Kultur Ensemble

Atelier Panormos © Goethe-Institut Palermo

Das neue deutsch-französische Netzwerk Kultur Ensemble ist mit dem Aachener Vertrag über die deutsch-französische Zusammenarbeit und Integration entstanden, der 2019 von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Präsident Emmanuel Macron unterzeichnet wurde.
Kultur Ensemble Palermo ist mit seiner Eröffnung am 14. Juni 2021 das weltweit erste dieser Kulturinstitute und wird vom Goethe-Institut Palermo und dem Institut français Palermo betrieben. Im Juni 2022 folgte Kultur Ensemble Ramallah und im Oktober 2022 wurde das deutsch-französische Kulturinstitut Atlanta eingeweiht. Die nächsten deutsch-französischen Institute werden in Erbil (Autonome Region Kurdistan im Irak), Bischkek (Kirgistan) und Cordoba (Argentinien) ihre Arbeit aufnehmen.

Atelier Panormos – La Bottega

Atelier Panormos – La Bottega in Palermo ist das erste deutsch-französisch-italienische Residenzprogramm. Der Name der Künstlerresidenz leitet sich von dem griechischen Wort für Palermo (Panormos) ab, das die Stadt bzw. ihre Küste auf ganzer Länge als guten bzw. geeigneten Hafen beschreibt. Die Künstlerresidenz bietet Zeit und Raum für Forschen, Wirken sowie künstlerische Recherche im Rahmen von deutsch-französischen Projekten in der Hauptstadt Siziliens.

Ausschreibung 2023

Die aktuelle Ausschreibung von Kultur Ensemble ist bis zum 28. Februar 2023 offen. Sie richtet sich ausschließlich an Künstler*innen und Forscher*innen unter 30 Jahren, deren Residenz im Zeitraum von September 2023 bis Dezember 2023 stattfinden wird. Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung!

  • Eröffnung von Kultur Ensemble Palermo in den Cantieri Culturali alla Zisa, 14. Juni 2021 © Roberto Ilardi

    Eröffnung von Kultur Ensemble Palermo in den Cantieri Culturali alla Zisa, 14. Juni 2021

  • Eröffnung von Kultur Ensemble Palermo in den Cantieri Culturali alla Zisa, 14. Juni 2021 © Roberto Ilardi

    Eröffnung von Kultur Ensemble Palermo in den Cantieri Culturali alla Zisa, 14. Juni 2021

  • Eröffnung von Kultur Ensemble Palermo in den Cantieri Culturali alla Zisa, 14. Juni 2021 © Roberto Ilardi

    Eröffnung von Kultur Ensemble Palermo in den Cantieri Culturali alla Zisa, 14. Juni 2021

  • Eröffnung von Kultur Ensemble Palermo in den Cantieri Culturali alla Zisa, 14. Juni 2021 © Roberto Ilardi

    Eröffnung von Kultur Ensemble Palermo in den Cantieri Culturali alla Zisa, 14. Juni 2021

Künstler*innen


Für das erste Jahr wurde das Projekt von zwei führenden Persönlichkeiten im Bereich der internationalen zeitgenössischen Kunst begleitet: Chiara Parisi, Direktorin des Centre Pompidou-Metz, und Andrea Lissoni, künstlerischer Leiter des Hauses der Kunst in München. Die beiden "Mentoren", haben die sechs teilnehmenden Künstler und Künstlerinnen für 2021 und das erste Halbjahr 2022 ermittelt: caner teker, Juliette Minchin, Melika Ngombe Kolongo (NKISI), Morgane Tschiember, Flaka Haliti und Sébastien Thiéry (Kollektiv PEROU).

Ab September 2022 werden die Bewohner*innen des Atelier Panormos - La Bottega von einer Jury ausgewählt, die sich aus Vertreter*innen des Goethe-Instituts Italien und des Institut français Italia sowie aus Fachleuten aus der Welt der italienischen Kunst und Kultur zusammensetzt. Der Jury gehörten in diesem Jahr an:

Antonella Perin, Leiterin der Kulturprogramme des Goethe-Instituts Italien
Hélène Kelmachter, Kulturattaché der französischen Botschaft in Italien
Beatrice Merz, Präsidentin und Direktorin der Merz-Stiftung
Costanza Quatriglio, Direktorin und Künstlerische Leiterin des Centro Sperimentale di Cinematografia Sizilien
Oscar Pizzo, Direktor von EUR Culture per Roma, Künstlerischer Leiter des Teatro Massimo di Palermo von 2014 bis 2018
Giorgio Vasta, Schriftsteller

Für die Aufenthalte, die zwischen September 2022 und Juli 2023 stattfinden sollen, hat die Jury sechs Projekte ausgewählt, die von den folgenden Künstler*innen vorgeschlagen wurden: Charlotte Koch/Ségolène Bulot/Daria Di Bello, Yolenn Farges, Tobias Purfürst & Noam Brusilovsky, Victor Missud und Lea Letzel.
 

