Max Lawton
2026
Jurybegründung
Die Jury des Helen & Kurt Wolff Übersetzerpreises freut sich, den Preis für das Jahr 2026 an Max Lawton für seine Übersetzung von Schattenfroh von Michael Lentz zu vergeben, erschienen bei Deep Vellum. Lentz’ über tausendseitiges Werk beginnt mit den Worten: „Man nennt es schreiben“. Erzähler dieser metafiktionalen Odyssee durch nichtlineare Zeit und multiple Dimensionen – von zweidimensionalen Welten in Karten und Gemälden über eine dreidimensionale „Zelle“ bis hin zu einer Swift’schen vierten Dimension – ist Nobody, eine Chiffre, die gefangen gehalten und von einer bedrohlichen, doch ebenso immateriellen Präsenz namens Schattenfroh zum Schreiben gezwungen wird. Der beeindruckende Text, verfasst in „kargem, doch extravagantem Deutsch“ (NYRB), ist abwechselnd illusorisch, anspielungsreich und schwer fassbar, und Lawtons sichere Übersetzung ist im wahrsten Sinne des Wortes kreativ: „unübersetzbare“ Begriffe und Bildwelten lassen Neologismen und Metaphern entstehen, die trotz ihrer Abstrusität nicht weniger eindringlich sind. Die Aufgabe des Übersetzers, unzählige Anspielungen aufzuspüren – von den bekannten (Kafka) bis zu den obskuren (Harsdörffer) – und Geheimnisse zu entschlüsseln, ist enorm, doch Lawton meistert diese Aufgabe mit Bravour – und sichtlichem Vergnügen. Die Erzählstimme wechselt häufig – bisweilen geradezu rasend – zwischen archaischen Formen, Umgangssprache und Dialekt, Märchen, christlichen oder kabbalistischen Beschwörungsformeln, Grübeleien oder derben Witzen, ja sogar ergreifenden Momenten, und die Jury bewunderte Lawtons Geschick, jeden Nuancenwechsel einzufangen. Max Lawtons prometheische Übersetzung erweckt Lentz’ außergewöhnliches literarisches Experiment für englischsprachige Leser auf der ganzen Welt zum Leben. Man nennt es Übersetzen.
DIE JURY
Shelley Frisch, Princeton, NJ (Vorsitzende der Jury)Elisabeth Lauffer, Hannacroix, NY
Philip Boehm, Houston, TX
Über Max Lawton
Max Lawton ist Schriftsteller, Musiker und Übersetzer. Derzeit arbeitet er eng mit Vladimir Sorokin zusammen, um dessen gesamte bisher nicht übersetzte Werke auf Englisch zu veröffentlichen. Max arbeitet derzeit auch an Übersetzungen von Werken von Antonio Moresco, Stefano D’Arrigo, Alberto Laiseca, Fjodor Dostojewski, Eduard Limonow, Louis-Ferdinand Céline, Hans Henny Jahnn und Miquel de Palol oder plant diese. Sein erster Roman Progress erscheint 2027 bei Verso. Seine Übersetzungen wurden in The New Yorker, n+1, Harper’s, The Baffler, The White Review und Joyland veröffentlicht. Er lebt in Los Angeles, wo er, wenn er nicht gerade schreibt, Heavy Metal und Noise-Musik spielt.