Zirkulare Wirtschaft
Stadt ohne Müll

Green Circle in the park
© Unsplash, CC0

Menschen in modernen Städten leben heute in mancher Hinsicht immer noch genauso wie vor hundert, zweihundert oder dreihundert Jahren: Sie nehmen sich, was sie können, produzieren, was sie brauchen und schmeißen den Rest weg. Und daran trägt nicht unbedingt der*die Einzelne die Schuld – sondern das Wirtschaftssystem, in dem wir leben.

Von Natalja Boldyrewa und Ekaterina Egorowa

Städte brauchen Ressourcen und einen Platz für Müll

Erstmals in der Geschichte der Menschheit wohnt die Hälfte der Erdbevölkerung in Städten und Prognosen zufolge werden es in 30 Jahren bereits 70% aller Menschen sein. Die Städte sind zu innovativen, kreativen und industriellen Zentren geworden. 85% des Bruttoinlandsprodukts – all dessen also, was die jeweiligen Länder produzieren – wird in Städten erzielt.

Diese Maßstäbe zu bewahren, ist nicht leicht, denn Städte
  • verbrauchen 75% der weltweiten Ressourcen,
  • produzieren die Hälfte des Mülls auf der Erde
  • und sind verantwortlich für 70% des gesamten Treibhausgases.

Das klingt nach diesen typischen, ungeheuerlichen Zahlen, die gerne von Autor*innen angeführt werden, die über Umweltthemen schreiben. Aber schauen wir uns doch einmal an, was sich hinter ihnen verbirgt.

Der unkontrollierte Verbrauch von Ressourcen führt dazu, dass diese Ressourcen teurer werden. So reichen zum Beispiel in Russland die bekannten Erdölvorhaben noch für 35 Jahre. Wenn man das schwer abbaubare Erdöl nicht miteinrechnet, sogar nur noch für 20 Jahre. Alle bislang erschlossenen Fundorte sind offen, also weicht man auf weiter entfernte Teile des Landes aus, sodass der Erdöl-Abbau sich als schwieriger und teurer gestaltet.

Die Klimaerwärmung beeinflusst zum Beispiel auch die Landwirtschaft: ein regenarmer Sommer führt zu Missernten, steigenden Lebensmittelpreisen und Hungersnöten.

Eine weitere Herausforderung ist die Abfallentsorgung. Der größte Teil des Müll landet in Mülldeponien. Davon gibt es etwa in Russland 14.000, und deren Gesamtfläche ist so groß wie vier Exemplare eines vollständig mit Müll bedeckten Zyperns. Die Deponien wachsen mit einer solchen Geschwindigkeit, dass wir sie eines Morgens wohl unter dem Fenster unserer Wohnung vorfinden werden. Der Ausstoß von Treibhausgas oder CO2 führt zur globalen Erderwärmung, wodurch sich das Klima verändert, die Wüsten größer werden und Naturkatastrophen entstehen. Manche Menschen verstehen unter globaler Erderwärmung, dass man im Winter einfach auf die Filzstiefel verzichten könnte - doch die Sache ist wesentlich komplizierter. Die Klimaerwärmung beeinflusst zum Beispiel auch die Landwirtschaft: ein regenarmer Sommer führt zu Missernten, steigenden Lebensmittelpreisen und Hungersnöten. Im Rahmen des Pariser Klimaabkommens haben sich 195 Staaten dazu verpflichtet, ihren CO2-Ausstoß zu reduzieren. Das ist notwendig, um die globale Erderwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts um nicht mehr als 1,5 Grad ansteigen zu lassen. Wenn nichts unternommen wird, könnte sich bis dahin die Erde um bis zu 5 Grad erwärmen.

Bei alledem gibt es ein Problem – die Suche nach den Schuldigen. Der Staat kann argumentieren, dass die Bürger*innen an der enormen Müllproduktion schuld sind: „Mensch, wenn ihr nur weniger Müll verursachen würdet, wäre doch alles gut!“ Oder die Unternehmen, die nicht dazu bereit sind, umweltfreundlichere Verpackungen zu verwenden oder andere Zugeständnisse zu machen. Doch die Schuld daran, dass wir geringe Ressourcen und übermäßig viel Müll haben, tragen weder die Normalverbraucher*innen noch einzelne Unternehmen. Sondern problematisch ist, dass das Leben in modernen Städten heute in mancher Hinsicht noch genauso abläuft wie das vor hundert, zweihundert oder dreihundert Jahren.

