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Berlinale Blogger 2018
Ode an die Jugend

Amiko
© Yoko Yamanaka

In Amiko portraitiert Yoko Yamanaka die Leidenschaftlichkeit und Verletzbarkeit eines 17-jährigen Mädchens. Das Filmdebüt öffnet die Grenzen des gegenwärtigen japanischen Films.
 

Mittwoch, 21. Februar, 18:45 Uhr:
Amiko feiert Europapremiere auf der Berlinale. Der Film wurde bereits 2017 in Japan  mit dem Zuschauerpreis auf dem PIA Filmfestival ausgezeichnet.  Er hat viel Aufmerksam auf sich gezogen, weil er der Debütfilm einer 20-Jährigen ist und gleichzeitig durch eine sehr einfallsreiche Inszenierung besticht. Der Film erinnert an  Sion Sonos Erstlingswerke bzw. genauer: an seinen dritten Film Fahrradseufzer (1989). Ihm haftet der Duft der Hachimiri-Filme aus den 80er Jahren an: das Experimentelle und gegen alle Regeln.
 
Es ist ein fantastischer Coming-of-Age-Film um die gleichnamige Protagonistin.  Amiko ist eine 17-jährige Abiurientin, die sich nach einem Spaziergang mit ihrem Klassenkameraden Aomi Hals über Kopf in denselben verliebt. Allerdings muss sie bald erkennen, dass diese Liebe einseitig ist und die Realität fern von ihren pubertären Mädchenfantasien entfernt liegt.  
 
Dabei lässt die Regisseurin den Zuschauer an den zynischen inneren Monologen der Protagonistin direkt teilhaben, was einen Stand-Up-Comedy Charakter hat und spiegelt Amikos innere Welt in der Äußeren wider. So trifft sie etwa in einer Szene auf der Straße auf einen Verrückten, der wahllos Passanten als Lügner beschimpft. Statt ihn zu ignorieren stimmt die Protagonistin kurzerhand mit in seine Flüche ein, in Gedanken jedoch natürlich bei den „schönen Worten“ Aomis, die bestimmt auch nur Lügen waren. Überhaupt ist Amiko alles andere als Regelkonform: sie widersetzt sich einer Mädchengruppen in ihrer Schule, folgt Aomi kurzerhand von Nagano nach Tokyo und setzt alles daran ihre Leidenschaften auch Realität werden zu lassen.
 


Auf der Berlinale kam dies gut an. Fast alle Zuschauer blieben für das anschließende Q&A mit der Regisseurin  - und in diesem Fall lohnte sich das auch, denn darin ließ Yamanaka einen ähnlichen Rebellionsgeist wie ihre Protagonistin erkennen: Anstelle sukzessiv die Filmschule zu besuchen, hatte sie für den Film eine Pause genommen und im Spirit eines echten Millennials  ihre Darsteller nicht auf herkömmliche Art, sondern tatsächlich durch Social-Media-Posts gecastet. So zeigt Yamanaka deutlich vor und hinter der Kamera, dass nicht alles regelkonform sein muss und man von Japans Filmjugend durchaus viel frischen Wind erwarten kann.

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