SCHULUNG FÜR LEHRKRÄFTE IN SÜDWESTEUROPA Jugend debattiert International

Zwei SchülerInnen vertreten die Pro-Seite_zwei die Contra-Seite
Zwei SchülerInnen vertreten die Pro-Seite_zwei die Contra-Seite | © Goethe-Institut Italien│Foto: Klaus Dorwarth

Soll der Unterricht erst um 9 Uhr beginnen? Sollen Lehrkräfte von ihren Schülerinnen und Schülern bewertet werden? Diese und andere kontroverse Themen von allgemeinem Interesse stellen sich immer wieder und nicht nur zum Thema Schule. Wer seinen Standpunkt sicher vertritt und dabei Sachlichkeit und Fairness beweist, hat bessere Chancen, andere von seiner Meinung zu überzeugen. Das können jetzt auch PASCH-Schüler*innen in Südwesteuropa lernen.  

Von Klaus Dorwarth 

Debattieren? Wozu?

Wozu debattieren? Wir sind doch keine Parlamentarier! In Wirklichkeit debattieren wir immer und überall. Für oder gegen etwas. Pro oder contra. Nur: Haben wir auch die richtigen Instrumente? Bleiben wir sachlich? Geben wir dem anderen die Möglichkeit, seine Meinung gleichberechtigt vorzutragen und zu begründen?

„Jugend debattiert international“ ist ein neues Angebot der Goethe-Institute Südwesteuropas. Ursprünglich zur Förderung einer zivilgesellschaftlichen Verstehenskultur an deutschen Schulen erdacht, erreicht die internationale Variante jetzt die PASCH-Schulen in Frankreich, Belgien, Italien, Spanien und Malta. Deutschlernende Schülerinnen und Schüler ab einem soliden A2-Niveau lernen so, in der Fremdsprache sicher aufzutreten. Sie erwerben Redemittel und Techniken, sich auf andere Redner einzustellen und gleichzeitig für die eigene Meinung zu werben - ein Training in strukturiertem Sprechen, das auch bei Referaten, in Prüfungssituationen und Bewerbungsgesprächen von Bedeutung ist. Gleichzeitig sensibilisiert das Gesprächsformat der Debatte für einen fairen Umgang mit Andersdenkenden und leistet einen Beitrag zu Demokratie und sachorientierter Auseinandersetzung. Alles in allem ein Zugewinn an sprachlichen, methodischen, sozialen und persönlichen Kompetenzen. 
 

Trainerschulung für Lehrkräfte

Ob Fußball, die Hausordnung oder der Straßenverkehr - Regeln bestimmen den Rahmen für gesellschaftliches Zusammenleben. Auch „Jugend debattiert international“ folgt wie sein deutsches Vorbild „Jugend debattiert“ vorgegebenen Regeln und Abläufen. Um sich mit diesen vertraut zu machen, trafen sich vom 12.-14. September 2019 dreizehn Lehrer*innen zu einer Fortbildung am Goethe-Institut Brüssel.
Debattiert wird nach einem vorgegebenen Grundmuster in drei Schritten: Eröffnungsrunde - freie Aussprache - Schlussrunde. Dabei stehen sich vier Redner gegenüber: Zwei Sprecher vertreten die Pro-Seite, zwei die Contra-Seite. Eine fünfte Person achtet auf den zeitlichen Rahmen. Im Anschluss bewertet eine Jury die Redner nach den Kriterien Sachkenntnis, Ausdrucksvermögen, Gesprächsführung und Überzeugungskraft.
Am besten geeignet sind Fragen, die mit dem Modalverb „sollen“ beginnen. Bei solchen Fragen muss man sich für eine von zwei Möglichkeiten entscheiden: „Ja oder nein? Sollen wir oder sollen wir nicht?“ Anfangs bieten sich schulbezogene Themen an. Fortgeschrittene Lerner können sich komplexeren Themen stellen, die gesellschaftlich oder politisch relevant sind wie etwa die Frage „Sollen öffentliche Plätze videoüberwacht werden?“   
    