Moderne Städte funktionieren nach dem Prinzip „Nehmen → Machen → Wegschmeißen“

Die revolutionäre Erfindung des Dampfmotors zu Beginn der Industrialisierung befähigte den Menschen zur Produktion von allen möglichen Dingen. Rohstoffe und Energie schienen in unendlicher Menge vorhanden zu sein und Waren wurden erstmals in der Menschheitsgeschichte in Serie hergestellt.

Mit der industriellen Revolution nahm auch die Geschwindigkeit allen anderen Fortschritts stetig zu. Die Menschen bekamen Zugang zu einer Vielzahl an nützlichen (Alltags-)Dingen, wodurch das Niveau ihres Komforts in einem Maße anstieg, das noch wenige Jahrzehnte zuvor unvorstellbar gewesen war.

In Hinblick auf unseren Umgang mit Ressourcen sind wir in einer längst vergangenen Zeit stehengeblieben. Unser Wirtschaftssystem ist im Rahmen der industriellen Revolution entstanden und hat sich seither kaum verändert. Nach wie vor verbindet die Wirtschaft Produktion, Distribution, Austausch und Abnahme von Waren miteinander und findet Antworten auf die Fragen, was, wie und für wen produziert wird.

Und wie früher ist die moderne Wirtschaft linear aufgebaut, nämlich nach dem Prinzip „Nehmen → Machen → Wegschmeißen“:

Lineares Modell
Lineares Modell | © Moscow Circular

Text im Bild oben: Lineare Wirtschaft
Von links nach rechts: Ressourcen / Rohstoffe / Herstellung / Verkauf / Nutzung / Verbrennen oder Deponie

In diesem System produzieren die Menschen jährlich 93 Milliarden Tonnen Ressourcen. Zum Beispiel durch

  • den Abbau von Bodenschätzen
  • Erdölförderung
  • das Abholzen von Wäldern für die Holzwirtschaft
  • die Aufbereitung von Böden als landwirtschaftliche Nutzflächen

Nach ihrer Gewinnung werden die Ressourcen in die Aufbereitung gegeben: aus Rüben wird Zucker gemacht, aus Kalkstein Zement und Erz wird zu Metall verarbeitet. Aus alldem entstehen fertige Produkte, die auf die Bedürfnisse der Gesellschaft zugeschnitten sind: aus Metall, Plastik und Glas werden Autos hergestellt, aus Textilien Kleidung und mit Ziegelsteinen werden Häuser errichtet.

Wenn Dinge verbraucht sind, werden sie weggeschmissen. Das können Baumaterialien nach dem Abriss von Häusern sein, Kopfhörer, bei denen eine Seite nicht mehr funktioniert oder ein Pullover mit Loch in einem Ärmel – all das landet auf eienr der zahlreichen Mülldeponien.

  • Hierbei entstehender Müll: 20 Milliarden Tonnen im Jahr.
  • Dabei nicht eingerechnet ist der Müll, der direkt in die Umwelt geht, nämlich 52 Milliarden Tonnen jährlich.

Darüber hinaus fällt Müll im Zuge des Produktionsprozesses an. So wiegt ein Mobiltelefon zwar nur etwa 150–300 Gramm, doch bei seiner Produktion entstehen 80 Kilogramm Müll.

Die Menschen verbrauchen derartig viele Ressourcen, Produktionsgüter und Platz auf den Deponien, dass wir bald eine Fläche benötigen würden, die 1,7x der Erdfläche entspricht, um alle Bedürfnisse von Verbraucher*innen zu erfüllen. Im Prinzip brauchen wir noch einen weiteren Planeten.

Die Städte könnten Müll auch als Ressource sehen

Steigende Bedürfnisse nach Ressourcen und wachsende Müllberge sind die Folgen von Entscheidungen, auf deren Basis das Leben in Städten aufgebaut ist. Wir haben alles vom Wolkenkratzer bis zur Brötchentüte so geplant, dass es sich nach seiner Verwendung auf der Mülldeponie wiederfindet.

Müll ist ein Planungsfehler, ein Defekt im Design der Dinge.

Die Menschen denken oft, dass eine solche Menge an Müll entsteht, weil die Bevölkerung der Erde nach wie vor wächst, und damit auch ihre Bedürfnisse wachsen. Doch Müll ist ein Planungsfehler, ein Defekt im Design der Dinge. Und hier meint Design nicht nur die äußere Form, sondern vielmehr die Frage danach, wie jede einzelne Sache funktioniert und was nach ihrem Verbrauch mit ihr geschieht.