Lea Letzel


Lea Letzel
© Frederike Wetzels
Lea Letzel schafft Räume, Konzertsituationen, Konzert-Installationen, Performances und Videoarbeiten, die sowohl in der „Black Box“ des Theaters, als auch im „White Cube“ der bildenden Kunst gezeigt werden. Ihr Studium am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen hat sie mit einem Projekt in Zusammenarbeit mit der Internationalen Ensemble Modern Akademie abgeschlossen. Das Studium der Medienkunst an der Kunsthochschule für Medien in Köln beendete Letzel mit dem „Konzert für Orgel und Pyrotechnik“ in Zusammenarbeit mit dem Organisten Dominik Susteck in der Kölner Kunst-Station St. Peter. Seit 2015 ist sie zur staatlich geprüften Pyrotechnikerin ausgebildet und seit 2020 zur Großfeuerwerkerin. Den Herbst 2019 verbrachte sie als Stipendiatin des Goethe–Instituts der Villa Kamogawa in Kyoto, Japan, um sich mit japanischer Pyrotechnik auseinandersetzen. Ihre Zeit als Stipendiatin in Palermo will sie maßgeblich der Recherche und Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen, politischen, historischen und künstlerischen Perspektive der italienischen Feuerwerkerei widmen. Lea Letzel lebt und arbeitet heute in Köln.

 

Yolenn farges
 

Yolenn Farges
© Sylvie Léonard
Yolenn Farges ist eine vielseitige Künstlerin aus Frankreich. Im Jahr 2020 absolvierte sie ihren Abschluss an der Beaux-Arts de Nantes und lebt und arbeitet nun zwischen Marsiglia und Belle-île-en-mer. Auf langen Wanderungen und Tauchgängen macht sie sich auf die Suche nach Materialien sowie Geheimnissen und Geschichten, die sie sammelt und durch ihre Kreationen wiedergibt. Ihre künstlerischen Ansätze sind sowohl mit der Metamorphose von Ökosystemen als auch der mündlichen Verbreitung von Wissensgut verbunden. Mit der Hilfe von Installationen, Performance und Video hinterfragt Yolenn die Porosität der Beziehungen zwischen den Lebewesen. Weiterhin leitet sie künstlerische und pädagogische Workshops und betrachtet diese Momente des kollektiven Schaffens als wirksame Mittel, um sich die Zukunft vorzustellen. In Palermo konzentriert sich ihre Untersuchung auf Lebensmittel und auf sizilianische Rezepte, die aus der Perspektive der Mikrobiologie und Fermentation betrachtet werden.

FLAKA HALITI

Flaka Haliti
Flaka Haliti | © Alexandra Bertels/Europalia
Flaka Haliti wurde in Prishtina, Kosovo geboren und lebt in München. Sie hat an der Städelschule, der Hochschule für Bildende Künste in Frankfurt am Main studiert.
Die künstlerische Praxis von Flaka Haliti umfasst Mischtechniken, Skulpturen und Rauminstallationen mit einem dezidiert ortsspezifischen Ansatz. Aneignung und Neuanordnung sind durchgehende Linien in ihren Arbeiten, wodurch neue ästhetische Muster geschaffen werden.
2015 vertrat Flaka Haliti ihr Heimatland Kosovo auf der Biennale in Venedig. Darüber hinaus war die Künstlerin 2017 Stipendiatin der Villa Romana in Florenz und erhielt den Ars Viva Prize und den Henkel Award. Ihre Werke präsentierte sie bereits in Einzelausstellungen im mumok – Museum Moderne Kunst in Wien, im S.A.L.T.S. Kunstverein Birsfelden, in der Kunsthalle Lingen und im Kunsthaus Hamburg. In Form von Gruppenausstellungen wurden ihre Arbeiten im Museum Ludwig Köln, in der Kunsthalle Wien, im Museum Lenbachhaus München und dem Haus der Kulturen der Welt in Berlin gezeigt.
Die Künstlerin schafft einen Dialog zwischen den Begriffen der Neuanordnung und der Aneignung. Auf der einen Seite wird der Standard der systematischen Ordnung abgelehnt - und auf der anderen, eine Anpassung vorgenommen. Infolgedessen eröffnet Flaka Haliti ein poetisches Feld für ein fortwährendes Dazwischen in einem dialektischen, hybriden, performativen Raum.


