Unterricht in Coronazeiten
​Homeschooling aus den Uffizien

Homeschooling
Homeschooling | Foto (Zuschnitt): © Gallerie degli Uffizi

Seit dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie sind mehr als 8,3 Millionen Schüler*innen in Italien zumindest zeitweise im Homeschooling. Mitten in der dritten Corona-Welle ließ sich eines der wichtigsten Museen der Welt eine Initiative zur Unterstützung von Italiens Schulen einfallen.

Von Christine Pawlata

Auf geht’s Schulen – Die Uffizien kommen
Auf geht’s Schulen – Die Uffizien kommen | © Gallerie degli Uffizi
„Forza scuole! Arrivano gli Uffizi!“, auf Deutsch „Auf geht’s Schulen – Die Uffizien kommen“, heißt das Projekt der Didaktik-Abteilung des florentinischen Museums, das neben der berühmten Kunstsammlung am Ufer des Arnos auch die ehemalige Medici-Residenz Palazzo Pitti mit dem Boboli-Garten umfasst.

„Es ist bereits das zweite Jahr in Folge, in dem Schulkinder nicht in unsere Museen kommen können“, erklärt Eike Schmidt, Direktor der Uffizien zur Eröffnung des Projekts. „Um Schüler*innen und Lehrer*innen zu helfen, haben die Uffizien beschlossen, ihre Geschichte und Schätze in die virtuellen Klassenzimmer des Distanzunterrichts zu bringen."

Die Teilnahme an dem Projekt ist für die Schulen kostenlos. Etwa 45 Minuten dauern die Unterrichtseinheiten, in denen die Pädagog*innen der Uffizien die Kinder mittels der Kommunikationsplattform Google Meet auf einen Museumsbesuch mitnehmen.

Andere Inhalte für das digitale Klassenzimmer

„Wir haben in unserer Programmierung nach Lektionen gesucht, die für den Online-Unterricht angepasst werden können“, erzählt Silvia Mascalchi, Kunsthistorikerin und Leiterin der Didaktik-Abteilung der Uffizien.
 
Gerade für die Grundschulklassen sei das eine Herausforderung gewesen.
 
„Normalerweise stehen wir zusammen mit den Kindern vor einem Kunstwerk und helfen ihnen, es zu betrachten, seine Bedeutung zu verstehen, sozusagen in die Aura des Werkes einzutreten.“
 
Dies sei ein langsamer Prozess, der nur schwer über einen Bildschirm zu vermitteln sei, bedauert Mascalchi.
 
„Also haben wir uns für die Grundschulen zwei allgemeinere Lektionen ausgedacht: Eine Einführung in das Museum des Palazzo Pitti und eine Einführung in die Museen der Uffizien“, erzählt die Kunsthistorikerin, die neben ihrer Funktion als Projektkoordinatorin auch selbst im virtuellen Klassenzimmer steht. Für die Kinder sei das ein bisschen so, als würden sie einen Ausflug mit ihrer Schule machen.
 
Im virtuellen Museumsbesuch schildern Mascalchi und ihre Mitarbeiter*innen den Kindern die Lage der Museen in der Stadt Florenz, die enorme Größe und Vielfalt der Sammlungen, und erzählen auch Geschichten aus dem Alltag der Medici, der Gründerfamilie der Uffizien.
 
„Wir erklären ihnen zum Beispiel, dass es eine sehr liebevolle Familie war, wir erzählen von der Geburt der elf Kinder und dem Wunsch der Großfürstin Eleonora, dass ihre Kinder im Grünen spielen konnten, was zum Kauf des Palazzo Pitti mit dem Boboli-Garten führte.“

Miteigentümer und Mitverantwortliche des kulturellen Erbes

Wichtig ist Mascalchi auch in den virtuellen Führungen, den Schüler*innen begreiflich zu machen, dass die Kunstschätze auch ihnen gehören.
 
„Artikel 9 der italienischen Verfassung legt fest, dass diese Kulturgüter Eigentum der italienischen Bürger und Bürgerinnen sind. Damit sind sie praktisch Miteigentümer, aber auch verantwortlich für die Erhaltung dieses enormen Kunstschatzes.“
 
Das Projekt kommt gut an. Schon eine Woche nach dem Start sind mehr als tausend Anfragen aus ganz Italien in den Uffizien eingegangen.
Das Ganze zu organisieren sei nicht einfach, erklärt Mascalchi. Die digitale Abteilung habe aber im letzten Jahr einen riesigen Schritt nach vorne gemacht: „Wir werden aus dieser Erfahrung auf jeden Fall eine große Lehre ziehen. Unser gesamtes Programm für nächstes Jahr ist darauf ausgerichtet, die traditionelle Museumsdidaktik vor Ort mit Online-Didaktik zu verbinden.“

„Wir kommen nach Florenz!“

Mascalchi und ihr Team freuen sich auf die Zeit, in denen sie die Schulklassen wieder ohne Bildschirm in den Uffizien empfangen dürfen.
 
„Die Kinder fragen uns: ‚Was passiert, wenn die Museen geschlossen sind?‘”, berichtet die Kunsthistorikerin. „Wir antworten ihnen: ‚Wir machen das, was man immer macht, wenn man Gäste erwartet. Wir putzen, wir fegen, wir stauben ab, wir räumen auf. Die Kunstwerke schauen uns aus ihren Bilderrahmen an, als wollten sie sagen: 'Warum lasst ihr uns immer noch allein? Wir wollen die Besucher wiedersehen!' Und dann rufen die Kinder: ‚Ja, wir kommen, wir kommen nach Florenz!‘”
 
Mascalchi erwarte einen Sturm auf die Uffizien, sobald der Museumsbesuch wieder möglich ist.
 
Das wird sicher eine bewusstere Form von Tourismus sein, ausgehend auch von Kindern, die ihre Eltern belagern: „Lass uns nach Florenz gehen, lass uns nach Florenz gehen, lass uns nach Florenz gehen!“

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