Wir haben von Anfang an Produkte nach dem linearen Schema „Nehmen → Machen → Wegschmeißen“ hergestellt und Müll ist ein unvermeidliches Produkt dieses Systems.

Die Funktionalität des linearem Systems war durch eine geringere Population, mehr Ressourcen und eine relativ unproblematische Müllentsorgung in der Natur bedingt. Mit dem Bevölkerungsanstieg auf der Erde, der angestiegenen Nutzungsgeschwindigkeit und der industriellen Entwicklung führt die lineare Wirtschaft jedoch zu Problemen.

Wenn im linearen System Müll weiterhin Müll bleibt, so kann dieser in der Kreislaufwirtschaft zurück ins System gebracht werden, um neue Waren und Dienstleistungen zu generieren.

Auf das lineare System folgt das der Kreislaufwirtschaft, auch bezeichnet als geschlossenes Kreislaufsystem. Wie sich aus dem Namen schließen lässt, wird das gewohnte lineare System nun im Kreis betrieben und das Ende wird zum Anfang des nächsten Kreises. Wenn im linearen System Müll weiterhin Müll bleibt, so kann dieser in der Kreislaufwirtschaft zurück ins System gebracht werden, um neue Waren und Dienstleistungen zu generieren.

Die Kreislaufwirtschaft funktioniert wie die Zyklen in der Natur: alles, dessen Leben endet, dient dem Anfang eines neuen Lebens. Stellt es euch wie einen Wald vor, in dem Pflanzen und Tiere sterben, zu Humus werden und andere Organismen damit ernähren.

In einer Wirtschaft mit geschlossenem Kreislaufsystem werden Dinge so lange wie möglich genutzt. Vorab wird bedacht, wie sich ein Gegenstand reparieren, wiederverwenden oder zu etwas Neuem recyceln lässt. Und wenn man etwas wirklich nicht weiterverwenden kann, muss es so konzipiert sein, dass es sich problemlos zersetzt. Also grob gesagt: alles mögliche verwenden, danach neue Dinge daraus machen oder es auf sichere Art und Weise entsorgen.

Leider existieren aktuell in der globalen Wirtschaft 93 Milliarden Tonnen Ressourcen, aber nur 8 Milliarden davon sind keine neuen, sondern zyklische Ressourcen. Das macht nicht mehr als 9% aus, was bedeutet, dass unsere Welt eine lineare Welt ist.

Das aber ließe sich mithilfe der Kreislaufwirtschaft erreichen:

Kreislaufmodell
Kreislaufmodell | © Moscow Circular

Text im Bild oben: Kreislaufwirtschaft
Obere Reihe von links nach rechts: Biozyklus / Recycling / Rückführung / wiederholte Nutzung / Pflege und Reparatur
Untere Reihe von links nach rechts: Ressourcen / Rohstoffe / Produktion / Verkauf / Nutzung / Verbrennen oder Deponie

Auf der Ebene der Kreislaufwirtschaft sind angesiedelt:

Wiederholte Nutzung – es wird festgelegt, ob ein Gegenstand noch weiter genutzt werden kann. Man kann Dinge, die bereits hergestellt wurden, weiterverwenden, doch in der Kreislaufwirtschaft werden Produkte von Beginn an so entwickelt, dass sie mehrfach eingesetzt werden können. So zum Beispiel beim Repack Project – einer mehrfach verwendbaren Verpackung, in der Waren in die ganze Welt verschickt werden können. Man bekommt also ein Paket, gibt die Packung zurück, diese wird in Ordnung gebracht und das nächste Produkt geht darin auf die Reise zum*zur Verbraucher*in.

Reparatur – eine Verlängerung der Nutzungsdauer von Dingen. Repariert wird alles: von Schuhen bis hin zu Bürogebäuden. Eine achtsame Nutzung von Dingen, Prophylaxe und ein pfleglicher Umgang sind ebenfalls auf der Ebene der Reparatur angesiedelt. So nimmt beispielsweise IKEA in Russland alte Möbel zurück, repariert sie und verkauft sie in einem Extra-Bereich preisreduziert weiter. Menschen, die ihre Möbel zu IKEA bringen und nicht entsorgen, bekommen einen Teil ihres Werts ausgezahlt. Und IKEA Schweden hat eine eigene Geschäftsstelle eröffnet, in der reparierte Möbel verkauft werden.

