Laindra Schuler

Laindra Schuler hatte den Großteil ihres Lebens in Michigan verbracht und fürchtete sich daher ein wenig vor ihrer ersten Auslandsreise nach Deutschland. Zwischen verwirrenden Duschanlagen und Männern, die ein Bier schlürften, während sie gerade einen Weltrekord brechen wollten, überwand Laindra ihre Angst, um dann alles zu genießen, was GAPP zu bieten hatte. Wir haben ihr ein paar Fragen über ihre Zeit in Deutschland gestellt und darüber, wie diese Erfahrung ihr Leben veränderte.
 

Laindra Schuler © Goethe-Institut New York

Warum haben Sie sich für Deutsch entschieden, und wann war Ihr GAPP-Austausch?
Die Schule, die ich besuchte, die Henry Ford Academy, hat die Fremdsprache für uns ausgewählt. Aber ich hatte schon gehofft, Deutsch zu bekommen, weil die väterliche Seite meiner Familie aus Deutschland stammt. Tatsächlich habe ich mich sogar wegen des GAPP-Programms für die Henry Ford entschieden und hatte das große Glück, teilnehmen zu können. Meine Familie hat 2015 einen GAPP-Schüler aufgenommen, und 2016 ging ich selbst nach Deutschland.

Hatten Sie irgendwelche Erwartungen an Deutschland?
Ja, aber am Ende waren sie völlig falsch. Wir haben in Michigan eine Deutschland nachempfundene Stadt namens Frankenmuth. In Michigan gibt es zahlreiche deutsche Siedler, und unsere Familientreffen fanden oft in Frankenmuth statt. Als ich noch ein Kind war, dachte ich: „So ist Deutschland“, aber es hat sich herausgestellt, dass es das definitiv nicht ist. Es war daher ganz cool, vergleichen zu können, als ich Deutschland besuchte, nach dem Motto „oh Mann, Frankenmuth ist eigentlich nur ein kitschiges Klischee“. Die Stadt ist voller bayerischer Stereotypen, alle liefen in ‘Lederhosen’ rum, alle trugen große Bierkrüge. Rückblickend war das sehr abgeschmackt und kein bisschen authentisch.

Können Sie uns etwas über Ihre Erfahrungen mit dem Austausch erzählen?
Zuerst ging es in den Süden, in eine Stadt namens Pfullendorf in Baden-Württemberg. Das ist eine eher kleine Stadt, der Unterschied war deutlich zu sehen, als wir Großstädte wie Ulm und München besuchten. Bei meiner Ankunft in Deutschland war ich sehr aufgeregt. Du fliegst, du bist müde, du bist 16, das kann schon sehr überwältigend sein. Ich erinnere mich, dass ich im Badezimmer saß und keine Ahnung hatte, wie die Dusche funktionierte, weil das nur ein flacher Boden war. Das Wasser spritzte überall hin, und ich hab geheult und gerufen: „Was soll ich tun?“ Meine Gastschwester kam herein und sagte: „Warum weinst du denn? Alles wird gut.“ Und ich sagte: „Du hast recht.“ Es dauerte ein paar Tage, aber mit Hilfe meiner Gastschwester fühlte ich mich wohl. Wir sind immer noch in Kontakt, und es ist schön zu wissen, dass ich trotz meiner Angst eine so starke Beziehung zu ihr aufbauen konnte.

Haben Sie Ihre Gastschwester nach Ihrem Austausch besucht?
Wir hatten einen dreimonatigen Besuch geplant. Sie hat eine doppelte Staatsbürgerschaft: deutsch und kroatisch, und wir wollten gemeinsam nach Kroatien. Dann kam COVID, und die Reise wurde verschoben; ich sitze immer noch auf den Fluggutschriften. Es ist wirklich schwierig, zwischen Schule und COVID, und jetzt wissen wir nicht, wann wir uns wiedersehen werden.
 
Haben Sie bei Ihrem Besuch in Deutschland Unterschiede zwischen den Schulen oder Schülern bemerkt?
Ja, ich habe das Gefühl, dass die Schulen in Deutschland näher an dem sind, was Universitäten in den Staaten sind. Ich habe während meines Austauschs in Grundschulen gearbeitet, und ich erinnere mich, dass ich dachte: „Mein Gott, diese Kinder sind schon so weit. Sie haben viel mehr Freiheit, wenn es darum geht, wie sie ihren Tag gestalten.“
Es war verrückt zu sehen, wie viel Freiheit Schüler dort haben, besonders Jugendliche. Wir konnten einfach nach der Schule in die Stadt gehen, uns Kaffee oder Brezeln holen oder einkaufen und dann im Stadtzentrum rumhängen. In Amerika müssen wir immer fragen, bevor wir etwas unternehmen, weil jeder Angst hat, es könnte etwas passieren. Das habe ich in Deutschland nie gespürt. Drei oder vier von uns Mädchen gingen immer irgendwo hin, und die meisten Erwachsenen sagten dann nur „Viel Spaß!“ Es war einfach so ein sicherer Ort! Wenn ich das hier tun würde, würde mein Dad die ganze Zeit mein Handy verfolgen.

Was ist Ihre Lieblingserinnerung an Ihren GAPP-Austausch?
Als wir in Ulm waren, haben wir jemanden gesehen, der dabei war, einen Guinness-Rekord zu brechen. Dieser Typ lief die Treppe der Kathedrale hinauf, fünf oder sechs Mal, auf und ab, und er hat den Weltrekord tatsächlich gebrochen. Wir gingen gerade die Treppe hinauf, als auch er hinauflief, und wir mussten lachen, als wir sahen, wie er anhielt, um sich ein Bier zu genehmigen. Ich habe ein Foto mit diesem verrückten Kerl, der in Schweiß gebadet ist und zwei Biere hält. Die Erinnerung bringt mich immer noch zum Lachen.

Denken Sie, dass Ihre Austauscherfahrung Sie verändert hat?
Absolut. Ich war ein sehr behütetes Kind; ich tat, was mir gesagt wurde, bekam gute Noten in der Schule und machte einfach alles mit. Ich hatte schon vor der Reise solche Angst. Eine meiner besten Freundinnen sollte eigentlich auch fliegen, aber sie beschloss, es zu lassen, und ich wäre fast auch nicht geflogen. Aber ich habe diesen Sprung gewagt, und auf diese Entscheidung werde ich immer stolz sein. Ich denke, es war eine wichtige Erfahrung in so jungen Jahren, einfach aufzubrechen und etwas so anderes zu tun. Es hat mich zu der Erkenntnis gebracht, dass Dinge anzugehen, egal wie beängstigend sie sind, das Leben zum Besseren verändern kann.

Haben Sie einen Rat für jemanden, der einen GAPP-Austausch plant?
Tu es! Alles! Auch wenn es dich erschreckt. Ich hatte noch nie länger als zwei Stunden in einem Flugzeug gesessen, und ich erinnere mich noch, wie überwältigt und ängstlich ich war. Du magst einen Augenblick lang Angst haben, aber wenn du zurückblickst, wirst du froh sein, es gemacht zu haben. Ich würde es hundertmal wieder tun. Du musst dir selbst vertrauen und diese Chance nutzen.

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