SÉBASTIEN THIÉRY UND DAS KOLLEKTIV PEROU MIT DEM PROJEKT NAVIRE AVENIR

NAVIRE AVENIR - collettivo PEROU
NAVIRE AVENIR - collettivo PEROU | © PEROU
Das vor zehn Jahren von dem Politikwissenschaftler Sébastien Thiéry und dem Landschaftsarchitekten Gilles Clément gegründete PEROU-Kollektiv (Pôle d'Exploration des Ressources Urbaines, Zentrum zur Erforschung der städtischen Ressourcen) befasst sich mit Fragen der Geflüchteten-Aufnahme, reflektiert und reagiert auf die ausgrenzenden Maßnahmen der öffentlichen Politik und schafft Projekte, die den Dialog und die Gemeinschaft fördern.
NAVIRE AVENIR ("Schiff der Zukunft") ist das bisher weitreichendste Projekt des Kollektivs. Ziel ist der Bau eines europäischen Flaggschiffs zur Rettung von Menschenleben im Mittelmeer, das als erstes aus einer europäischen Flotte von zehn Schiffen konzipiert ist. An dem Projekt sind mehr als tausend Menschen aus verschiedenen Ländern und Disziplinen beteiligt, und es bringt 57 Partner*innen zusammen, darunter Wissenschaftler*innen, Schulen, Universitäten, Künstlerkollektive, Designer*innen, Grafiker*innen, Performer*innen, Architekten, Politiker*innen, Soziologen, Anthropologen und Ingenieur*innen. Das Projekt wird hauptsächlich in Marseille entwickelt und vom MUCEM (Museum der Zivilisationen Europas und des Mittelmeerraums, Marseille) und dem Centre Pompidou Metz unterstützt. Der Stapellauf des AVENIR-Schiffs ist für das Jahr 2024 geplant. Parallel dazu arbeitet das PEROU-Kollektiv an der Bewerbung für die Aufnahme in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes.
Während des Aufenthalts in Palermo wird sich das Kollektiv auf einige spezifische Aspekte im Zusammenhang mit der Realisierung des Schiffes konzentrieren. Darunter fallen die rechtlichen Aspekte (Begriff des Empfangs und die Schaffung eines europäischen maritimen Pavillons für das Schiff), die mit der Architektur und dem Design des Schiffes zusammenhängenden Aspekte (Innenausstattung und Typografie), das Design der Flagge und das, was die PEROU-Mitglieder als "therapeutische Aspekte" bezeichnen, die mit der Vermittlung von Erste-Hilfe-Gesten und persönlicher Pflege zusammenhängen. Sébastien Thiéry macht Platz für die anderen Mitglieder des Kollektivs: Nina Chalot & Gabriel di Battisti (Textildesigner*innen), Charlotte Cauwer (Architektin und Designerin), Sina Fakour (Typografin), Marie-José Ordener (Köchin), Elsa Ricq-Amour (Therapeutin). Die Treffen des Kollektivs mit den verschiedenen Realitäten in Palermo werden eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Palermo und Marseille rund um NAVIRE AVENIR in Gang setzen.
"Die Avenir ist ein bahnbrechendes Instrument der Seenotrettung, das erste Schiff, das speziell für die Massenrettung konzipiert wurde; sie ist ein Zufluchtsort auf hoher See, ein Gebäude, das mit allen notwendigen Einrichtungen für die Aufnahme und Betreuung von Überlebenden ausgestattet ist; sie ist ein öffentlicher Platz im Mittelmeer, ein Raum des kollektiven Lebens, in dem die Brüderlichkeit bekräftigt wird; sie ist ein Laboratorium für die Suche nach wünschenswerten Zukünften, ein Ort, von dem aus die Schiffe und die Zukunft geschaffen werden, die weiter bestehen werden."