Rückführung – auf dieser Ebene schaut man sich an, ob sich eine Sache so aufbereiten lässt, dass man sie weiter benutzen kann. Ein bekanntes Beispiel sind überholte iPhones. Wenn ein Telefon kaputt gegangen ist, lange im Lager oder in der Vitrine lag, holt die Firma Apple es ab und schickt es in ihr Werk, wo das Telefon so wiederhergestellt wird, dass es von seinem Zustand her neuwertig ist. Danach wird das iPhone preisreduziert verkauft.

Recycling – wenn sich ein Produkt nicht mehr in der Form verwenden lässt, in der es produziert wurde, kann man es recyceln lassen. So gibt es zum Beispiel in Amsterdam Restaurants, die Essensüberreste in Biogas umwandeln, womit sie später ihre Gerichte zubereiten. Aus vielen Gegenständen kann man andere Dinge machen und ihnen somit einen erneuten Lebenszyklus ermöglichen. Aber nicht alles lässt sich in dieser Form aufbereiten. So bestehen etwa Mobiltelefone zur Hälfte aus Materialien, die sich nicht recyceln lassen. Auch ist Recyceln fast wie eine erneute Herstellung: teuer und mit viel Aufwand verbunden. Deshalb steht auch das Recycling-System an letzter Stelle – wichtiger ist es, Dinge so lange wie möglich zu verwenden.

Städte mit geschlossenem Kreislaufsystem werden schon gebaut

Wir haben nicht zufällig Amsterdam als Beispiel genannt, denn diese Stadt hat schon jetzt viel mehr geleistet als andere, um vor Ort eine Kreislaufwirtschaft aufzubauen. Alles hat damit begonnen, dass sie sich des Problems bewusst wurde. In den letzten dreihundert Jahren ist die Bevölkerung Amsterdams auf das Sechsfache angewachsen. Dieses Wachstum setzt sich weiter fort: 2017 lebten noch 855.000 Menschen in der Stadt, doch bis 2030 könnten es schon eine ganze Million sein.

Dieses Bevölkerungswachstum erfordert, dass alle Menschen mit den lebensnotwendigen Dingen versorgt werden:

Nahrung. Städte machen nur 2% der Erdoberfläche aus und sind bislang nicht in der Lage, die Nahrungsmittel für ihre Bürger*innen selbst herzustellen. Ein großer Teil der Lebensmittel wird aus landwirtschaftlichen Regionen, oftmals auch aus dem Ausland, geliefert. Gleichzeitig macht unser Ernährungsbedarf 23% der weltweiten Ressourcen aus. Das sind 22 Milliarden Tonnen im Jahr oder 8 kg pro Mensch pro Tag. Denn es geht gar nicht um die Menge an Essen, die wir benötigen. Sondern vielmehr darum, dass die Herstellung von Fleisch- und Milchprodukten im Vergleich zum eigentlichen Produkt das Zehnfache an Ressourcen verschlingt, wobei 30% aller Rohstoffe für Lebensmittel vergeblich hergestellt werden.

Wohnraum. Rund um die Menschen ist die städtische Infrastruktur aufgebaut: die Straßen, auf denen wir uns bewegen und die Häuser, in denen wir wohnen. Die Urbanisierung vollzieht sich schnell und deshalb werden immer mehr Baumaterialien benötigt. Wohnen und Infrastruktur bilden den Bedarfsbereich der Gesellschaft, der die meisten Ressourcen verschlingt: 45% aller benötigten Ressourcen der Welt gehen hierauf zurück. Das sind mehr als 40 Milliarden Tonnen im Jahr, oder etwa 16 kg pro Mensch pro Tag. Wenn Gebäude wieder abgerissen werden, landen die Materialien auf der Mülldeponie.

Gute Bedingungen zur Fortbewegung. Die Menschen müssen zur Arbeit und von der Arbeit nach Hause, sie möchten zu Freund*innen, ins Fitnesscenter und zum Einkaufen. Jährlich werden 13% aller verbrauchten Ressourcen in den Bereich Fortbewegung investiert – das sind mehr als 20 Milliarden Tonnen und etwa 2600 kg pro Mensch pro Jahr. In diese Kilogrammzahl sind Brennstoffe, Metall und andere Materialien für Kraftfahrzeuge, Züge und Busse mit eingerechnet.

Amsterdam ist die weltweit erste Stadt, in der ein Plan für den Übergang zur Kreislaufwirtschaft ausgearbeitet wird. Da man hier nicht auf die Erfahrung anderer Städte zurückgreifen konnte, wurde in Amsterdam entschieden, den Plan nach dem Prinzip „Learning by doing“ zu erstellen. In der Stadt werden also Experimente, Innovationen und Wissensvermittlung unterstützt, die den Aufbau der zukünftigen Kreislaufstadt fördern.

