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Freiräume in Skopje

Dreharbeit im Museum für zeitgenösische Kunst in Skopje
© Josephine Michau

Am späten Nachmittag erwacht der Bazar von Skopje, Schuster und Juweliere öffnen ihre Buden, in den Grillrestaurants drehen sich die Fleischspieße. Der Bazar aus ottomanischer Zeit überstand die beiden Katastrophen, die das Stadtbild von Skopje bis heute prägen. Das Erdbeben von 1963 und das gigantomanische Umbauprojekt Skopje 2014.


Der damalige Ministerpräsident Nikola Gruevski, der inzwischen wegen Korruption verurteilt wurde und nach Ungarn floh, verwandelte die Stadt in eine neoklassizistische Kulisse. Dazu gehört ein Reiterstandbild von Alexander dem Großen, eine Siegessäule, ein kleines Brandenburger Tor und ein Triumphbogen. An manchen Fassaden sind noch die bunten Farbklekse zu sehen, mit denen die Bewohner von Skopje gegen die Verkitschung ihrer Stadt protestierten. Die Colourful Revolution war der erste massive Protest in dem noch jungen Staat, erzählt die Kunststudentin Tijana-Ana Spasovska von der Kulturinitiative Kontrapunkt.
 
TAKE 2: 52196 Tijana-Ana Spasovska : The people were throwing balls with paint…. Die Menschen haben Farbbeutel auf die neuen Denkmäler geworfen. Es war eine friedliche Art des Protestes, nicht mit Gewehren, nicht mit Waffen, nicht mit Steinen, sondern mit Farben. Trotzdem war es ein Protest, weil wir nicht wollten, dass unsere Steuergelder für solchen Unfug verschwendet werden. Our tax-money to be spent on this nonsense.

Die Gründerin von Kontrapunkt, einer der Partnerorganisationen des Goethe-Instituts, ist die Philosophin Iskra Geshoska.  Sie sieht in Mazedonien auch jetzt den künstlerischen Freiraum durch die Wiederkehr autoritärer Herrschaftsformen bedroht.

TAKE 3 Iskra Geshoska: Everything is functioning, everything is okay…. Alles funktioniert, alles ist okay. Aber der Staat löst sich von innen auf. Im Inneren kann man den Druck der politischen Elite spüren, egal ob sie zur Rechten oder zur Linken gehört. Sie haben keine politische Kultur, sondern sie verfolgen eigene Interessen, die vor allem kriminelle Interessen sind. Politiker benehmen sich wie Kriminelle und deshalb müssen sie autoritäre Strategien anwenden, wie zum Beispiel die Unterdrückung der Medien, aber es wird nicht offen ausgesprochen. It is not explicit.

Weil das Los des Goethe-Instituts entschied, bildet die mazedonische Initiative Kontrapunkt jetzt ein Tandem mit dem Architektur Festival von Kopenhagen. Deshalb dokumentieren die beiden dänischen Architekturspezialistinnen Signe Sophie Boggild und Josephine Michau in ihrem Film das Projekt Skopje 2014. Aus Kopenhagen kannten die Däninnen Parallelen, sagt Signe Sophie Boggild.

TAKE 4: Signe Sophie Boggild: Now we have a big evaluation of specially housing from the period… Im Moment werden gerade die Wohngebäude aus den fünfziger bis siebziger Jahren überdacht. Die Regierung hat so genannte Ghettoprogramme aufgelegt, bei denen viele Häuser abgerissen werden. Auf der einen Seite gibt es den Versuch, das Erbe des Wohlfahrtsstaates zu bewahren. Auf der anderen Seite verschwindet der soziale Wohnungsbau. To get rid of the social housing.
Die Bewohner von Skopje konnten immerhin ihr altes Einkaufszentrum vor der Umwandlung bewahren,  indem sie es mit einer Menschenkette schützten. In ganz Europa, sagt Josephine Michau, gewinnen die Stadtzentren neue Bedeutung.

TAKE 5: Josephine Michau: The city is dear to the people…. Die Stadt ist  kostbar für die Menschen. Das sehen wir in dem Film über Skopje. Die Leute sprechen davon, dass die Stadt vergewaltigt wurde, dass ihnen übel wird, wenn sie durch das Zentrum laufen und es nicht mehr wieder erkennen. Einen solchen radikalen Wandel haben wir nicht. We don’t have such a radical change.

Mazedonien hofft auf die EU, im Sommer beginnen die Beitrittsverhandlungen. Aber Korruption und Vetternwirtschaft vertreiben die gut ausgebildete junge Generation. Schmerzhaft für ein Land mit nur 2 Millionen Einwohnern. Für das Freiraum – Projekt, das den Dialog zwischen zwei Städten initiieren soll, porträtierte der Regisseur Vladimir Jankovski mazedonische Emigranten in Kopenhagen. Während ihr Land versucht, eine neue Identität aus der Vergangenheit zu erschaffen, sagen die Auswanderer in dem Film: unsere Identität ist fließend. Auch wenn der Zufall über die Partnerschaft zwischen den Kulturinitiativen aus Skopje und Kopenhagen entschied, so ergänzen sich ihre Geschichten doch. Gerade weil die Kombination nicht auf der Hand lag,  sagt Iskra Geshoska, war die Zusammenarbeit so reizvoll.

TAKE 6: Iskra Geshoska:  Zuerst sind wir zurück gezuckt. Aber wir hatten keine Wahl. Und dann wurde es richtig spannend. Denn wir mussten über den Tellerrand schauen. We should step out from our box.

Über tausend Kilometer liegen zwischen den beiden Kooperationspartnern - das war die Bedingung. Aber das Projekt des Goethe-Instituts zeigt: es braucht nur einen kleinen Anstoß, um die Verständigung herzustellen. Da ist die Kunst der Politik weit voraus.
 

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