Interview mit Sébastien Thiéry: Ein Schiff für Europa


MELIKA NGOMBE KOLONGO

Melika Ngombe Kolongo - "Nkisi"
Melika Ngombe Kolongo - "Nkisi" | © Nkisi
Melika Ngombe Kolongo wurde in Kinshasa, in der Demokratischen Republik Kongo geboren und ist in Belgien aufgewachsen. Nach ihrem Bachelor in Audiovisuellen Techniken am Narafi in Brüssel machte sie an der Birkbeck, University of London ihren Master in Psychosocial Studies mit einem Fokus auf Kultur, Diaspora und Ethnologie.
Als Musikerin, Produzentin und visuelle Künstlerin bezieht sich NKISI in ihrer Arbeit auf ihre persönliche Biographie, indem sie pan-afrikanische Rhythmen mit hartem Techno und einer gewissen Punk-Sensibilität mischt sowie einer politischen Widerstandshaltung gegen Konformität.
Auch NKISIs Künstlername stellt eine Verbindung zu ihrem kulturellen Hintergrund her, meint das Wort "NKISI" doch einen Geist oder ein von einem Geist bewohntes Objekt, das in den Religionen im zentralafrikanischen Kongobecken als Mittel zur Kommunikation mit den Ahnen dient. Inspiriert von der Kosmologie des Volkes der Bakongo versteht NKISIs Werk Musik als eine Art der Kommunikation jenseits von Sprache und ergründet dabei die Vorstellung von "hören ist sehen und sehen ist reagieren/fühlen" (K. Kia Bunseki Fu-Kiau, African Cosmology of the Bantu-Kongo, 1980).
2015 gründete sie als eine von dreien das Musikkollektiv NON Worldwide, ein unabhängiges Musiklabel und Kunstprojekt, das sich zum Ziel gesetzt hat, afrikanische Musiker*innen in der Diaspora zu vernetzen, diesen oftmals marginalisierten Künstler*innen eine Stimme zu geben und letztlich Macht umzuverteilen.
NKISI ist in verschiedenen Locations aufgetreten wie der Tate Modern in London, Berlin Atonal, HAU2 in Berlin, Palais de Tokyo in Paris und dem Haus der Kunst in München.


MORGANE TSCHIEMBER

Morgane Tschiember
Morgane Tschiember | © Morgane Lay X Jonny Cochrane for Parfums Chris
Morgane Tschiember wurde in Brest, Frankreich geboren. Sie studierte Kunst an den Beaux-Arts in Quimper und anschließend an den Beaux-Arts in Paris. Sie lebt in Paris und arbeitet in einer "factory", die sie 2011 gegründet hat.
Morgane Tschiembers Arbeit zeichnet sich durch einen sowohl physischen als auch metaphysischen Ansatz aus. Mit Überlegungen, die von der Philosophie von Jacques Derrida beeinflusst werden, entsteht eine Synthese, die als "romantischer Minimalismus" bezeichnet werden kann.
Ihre Werke sind vom körperlichen Einsatz geprägt, der für ihre Umsetzung notwendig ist. Von Morgane selbst als Rituale bezeichnet, machen sie sowohl die Produktionsprozesse, als auch die Spuren des Tuns, der Geste und des Atems sichtbar. Morganes Serien durchlaufen mit dem Feuer verbundene Transformationsstadien und werden so zur "Opfergabe".
Morgane modelliert Räume, um deren intrinsische Charakteristiken (Licht, Bewegung) zu enthüllen. In einem Spiel mit visueller und physischer Wahrnehmung, öffnet sie Räume in Form von monumentalen Installationen, als Einladungen zum Umherwandern.
Jede Residenz ist für Morgane Tschiember eine Gelegenheit, sich mit einem bestimmten Material zu beschäftigen (Glas in Marseille im Cirva, Keramik im Veneto, Nuove/ Residency). Sizilien, Palermo und seine Bucht, die Conca d'Oro, knüpfen stark an Morgane Tschiembers vorherige Werke an. Die Künstlerin wird während ihres Aufenthalts an Wachs- und Keramikskulpturen weiter arbeiten.


