|

18:00 Uhr

REFLEKT: Dark Solanum + (Beyond The Idea of Queerness)

Tanzperformance und Diskussion|Otniel Tasman erforscht mit seinen Arbeiten die politisch-physische Seite einer seit Jahrhunderten praktizierten choreografischen Tradition und ergründet die Schnittstelle zwischen lokal verorteter Spiritualität, körperlichen Erfahrungen und dunkler Ästhetik von Queerness.

  • GoetheHaus Jakarta, Jakarta

  • Sprache Englisch, Indonesisch
  • Preis Freier Eintritt | Mit Registrierung

REFLEKT: Dark Solanum © Faijo

REFLEKT: Dark Solanum © Faijo

Dark Solanum entfaltet sich zunächst als eine ruhige, dennoch radikale Geste, als eine körperlich manifestierte Suche entlang den Spannungsfeldern und Schnittstellen von Tradition, Queerness und spirituellem Bewusstsein. In Anlehnung an den Lengger-Tanz aus Banyumas positioniert Otniels Choreografie den Körper gleichermaßen als Archiv und als Orakel - ein Lebensraum, in dem Geschlechterambiguität, Rituale und Nachhall der Vergangenheit aufeinandertreffen.

Otniel geht in seiner Auseinandersetzung mit Lengger achtsam und sorgfältig vor. Er präsentiert den Tanz weder mit nostalgischen noch mit didaktischem Ansatz; im Gegenteil, der Körper verleiht Lengger eine Sprache, die lautlos innere Spannungen und spirituelle Kräfte zum Ausdruck bringt. Was geschieht, wenn ein*e Künstler*in nicht mit der Produktion beginnt, sondern damit, dass er/sie dem Körper, der Stille und dem Raum zuhört? Was entsteht, wenn Ideen organisch wachsen dürfen, in einem Prozess, der Forschung als Form und nicht nur als Mittel zum Zweck betrachtet?

Die Idee zu Dark Solanum entstand teilweise während Otniels dreimonatigem Aufenthalt bei SAVVY Contemporary in Berlin – im Rahmen des vom Goethe-Institut Südostasien initiierten Residenzprogramms REFLEKT. Otniel wollte seinen Aufenthalt nicht nur zur Produktion nutzen, sondern auch als Raum für uneingeschränkte Präsenz und für eine Auszeit, die ihm Möglichkeiten des Zuhörens eröffnet, nämlich der Stadt, der undokumentierten Geschichte, dem ungewohnten Rhythmus. Bei Besuchen von Gedenkstätten, Friedhöfen und ruhigen öffentlichen Orten ließ der Künstler seine Suche von Sinneserfahrungen leiten. Der Körper wurde zum Navigationsinstrument. Mit allen Sinnen spürte er innewohnenden Traumata, Erinnerungen und lokaler Spiritualität nach. Dark Solanum feierte im Juni 2025 in Yogyakarta Premiere.

Im Anschluss an die Performance folgt ein Gespräch mit Otniel Tasman, moderiert von Josh Marcy.

Team

Choreograph: Otniel Tasman in Zusammenarbeit mit Nova Ruth, Agha Praditya und Mariska Setiawan
Dramaturg: Lim How Ngean
Künstlerische Leiterin: S. Sophiyah. K
Künstlerischer Leiter: Byakta Babam
Bühnenmeister: Kristanto
Produzentin: Dina Triastuti

Biografie

Otniel Tasman

choreografiert und praktiziert Lengger, eine Gender-übergreifende Kunstform aus Banyumas. Mit seiner Arbeit setzt sich Otniel für Geschlechtergerechtigkeit und für die Lehren des Lengger ein und verbindet traditionelle und zeitgenössische Ansätze. Er ist einer der Mitbegründer*innen des Jagad Lengger Festival, das sich für den Erhalt und die Förderung des kulturellen Erbes von Banyumas einsetzt. 2021 veröffentlichte er das Buch Lengger Agamaku, in dem er sich mit seinen Erfahrungen als Lengger-Künstler mit den Themenfeldern Körper, Geschlecht, Tradition und Spiritualität auseinandersetzt.