Die Zukunft der Alltagskultur - eine philosophische Annährung an Deutschland und Japan (Online-Gespräch) Wohnen in Deutschland und Japan

Studio GROSS © Studio GROSS

Fr. 09.04.2021
19 - 21 Uhr
Online-Gespräch (ZOOM)

Philosophische Wanderungen mit Prof. Shinji Kajitani und Gästen


Der Alltag bildet einen festen Bestandteil jedweder Kultur. Mit dieser Gesprächsreihe laden wir Experten aus den Bereichen des Essens, des Wohnens und der Mobilität aus Deutschland und Japan ein, kulturelle und gesellschaftliche Aspekte dieser Themen auf philosophischer Ebene zu diskutieren. Die Gesprächsreihe will keine einfachen Antworten geben, sondern sich mit Unterstützung von Expert*innen des Denkens sowohl der Vergangenheit als auch aktuellen Trends annähern, um Anregungen und Hinweise für unsere Zukunft zu finden. Der Prozess des Denkens wird so zur Triebfeder neuer gedanklicher Entdeckungen.

Die Leitung der dreiteiligen Gesprächsreihe hat Professor Shinji Kajitani inne, Direktor des Internationalen Zentrums für Philosophie an der Universität Tokio.
 
Folge 2   Wohnen in Deutschland und Japan
               -  Anne und Sebastian Gross zu Gast

Nachdem wir uns in Folge 1 der dreiteiligen philosophischen Gesprächsreihe mit der "Kultur des Essens in Deutschland und Japan" beschäftigten, thematisiert Folge 2 das "Wohnen in Deutschland und Japan". Zu Gast sind Anne und Sebastian Groß, ein Architektenpaar aus Berlin, das seit einigen Jahren in Tokio lebt. 
 
Nicht etwa in mondänen Tokioter Vierteln, wie Aoyama oder Omotesando, oder im hippen Nakameguro, sondern in einer Einkaufsstraße im alten Teil Tokios, im Stadtteil Arakawa, haben sich Anne und Sebastian ihr Studio eingerichtet. Kleine Läden und Betriebe sowie Einfamilienhäuser prägen das Stadtbild. Noch immer gibt es dort viele öffentliche Bäder, in denen man nicht einfach nur badet, sondern auch tägliche Wäsche erledigt und Kontakt mit seinen Mitmenschen pflegt. Es ist ein Stadtteil von Tokio, in dem Arbeit und Leben eng miteinander verbunden sind. Die Straßen stecken voller Leben, Kinder bis Senioren, Männer und Frauen von unterschiedlichen Berufen gehen hier ihrem Alltag nach. Anne und Sebastian sind Teil dieser Gemeinschaft. Sie arbeiten dort, beteiligen sich an der Organisation der Einkaufsstraße, zahlen einen Mitgliedsbeitrag und öffnen manchmal ihr Studio als Galerie, um Künstler und Anwohner miteinander zu verbinden. Ihren Aktivitäten gehen sie seit Ende 2019 nach. Aller Schwierigkeiten zum Trotz konnte die Corona-Lage die Beiden um so mehr in ihre Nachbarschaft integrieren und hat ihnen sogar lokale Sanierungsprojekte bereitet. 
 
Was unterscheidet ihr Wohnen in Berlin von dem in Tokio? In Berlin haben sie, wie die meisten Berliner*innen, in einer Wohnung zur Miete gelebt. Jetzt in Tokio haben sie einen kleinen, lange leer gestandenen Eckladen mit Wohnmöglichkeit gefunden, saniert und nach eigenem Geschmack eingerichtet, wo sie nun mit ihrem kleinen Sohn wohnen und auch arbeiten. Wenn man die Stadt mit den Augen der Beiden erlebt, gibt es sicher auch für uns Japaner*innen viele neue Entdeckungen. Mit Schlüsselwörtern wie "Machi-Koba (kleine Fabriken)", "Koban (kleine Polizeiwache)", "Sento (öffentliches Bad)" und "Shotengai (Einkaufsstraße)" werden wir die Innenstadt von Tokio neu entdecken.

Im Vorfeld des Vortrags nahm Herr Professor Kajitani, der selbst in Berlin studiert und gelebt hat, die Gelegenheit wahr, sich zusammen mit den beiden Architekten auf einen Spaziergang durch den Stadtteil zu machen. Im Laufe des Gesprächs sollen Ausschnitte gezeigt und Eindrücke, die dabei gewonnen wurden geteilt werden. Während des Gespräches können Zuschauer*innen ihre Fragen gerne in den Chat-Raum schreiben.

Anne und Sebastian Gross © Studio GROSS Anne und Sebastian Groß, Architekten aus Berlin, z.Z. in Tokio. Neben ihrer praktischen und wissenschaftlichen Arbeit sind sie in den Bereichen Film, Fotografie, Illustration und als Kuratoren tätig. Aufgrund der steigenden Nachfrage ihrer interkulturellen Erfahrung als Deutsche in Japan, gründeten sie 2019 Studio GROSS.
Ihr Studio: ein kleiner Eckladen in einem leerstehenden Haus (Akiya), der nach einigen Renovierungsarbeiten Raum bietet zum Wohnen, Arbeiten und für die Öffentlichkeit.
Ihre Vision: ein Experimentierfeld für Architektur und Stadt schaffen. Ein Ort, an dem sie sowohl der lokalen Nachbarschaft als auch einem Fachpublikum Inhalte präsentieren, die sich mit der Leerstandsproblematik Tokios befassen und alternative Nutzungskonzepte aufzeigen.
Zugleich rahmt Anne die Arbeit des Studios mit den Schriften von Lucius Burckhardt. Der Begründer der  ‘Spaziergangswissenschaft’ beschäftigte sich Zeit seines Lebens mit der Wahrnehmung von Stadt und stand für eine alternative Lesart von Landschaft und Stadtraum sowie einer neuen Vision von Architektur und Stadtplanung.

Prof. Shinji Kajitani © Kyoichi Shinji Kajitani, Direktor des Internationalen Zentrums für Philosophie an der Universität Tokio, hat Gäste aus verschiedenen Disziplinen zum Gespräch eingeladen, um den Zuhörer*innen Gelegenheit zu geben, neu über Alltagsfragen nachzudenken. Neben seiner Tätigkeit an der Universität arbeitet er mit Menschen unterschiedlicher sozialer Hintergründe zusammen. 
 

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