caner teker

caner teker
caner teker | © Augustin Farias
caner teker wurde 1994 in Duisburg-Marxloh, Deutschland, geboren. Absolvent* der Kunstakademie Düsseldorf 2019 und ab 2019 Postgraduiertenstudent* an der SNDO – School for New Dance Development in Amsterdam. Es folgten das Debüt bei den Tanztagen Berlin mit der Performance Kirkpinar (Koproduktion Sophiensaele), die Einladung  zur Teilnahme am Programm Disappearing Berlin am Schinkel Pavillon in Berlin und dem Festival Radikal Jung am Volkstheater in München. Darüber hinaus die Einladung als Künstler* im Rahmen des Favoriten Festivals 2020 in der Stadt Dortmund und am Neumarkt Theater in Zürich. caner hat Performances im Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Museum Abteiberg Mönchengladbach, tanzhaus NRW realisiert und erfreut sich eines Stipendiums der Norbert Janssen Stiftung in München. Im Jahr 2020 kamen dann der Preis für Bildende Kunst der Stadt Düsseldorf und die Einladung zum Studium am Choreografischen Zentrum PACT Zollverein in Essen. 



Juliette Minchin

Juliette Minchin
Juliette Minchin | © Wilfrid Gremillet
Juliette Minchin, Jahrgang 1992, lebt in Paris, wo sie sich den Gebieten Skulptur, Installation, Video und Design widmet. Sie hat einen Abschluss als Bühnenbildnerin an der Ecole Supérieure des Arts Décoratifs und der Akademie der Schönen Künste in Paris. Sie schafft ihre Werke im Zusammenspiel von Materie, Licht, olfaktorischer Dimension und Klang.
In ihrer Arbeit erforscht sie Konzepte im Zusammenhang  mit dem Thema Transformation. Als Zeugen des Vergehens der Zeit dekliniert sie ihre Werke in Serien und präsentiert sie unter unterschiedlichen Bedingungen und in verschiedenen Zuständen, wobei sie mit einer grundlegenden Zweideutigkeit spielt: Geburt der Materie oder Tod der Form, Anfang und Ende geraten durcheinander. Die Verwendung natürlicher Materialien (wie Erde oder Wachs) verleiht ihren Skulpturen eine unbestreitbar lebendige Dimension, bei der die Oberfläche an das Aussehen von Haut erinnert.

CHARLOTTE KOCH, SÉGOLÈNE BULOT UND DARIA DI BELLO MIT DEM PROJEKT WOMEN’S VOICES IN PALERMO


Women's voices in Palermo
© Charlotte Koch, Ségolène Bulot, Daria di Bello
Die Anthropologin Charlotte Koch aus Deutschland, die französische Soziologin Ségolène Bulot sowie die italienische Soziologin Daria di Bello lernten sich an der Universität in Leipzig kennen. Bei dem Zusammenkommen der drei Wissenschaftlerinnen vereinten sich zudem ihre Kenntnisse hinsichtlich des Orients, Lateinamerikas, Südasiens und Afrikas.
Mit ihrem gemeinsamen Projekt Women’s voices in Palermo konzentrieren sie sich auf die kulturellen Praktiken Nordafrikanischer Frauen in der sizilianischen Hauptstadt und ihre Zugänglichkeit zu lokalen Kultureinrichtungen.
Palermo spielt dabei als historischer Treffpunkt vieler Nationalitäten und Religionen eine entscheidende kulturelle Die Durchführung von Interviews ermöglicht den Wissenschaftlerinnen, die Erfahrungen der Nordafrikanischen Frauen bezüglich ihres Lebens und Schaffens in Palermo zu analysieren, um das Bild der multikulturellen und offenen Stadt differenziert zu reflektieren. Weiterhin ermöglichen ihre Ergebnisse die Eröffnung neuer Perspektiven, welche als Impulse für zukünftige kulturelle Projekte und inklusive Praktiken dienen sollen.
Ziel ihrer Arbeit ist es, einen Raum für diese Frauen zu schaffen, in welchem sie ihre Stimmen erheben können. Dementsprechend streben sie danach, bisherige Machtstrukturen mit einem intersektionalen Ansatz zu hinterfragen.
Aufbauend auf den bereits vorhandenen Erfahrungen der Wissenschaftlerinnen in der Vertonung von Untersuchungsergebnissen, gewonnen bei der Leipziger Podcast-Ethnografie der Universität, werden ihre jüngsten Resultate gleichermaßen als Podcast veröffentlicht – somit verleihen sie den Frauen nicht nur im übertragenden Sinne eine Stimme.