  • Lehrkräfte erproben sich in der Schülerrolle - 1 Foto: Klaus Dorwarth © Goethe-Institut Italien
    Lehrkräfte erproben sich in der Schülerrolle - 1
  • Lehrkräfte erproben sich in der Schülerrolle - 2 Foto: Klaus Dorwarth © Goethe-Institut Italien
    Lehrkräfte erproben sich in der Schülerrolle - 2
  • Seminarleiter Veikko Frauenstein Foto: Klaus Dorwarth © Goethe-Institut Italien
    Seminarleiter Veikko Frauenstein
  • Die Schulungsteilnehmerin Adriana Sulli aus Triest Foto: Klaus Dorwarth © Goethe-Institut Italien
    Die Schulungsteilnehmerin Adriana Sulli aus Triest
  • Mögliche Debattierthemen Foto: Klaus Dorwarth © Goethe-Institut Italien
    Mögliche Debattierthemen
  • Probedebatte Foto: Klaus Dorwarth © Goethe-Institut Italien
    Probedebatte
  • Gruppenfoto mit PASCH-KoordinatorInnen aus fünf Goethe-Instituten Foto: Klaus Dorwarth © Goethe-Institut Italien
    Gruppenfoto mit PASCH-KoordinatorInnen aus fünf Goethe-Instituten
  • Comicfestival in Brüssel Foto: Klaus Dorwarth © Goethe-Institut Italien
    Comicfestival in Brüssel
  • Der deutsche Comiczeichner Flix Foto: Klaus Dorwarth © Goethe-Institut Italien
    Der deutsche Comiczeichner Flix
  • Auch Comic-Helden kann die Luft ausgehen: Tin Tin, in Deutschland bekannt als "Tim und Struppi" Foto: Klaus Dorwarth © Goethe-Institut Italien
    Auch Comic-Helden kann die Luft ausgehen: Tin Tin, in Deutschland bekannt als "Tim und Struppi"
  • Sprechende Hauswände Foto: Klaus Dorwarth © Goethe-Institut Italien
    Sprechende Hauswände
  • Die Schlümpfe als Deckengemälde Foto: Klaus Dorwarth © Goethe-Institut Italien
    Die Schlümpfe als Deckengemälde

Debattierwettbewerb 2019-2020 in Südwesteuropa

Die Lehrkräfte wurden in Brüssel auch zu Juroren geschult und bereiten derzeit ihre Klassen auf das Gesprächsformat der Debatte vor. In schulinternen Wettbewerben werden im Frühjahr die schulbesten Kandidat*innen ermittelt. Diese treten anschließend auf nationaler Ebene gegeneinander an. Daraus gehen die jeweiligen Landessieger hervor, die vom 15.-19. Mai 2020 zum finalen Wettbewerb an der Deutschen Botschaft in Brüssel eingeladen werden. Alternierend zu dem alle zwei Jahre stattfindenden SWE-PASCH-Theaterfestival wird dann genügend Zeit sein, um das Pilotprojekt bis zum nächsten SWE-Debattierfinale 2022 zu konsolidieren.  
 

Comic-Hauptstadt Brüssel

Die überschaubare Hauptstadt Belgiens hat einiges zu bieten, darunter manch Unerwartetes. Brüssel ist die Wiege weltbekannter Comicfiguren. Das Comicfestival Fête de la BD (bande dessinée), das zeitgleich zur Schulung stattfand, bot den PASCH-Lehrkräften die Gelegenheit zu einem etwas anderen Rahmenprogramm. Die Schulungsteilnehmer*innen lernten den bekannten deutschen Comiczeichner Flix kennen. Dieser verlieh der Hörspielfigur Der junge Goethe - einer Produktion des Goethe-Instituts Italien - sein unverwechselbares Aussehen. Geschätzt wurde auch die fachkundige Führung vorbei an zahlreichen großformatigen Comic-Helden, die von Hauswänden zum Betrachter herabblicken und der Stadt ein junges künstlerisches Flair verleihen.

 

Jugend debattiert ist ein Projekt der gemeinnützigen Hertie-Stiftung, der Robert Bosch Stiftung, der Stiftung Mercator und der Heinz Nixdorf Stiftung, auf Initiative und unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten, in Kooperation mit den Kultusministerien, der Kulturministerkonferenz und den Parlamenten der Länder. Weitere Informationen unter www.jugend-debattiert.de.