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Paolo Damiani
Galassia Luther

Silenzi Luterani (Luthers Schweigen)

Musik: Paolo Damiani. Texte: Pier Paolo Pasolini und Martin Luther

Silenzi Luterani – Partitur von Paolo Damiani Silenzi Luterani – Partitur von Paolo Damiani | © Paolo Damiani Mein jüngstes Werk ist dem 500. Jahrestag der Reformation gewidmet, deren Beginn allgemein auf den 31. Oktober 1517 datiert wird: Damals nagelte der junge Theologe Martin Luther seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel an das Portal der Schlosskirche zu Wittenberg und bekundete so offiziell seine Distanz zur Heiligen Römischen Kirche.

Reformation also im Sinne von Revolution, Infragestellen der Macht der Kirche, der Rolle des Papstes und der klerikalen Hierarchie im Allgemeinen.

Luther war ein außerordentlich innovativer Geist: Mit dem Ziel eines möglichst breiten Verständnisses der Liedtexte plädierte er für die Mitwirkung aller Gottesdienstteilnehmer am Chorgesang (nicht nur einiger Auserwählter, wie zu Zeiten des Katholizismus), und mittels Einführung der Volkssprache machte er die reformierte Liturgie für die Massen zugänglich. Durch das gemeinsame Singen erlernten die – seinerzeit größtenteils ungebildeten – Gläubigen mit Leichtigkeit die Texte der liturgischen Lieder, die erstmals nicht in lateinischer sondern in deutscher Sprache vorgetragen wurden. 

Neben einer Reihe bemerkenswerter Texte verfasste Martin Luther auch Kirchenmusik. Über die Kunst des Komponierens ließ er sich in seiner Lobrede Encomiom Musices aus, die ich auszugsweise in mein Werk Silenzi Luterani integriert habe.

Der Titel meiner Komposition verweist auf Pier Paolo Pasolinis 1975 entstandene und von der Tageszeitung Corriere della Sera wenige Monate vor seinem tragischen Ende veröffentlichte Lettere Luteriane (Lutherbriefe). In diesen Schriften prangerte der friulanische Autor den anthropologischen Wandel der Gesellschaft im von Korruption und Konformismus unterminierten christdemokratischen Italien an. Wie einst Luther litt auch Pasolini unter den Übeln seiner Zeit: Dem omnipräsenten und pädagogisch disputablen Fernsehen, den rechtswidrigen Geschäften der Machthaber, dem Konformismus der jungen Generation: „In Erwartung einer radikalen Reform wäre es besser, die allgemeine Schulpflicht und das Fernsehen abzuschaffen. Jeder weitere Tag ist für Schüler und Fernsehzuschauer schlichtweg fatal” (Lutherbriefe).

Als Gastmusiker wird mich bei diesem Projekt einer der vielseitigsten Saxofonisten Europas begleiten: Der aus Rom stammende Daniele Tittarelli, mit dem ich bereits mehrfach gemeinsam aufgetreten bin und für Parco della Musica Records die LP Seven Sketches in Music (MPR 069) aufgenommen habe.

Die Band besteht aus den besten Schülern des von mir geleiteten Fachbereichs Jazz am römischen Konservatorium Santa Cecilia: Vier von Daniela Troilo koordinierte und gänzlich frei arrangierte Frauenstimmen evozieren die typische Atmosphäre der Kathedralen Europas, deren Stille von der sakralen Klangdichte der Lutherischen Choräle durchdrungen wird. Eingerahmt wird der Gesang von einer ‚klassischen‘, zwischen Bach und Arvo Part angesiedelten Violine, sowie vom intensiven Rhythmus eines eindeutig jazzigen, metropolitan-hektischen Schlagzeugs.

In meine Melodien habe ich frei Fragmente aus Luthers Kompositionen sowie aus Texten des friulanischen Schriftstellers eingearbeitet. So enstand ein steter Wechsel zwischen extremer Klangfülle einerseits und jenem betroffenen Schweigen andererseits, das zwangsläufig dann eintritt, wenn alle Empörung nicht mehr ausreicht und die Hoffnung auf jenen Prozess in weite Ferne rückt, den sich Pasolini so sehnlich herbeigewünscht hatte: „…es muss ein Prozess wegen Hochverrats, Volksverachtung, Landschaftszerstörung , infamer Machenschaften und mafiöser Unterwanderung stattfinden…Geforderte Strafe? Erschießung, Zuchthaus, Geldstrafe von einer Lira (ein Strafmaß, das letztendlich jeden Bürger dieses Landes zufriedenstellen würde)”.

Paolo Damiani, September 2017  
Gegenwarten reformieren © Goethe-Institut Italien

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