Charlotte Koch, Ségolène Bulot, Daria di Bello
© KULTUR ENSEMBLE
Das Trio aus Geisteswissenschaftlerninnen traf sich an der Universität Leipzig, wo sie den Podcast als partizipatives Mittel zur Verbreitung ihrer Arbeit entdeckten.

CHARLOTTE KOCH
Die gebürtige Deutsche Charlotte Koch lebt in Leipzig. Dort absolvierte sie ihr Master-Studium in Kulturwissenschaften mit einem Bachelor in den Regionalstudien von Lateinamerika. Neben dem Feminismus beschäftigt sie sich auch mit der Soziologie des Islams. Die Kulturwissenschaftlerin zeigt zusätzlich freiwilliges Engagement bei der Unterstützung von Immigranten in Deutschland und sammelte im Rahmen von Praktika und einem Freiwilligendienst viele Erfahrungen im Ausland. Sie arbeitete zudem an einem Podcast an der Universität Leipzig, wo sie auch auf ihre derzeitigen Partnerinnen des Projektes „Women’s voices in Palermo“ traf.

SÉGOLÈNE BULOT
Ségolène Bulot ist eine gebürtige Französin, welche jedoch in Leipzig lebt. Dort erreichte sie auch ihren Masterabschluss in Kulturwissenschaften. Die Soziologin engagiert sich für Migranten in Deutschland und hat durch ihre Arbeit und Planung von Festivals und Theater auch Bezugspunkte zur Kunst-Szene. Aufgrund ihrer Tätigkeit am Goethe-Institut und Institut français ist ihr der Kulturaustausch über die Grenzen hinweg nicht fremd. Sie hatte bereits Erfahrungen mit dem Podcast-Format an der Universität Leipzig, wo sie auch ihre derzeitigen Partnerinnen des Projektes „Women’s voices in Palermo“ kennenlernte.

DARIA DI BELLO
Die in Tarent geborene Italienerin Daria di Bello lebt in Leipzig. Dort bestand sie mit ihrer Arbeit zur Immigration im Mittelmeerraum auch ihren Master in Kulturwissenschaften. Neben ihrer Tätigkeit als Aktivistin ist die Soziologin zusätzlich eine Sprach- und Kulturvermittlerin sowie Italienischlehrerin. Sie befasst mit Migration und der Soziologie des Islams. An der Universität Leipzig, wo sie auch schon an einem Podcast arbeitete, traf sie auf ihre derzeitigen Forschungspartnerinnen. Gemeinsam nutzen sie die Residenz für ihre Recherche im Rahmen des Projektes „Women’s voices in Palermo“.

Kurator*innen

ANDREA LISSONI

Andrea Lissoni, künstlerischer Leiter des Hauses der Kunst in München
Andrea Lissoni, künstlerischer Leiter des Hauses der Kunst in München | © Maximilian Geuter
"Die Künste der Gegenwart leben an den geographischen, kulturellen, sozialen und disziplinären Rändern. Sie existieren und halten sich  mit Freude, Energie, Radikalität und sind in dem Wert verwurzelt, den das letzte Jahr auf dramatische Weise als den wichtigsten deutlich gemacht hat: die Gemeinschaft. Europa erlebt gerade einen außergewöhnlichen kulturellen, sozialen und künstlerischen Wandel, der zu disruptiv ist, um ignoriert zu werden. Ich bin begeistert, einen Beitrag zu Bottega Atelier Panormos zu leisten, einem Projekt an einem Ort, in einer Zeit, einer Art und Weise und in einer einzigartigen Stadt, in der die Aufnahme  der Kunst der Gegenwart wie selbstverständlich die Grundlagen für die zukünftige Kunst schaffen kann. Und unweigerlich auch die Grundlagen der Zukunft im Allgemeinen."

Andrea Lissoni, PhD, ist seit April 2020 künstlerischer Leiter des Hauses der Kunst in München. Zuvor war er als Senior-Kurator in der Abteilung für internationale Kunst und Film an der Tate Modern in London und davor (2009-2013) als Kurator beim Hangar Bicocca in Mailand tätig. Er ist Mitbegründer des unabhängigen Kunstkollektivs Xing und Co-Direktor des internationalen Festivals Netmage in Bologna. 2012 hat er Vdrome mitbegründet,  ein Online-Kino-Programm für Künstler*innen und Filmemacher*innen, zu dessen Kurator*innen er bis heute gehört.

