Es war einmal…die Mauer

Berlin - Ecke Schönhauser, Die Legende von Paul und Paula, Ich war neunzehn Berlin - Ecke Schönhauser © Hans Adolf Baltzer 1957, Die Legende von Paul und Paula © Helmut Brade 1973, Ich war neunzehn © Werner Gottsmann 1967
5. – 28. Mai 2017
Palazzo delle Esposizioni – Filmsaal
Aufgang Treppe in der via Milano 9A, Rom
Originalversion mit itl. Untertiteln

Ein Projekt der Azienda Speciale Palaexpo und des Goethe-Instituts Rom in Zusammenarbeit mit der DEFA Stiftung

Der geteilte Himmel
Regie: Konrad Wolf. Ex-DDR, 1964, 116‘

Der Titel dieses bahnbrechenden, nach Christa Wolfs gleichnamiger Literaturvorlage entstandenen Mauerfilms verweist sowohl auf die psychologischen Barrieren zwischen den einzelnen Protagonisten, als auch auf die physische Grenze zwischen Ost- und Westdeutschland. Der Film wurde bei seinem Erscheinen mit Resnais-Duras‘ Hiroshima Mon Amour verglichen.
 
Ich war neunzehn
Regie: Konrad Wolf. Ex-DDR, 1968, 115′

Ein absolutes Meisterwerk des deutschen Films, erschütternde Kriegschronik und fesselnder Bildungsroman zugleich: Ein Soldat kehrt 1945 nach Berlin heim und steht einem ihm fremd gewordenen Volk gegenüber.
 
Die Mörder sind unter uns
Regie: Wolfgang Staudte. Ex-DDR, 1946, 81’

Ein Film, der zum Verständnis des deutschen Kinos nicht fehlen darf: Gedreht zwischen den Trümmern des unmittelbaren Nachkriegs-Berlins rechnet er mit der jüngsten Vergangenheit ab und stellt die peinliche Frage: „Und was ist aus den Nazis geworden?“.
 
Wer die Erde liebt
Regie: Uwe Belz, Jürgen Böttcher, Joachim Hellwig, Harry Hornig. Ex-DDR, 1973, 69’

Ein bizarres Woodstock des Ostens: Trotz ihrer propagandistischen Auslegung vermittelt diese offizielle Dokumentation über die Weltfestspiele der Jugend und Studenten die kulturelle Aufbruchsstimmung der damaligen Jugendbewegung.
 
Sabine Kleist, 7 Jahre
Regie: Helmut Dziuba. Ex-DDR, 1982, 72’

Das Berlin der frühen Achtziger Jahre aus der Sicht eines aus dem Waisenhaus geflohenen Mädchens.  Eine Initiationsreise, die emotiv packend und psychologisch sensibel die Widersprüche der Erwachsenenwelt enthüllt.
 
Der Dritte
Regie: Egon Günther. Ex-DDR, 1972, 107’

Der eklatanteste Bruch des ostdeutschen Kinos mit den herrschenden gesellschaftlichen Tabus: Nach zwei gescheiterten Ehen macht sich die Protagonistin auf die Suche nach dem dritten Gatten und lehnt sich so gegen die passive Rolle auf, die der Frau innerhalb der Zweierbeziehung traditionell obliegt.
 
Berlin - Ecke Schönhauser
Regie: Gerd Klein. Ex-DDR, 1957, 79‘

…denn sie wissen nicht, was sie tun made in DDR: Dieser vor dem Mauerbau entstandene Kultfilm verleiht Einblicke in die Gefühlswelt der Heranwachsenden zur Zeit des Kalten Krieges, in ihre innere Unruhe, Liebe, Rastlosigkeit und Rebellion. 
 
Die Spur der Steine
Regie: Frank Beyer. Ex-DDR, 1966, 129‘

Mit seiner unverblümten Darstellung der Spannungen zwischen den Arbeitern einer Baustelle und den verantwortlichen Funktionären löste dieser Streifen, ein wahres Highlight der ostdeutschen Kinoproduktion, bei seiner Erstaufführung einen Skandal aus und war wegen staatsfeindlicher Tendenzen 23 Jahre lang aus den Sälen verbannt.
 
Der schweigende Stern
Regie: Kurt Maetzig. Ex-DDR, 1969, 95’

Während einer Venusmission stößt die Besatzung eines Raumschiffs auf einen vom Krieg zerstörten und von monströsen Kreaturen bevölkerten Planeten. Das Drehbuch zu diesem Streifen, einem der berühmtesten Science-Fiction-Filme kommunistischer Produktion und heute ein wahres Kultobjekt, basiert auf einem Roman des Autors von Solaris.
 
