zehn Jahren, deren Bewohnerinnen und Bewohner auf die frisch renovierte Uferpromenade blicken. Auf der anderen Seite das "alte" Sydhavn mit Hausbooten, Koloniegärten und Sozialwohnungen aus einer Zeit, in der Stadtentwicklung Sache des Wohlfahrtsstaates war. Politisch wählt die eine Seite blau (bürgerlich-liberal) und die andere rot (sozialdemokratisch und linksorientiert), und beide Seiten haben ihre eigene Grundschule.
 

Projektablauf: Fragen finden, Tandems bilden, Fragen tauschen, Antworten entwickeln

Im Zentrum von Freiraum steht der Netzwerk-Gedanke. Bis Ende September 2017 entwickelte jedes der teilnehmenden 38 europäischen Goethe-Institute gemeinsam mit mehreren Partnern vor Ort – das können Theater sein oder Kunstzentren, NGOs, Universitäten, Vereine, Initiativen – eine Fragestellung zum Begriff der Freiheit. Diese Fragestellung soll eine ganz besondere Problemlage in den Blick nehmen, die für den jeweiligen Standort große Relevanz besitzt. Unser Projektpartner in Kopenhagen ist das Copenhagen Architecture Festival.

Copenhagen Architecture Festival © Copenhagen Architecture Festival Copenhagen Architecture Festival wurde 2014 mit dem Ziel ins Leben gerufen, zu erkunden und zu vermitteln, in welcher Weise Architektur unser Leben beeinflusst und umgekehrt. Architektur bezieht sich dabei nicht nur auf den gebauten Raum, sondern auf sämtliche räumliche und kulturelle Praxen - sprich wie wir Menschen im Raum und mit dem Raum interagieren. Seit nunmehr fünf Jahren macht das Festival durch ein öffentliches Programm bestehend aus Filmvorführungen, Spaziergängen, Gesprächen, Ausstellungen, Diskussionen, Konferenzen, Workshops und kleineren Forschungsprogrammen das Feld der Architektur für ein breites Publikum zugänglich. Über einen Zeitraum von zwei Wochen finden jedes Jahr über 150 Veranstaltungen zeitgleich in Kopenhagen, Aarhus, Aalborg, Odense und im dänischen Rundfunk statt.


 

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