Er hat das Cinema Programme in der Tate Modern eingeweiht, eine Ausstellung, die sich über das ganze Jahr hinzieht. Er co-kuratierte das Programm zur Eröffnung des Museumsneubaus (2016), die Live-Exhibition (2017 und 2018), die Turbine Hall Commission von Philippe Parrenos (2016) und die Einzelausstellung von Joan Jonas (2018). Er war Co-Kurator der Biennale de l’Image en Mouvement The Sound of Screens imploding, die 2018 vom Geneva Contemporary Art Centre/OGR Turin organisiert wurde. Im Jahr 2019 trug er zur internationalen Eröffnung des CCA in Taschkent bei, dem ersten Zentrum für zeitgenössische Kunst in Usbekistan, wo er die Einzelausstellung von Saodat Ismailova Qo’rg’on Chiroq kuratierte. Zuletzt kuratierte er die Bruce Nauman-Ausstellung in der Tate Modern in London (2020-2021), eine Wanderausstellung, die anschließend im Stedelijk Museum in Amsterdam und im Hangar Bicocca in Mailand zu sehen sein wird).

Chiara Parisi

Chiara Parisi, Leiterin des Centre Pompidou-Metz
Chiara Parisi, Leiterin des Centre Pompidou-Metz | © Philippe Lévy
"Atelier Panormos ist ein bisschen ein Ort, der zum Werk wird, ein Fragezeichen in der Stadt Palermo, um zeitgenössische Trends durch das Herausfordern der 'deputierten Orte' abzufangen. Ein Ort, der für jedes Publikum offen ist und die Künstler in den Mittelpunkt stellt: eine immerwährende Baustelle, eine Bucht, die der Errichtung  jener unendlichen und undefinierbaren Architektur, nämlich der Kunst gewidmet ist."

Chiara Parisi leitet seit Dezember 2019 das Centre Pompidou-Metz. Die Kunsthistorikerin promovierte an der Universität La Sapienza in Rom, wo sie moderne und zeitgenössische Kunstgeschichte, Geschichte der Architektur und des Industriedesigns lehrte. Von 2004 bis 2011 leitete sie das Internationale Zentrum für Kunst und Landschaft auf der Insel Vassivière, wo sie eine Reihe von neuen Projekten ins Leben rief und die ersten monografischen Ausstellungen einer Reihe von Künstler*innen realisierte, die zuvor niemals in Frankreich ausgestellt wurden. Im Jahr 2011 wurde sie zur Direktorin für Kulturprogramme an der Monnaie in Paris ernannt, wo sie 2014 die Eröffnungsausstellung Chocolate Factory von Paul McCarthy kuratierte, die in Verbindung mit der monumentalen Skulptur Tree auf dem Place Vendôme präsentiert wurde. 2015 folgten die Ausstellungen von Marcel Broodthears, Take Me (I'm yours) von Christian Boltanski und Hans Ulrich Obrist. Im Jahr 2016 wurden in den Räumen der Monnaie aus dem achtzehnten Jahrhundert die Werke von Jannis Kounellis, dann die von Bertrand Lavier und Raymond Hains präsentiert. Ihre künstlerische Leitung endet mit der Einzelausstellung Not Afraid of Love, der größten Maurizio Cattelan-Ausstellung, die jemals in Europa gezeigt wurde und die die Wiederaufnahme der Produktion des Künstlers markiert. Im Jahr 2017 wurde sie zur Kuratorin der Villa Medici ernannt, wo sie eine Reihe von Einzelausstellungen eröffnete, die Annette Messager, Claire Tabouret et Yoko Ono, Elizabeth Peyton et Camille Claudel, Tatiana Trouvé, Katharina Grosse und Anne Patrick Poirier gewidmet waren. Sie ist Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Gremien, unter anderem des Kulturministeriums, des Nationalmuseums von Monte Carlo und des FRAC (Regionaler Fonds für zeitgenössische Kunst) Franche-Comté.

Kontakt

 

Bianca Bozzeda

Referentin
KULTUR ENSEMBLE

Cantieri Culturali alla Zisa
Via Paolo Gili, 4
90138 Palermo, Italien
Tel.: +39 091 6528680
bianca.bozzeda@goethe.de
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Partner

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