In Amsterdam soll etappenweise bis zum Jahr 2050 vollständig zur Kreislaufwirtschaft übergehen. Wichtig ist, dass Staat, Unternehmen und Bürger*innen gemeinsame Anstrengungen leisten. Zum Beispiel:

Der Staat Unternehmen Bürger*innen
führt Steuererleichterungen und Fördergelder für umweltbewusste Unternehmen ein eröffnen Betriebe zu günstigen Konditionen verwenden Waren und nutzen Dienste dieser Unternehmen
gibt Subventionen für die Installation von Solarzellen auf Häuserdächern installieren Solarzellen auf den Dächern von Restaurants, Bürogebäuden und Wohnhäusern verzichten beim Kochen auf die Verwendung von Gas
stellt in der Stadt Container für die Mülltrennung bereit sind in ihren Betrieben offen für die Trennung und Aufbereitung von Müll trennen den Hausmüll und bringen ihn anschließend zu den entsprechenden Tonnen
  verwenden Recyclingprodukte in ihrer Arbeit. Baufirmen zum Beispiel verwenden recycelten Beton und entsprechende Ziegel.  

Dennoch beginnt der Aufbau einer Kreislaufwirtschaft mit dem Staat und den Unternehmen und wird von den Bürger*innen der Stadt weitergetragen. Was Staat und Unternehmen tun können, zeigt sich am Beispiel von Amsterdam:

  • die städtische Infrastruktur untersuchen und festlegen, was sich nach Reparatur oder Abriss weiternutzen lässt. Sich Gedanken um das Potential und die Nutzungsmöglichkeiten machen und dadurch eine Basis für die Zukunft schaffen
  • damit beginnen, Produkte wiederzuverwenden. Zum Beispiel qualitativ hochwertiges Holz nochmals zu verwenden, gemeinsam mit Geschäften Sammelpunkte für Gebrauchsgüter einzurichten und damit die Menge des anfallenden Mülls sowie der Rohstoffe für neue Produkte zu begrenzen
  • neue Wohnungen, Büros und Gebäude zu bauen, die sich in Städte nach dem Kreislaufmodell einfügen. Etwa aus Second Hand-Ziegeln erbaute Gebäude
  • Möbel nach dem Kreislaufmodell einkaufen. Das funktioniert folgendermaßen: man kauft keine neuen Möbel, solange die alten noch verwendbar sind. Wenn man wirklich neue Möbel braucht, nimmt die liefernde Firma die alten mit und entscheidet, ob sie sich für eine weitere Verwendung eignen, repariert werden können oder ob ihr Lebenszyklus abgeschlossen ist
  • Nahrungsmittelreste am Ende des Tages in Cafés und Supermärkten mit einem gutem Rabatt weiterverkaufen, Müll kompostieren, aus dem Überschuss an Essen, das bei den Lieferant*innen verbleibt, Gerichte zubereiten;
  • heimische Produkte verwenden und sich um Müllvermeidung bemühen.

Die Kreislaufwirtschaft zahlt sich für Staat, Unternehmen und Bürger*innen aus

Ein Leben in der Kreislaufwirtschaft löst Umweltprobleme und trägt zum Wohl und zur Sicherheit der Städte bei. Davon profitieren:

der Staat. In der Europäischen Union hat man berechnet, dass die Kreislaufwirtschaft das Bundesinlandsprodukt schon bis zum Jahr 2030 um 1,8 Trillionen Euro steigern kann.

die Unternehmen. Durch die Zyklen von mehrfacher Verwendung, Verarbeitung, Reparatur und Recycling werden finanzielle Aufwendungen der Unternehmen geringer, entstehen neue Geschäftsangebote und Einnahmemöglichkeiten.

die Bürger*innen. Um defekte Erzeugnisse zu reparieren und die Infrastruktur neuer Städte aufzubauen, braucht es Menschen. Auf jede Kilotonne Elektronik, die zur Deponie gebracht wird, kommt ein Mensch. Wenn man das alles aber recyceln würde, würden 50 Arbeitsplätze entstehen - wenn man es reparieren würde, sogar 200!

alle. In der Kreislaufwirtschaft werden Produkte und Dienstleistungen so geplant, dass die Materialien mehrfach genutzt und recycelt werden können. Dadurch verringert sich das Müllaufkommen und das bedeutet wiederum, dass die Städte sauberer und lebenswerter werden.

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