Sieben Sommersprossen
Regie: Herrmann Zschoche. Ex-DDR, 1978, 79’

Während eines Sommerferienlagers verlieben sich zwei Jugendliche ineinander und sind mit dem Neid ihrer Altersgenossen und der Borniertheit der Erwachsenen konfrontiert. Die DDR-Ausgabe von La Boum – Die Fete zeichnet ein realistisches Portrait der Welt der Heranwachsenden in einer Zeit voller politischer und sozialer Spannungen.
 
Karla
Regie: Herrmann Zschoche. Ex-DDR, 1965-1990, 128’

Dieser Film, der jahrzehntelang von der Zensur unterschlagen und erst nach dem Mauerfall uraufgeführt wurde, erzählt die Geschichte einer jungen Lehrerin mit innovativen und unkonventionellen Unterrichtsmethoden, die aus dem Staatsdienst entlassen, jedoch von ihren Schülern geliebt wird.
 
Jakob, der Lügner
Regie: Frank Beyer. Ex-DDR, 1975, 100’

Ein poetisches Meisterwerk zum Thema Holocaust, das die Inspiration zu zahlreichen Folgefilmen, wie etwa dem amerikanischen Remake unter Mitwirkung Robin Williams’ oder Benignis La vita è bella (Das Leben ist schön) lieferte, und das als einziger DDR-Film für den Oscar nominiert wurde.
 
Solo Sunny
Regie: Konrad Wolf, Wolfgang Kohlhaase. Ex-DDR, 1980, 104’

Der letzte Film des Regisseurs Konrad Wolf, Symbolfigur des DDR-Kinos, erlangte einen Silbernen Bären für die Hauptdarstellerin Renate Krossner mit ihrer exzellenten Interpretation einer jungen Sängerin, die auf den Durchbruch in der Popmusikszene hofft und ein ungeregeltes Leben jenseits der Konventionen führt.
 
Coming out
Regie: Heiner Carow. Ex-DDR, 1989, 112’

Coming out, der als einziger DDR-Film zum Thema Homosexualität einen deutlichen Bruch mit den herrschenden Tabus darstellt, wurde am Abend des Mauerfalls erstmals ausgestrahlt. Preisträger des Silbernen Bären der Berliner Filmfestspiele, eröffnet dieser hochmoderne Streifen einzigartige Einblicke in die ostdeutsche Gay- und Undergroundszene.
 
Der Verdacht
Regie: Frank Beyer. Ex-DDR, 1990-91, 94’

Mit seiner Darstellung der schwierigen Liebesgeschichte zweier Jugendlicher und ihrer Konfrontation mit dem Regime, reflektiert Frank Beyer in seinem ersten Langfilm nach dem Mauerfall über die jüngste Vergangenheit seines Heimatlandes.
 
Die Beunruhigung
Regie: Lothar Warneke. Ex-DDR, 1981, 96’

Anhand der Ängste einer Frau, absolute Protagonistin der Handlung, beschäftigt sich dieses in Schwarzweiß und in dokumentarischem Stil realisierte Meisterwerk mit dem Thema Krebs, das – nicht nur in DDR – häufig als tabu gilt.
 
Die Mauer
Regie: Jürgen Böttcher. Ex-DDR, 1990, 96’

Die wohl gelungenste Dokumentation zum Fall der Mauer: Dieser weltweit ausgezeichnete Film ist ein eindrucksvoller Bericht über den Abriss des architektonischen Monstrums im Zentrum Berlins und zugleich ein Requiem für ein Land, das der Filmemacher und Maler Jürgen Böttcher gleichzeitig geliebt und gehasst hat.
 
Die Legende von Paul und Paula
Regie: Heiner Carow. Ex-DDR, 1973, 105’

Liebe, Leidenschaft, Lachen und Weinen sind die Zutaten zur wohl erfolgreichsten Filmproduktion der DEFA: Vor dem Hintergrund des jugendlichen Freiheittraums, zwischen Beatmusik, Ehebruch und Abkehr von der Vergangenheit, werden Paul und Paula von der Leidenschaft überwältigt.
 
Das Kaninchen bin ich
Regie: Kurt Maetzig. Ex-DDR, 1965, 114’

Der Titel dieses einst verbotenen und mittlerweile legendären Streifens wurde zum Überbegriff für alle von der Zensur blockierten Produktionen, die fortan als „Kaninchenfilme“ bezeichnet wurden. Mit seiner Kritik am Establishment, seinem Erotismus und den Stilmitteln des neuen europäischen Kinos stellt der Film ein absolutes Meisterwerk dar, das verdient wiederentdeckt zu werden.
 
Es werden ein paar Filme bleiben - Das war die DEFA
Regie: Ullrich Kasten. Ex-DDR, 1996, 90’

Mittels Beiträgen von Regisseuren und Schauspielern, Filmausschnitten und seltener Bilder zeichnet dieser Dokumentarfilm die spannende Geschichte der DEFA nach, die das Monopol der Filmproduktion in der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik innehatte.