Franz Erhard Walther auf der Performa Biennial

Performance|Präsentation der Installations-Aktivierung "Creation Needs Action"

  • Judd Foundation

  • Sprache Englisch
  • Preis $45

Installation view of Franz Erhard Walther's work "1. Werksatz" (1963–1969), activated by two performers with audience watching at Kunsthalle Mainz, 2021-2022 Courtesy the Collection Franz Erhard Walther Foundation and Kunsthalle Mainz

A group of people stand in an exhibition space and watch two performers activating an artwork by Franz Erhard Walther Courtesy the Collection Franz Erhard Walther Foundation and Kunsthalle Mainz

Seit über sechzig Jahren definiert der deutsche Konzeptkünstler Franz Erhard Walther die Beziehung zwischen Raum, Objekten und Körpern radikal neu. Seine Installationen, oft bestehend aus Skulpturen aus Leinwand und anderen Stoffen, hängen an der Wand, liegen auf dem Boden oder werden vom Künstler oder dem Publikum getragen. Walther lädt die Ausstellungsbesuchenden ein, seine Skulpturen zu auf neue Weise zu tragen und die Spannungen zwischen den Objekten zu erkunden.

Walthers Arbeiten sind Auseinandersetzungen mit dem Räumlichen und Zeitlichen, bringen aber auch die sensorischen und sozialen Dimensionen von Skulptur als künstlerischem Medium zum Ausdruck. Objekt für Zwei (1967) beispielsweise besteht aus einem rechteckigen Stück Stoff mit zwei Löchern, in die zwei Personen ihre Köpfe hindurchstecken und so ihre Zusammenarbeit und Koordination auf die Probe stellen können. Ein weiteres Werk von 1967, das den Titel Kurz vor der Dämmerung trägt, erfordert ein noch höheres Maß an Zusammenarbeit: Neun Individuen sind in neun Segmente eines 20 Fuß langen Leinwandstreifens eingewickelt und müssen ihre Bewegungen synchronisieren, um sich wie ein Tausendfüßler im selben Tempo zu fortzubewegen.

In Europa mag Walther bekannter sein als in den USA, doch seine prägenden künstlerischen Erfahrungen machte der Künstler in New York, wo er nach seinem Abschluss an der Düsseldorfer Kunstakademie von 1967 bis 1971 lebte. Er tauchte in die Kunstszene der Stadt ein und freundete sich mit Künstlern des Minimalisus an, darunter Richard Artschwager, Donald Judd, Walter De Maria und Richard Serra. Walthers Performa-Beitrag Creation Needs Action, der in Kooperation mit der Judd Foundation entstand, wirft einen Blick auf die Beziehung zwischen Walther und Judd und stellt die zwei Meister der US-amerikanischen Minimal Art gegenüber. Mit drei Werkgruppen aus unterschiedlichen Schaffensperioden präsentiert Walther eine Auswahl von "Aktivierungen" (Englisch: "Activations") aus seinem frühen 1. Werksatz (1963-69) bis hin zu seiner jüngsten Serie Action Paths (1997-2003), an von ihm selbst mit der Beteiligung des Publikums und eingeladener New Yorker Kunstschaffender und Performer*innen vollzogen werden.

Kuratiert von Charles Aubin.



Franz Erhard Walther (geb. 1939 in Fulda) gilt als Wegbereiter der partizipatorischen Kunst. Seit den späten 1950er Jahren zeichnet sich sein Werk durch eine radikale Offenheit aus, die materielle Prozesse und später auch das Publikum als wichtiges Element in der Genese des Kunstwerks sichtbar macht. In seinem First Work Set (1963-1969), bei dem der Einsatz einfacher mechanischer Bewegungen wie Pressen, Falten und Wickeln ein zentrales Element des Werks darstellt, ist die Breite an Möglichkeiten, wie die Objekte gehandhabt werden können, entscheidendes Merkmal der Arbeit. Durch die Aktivierung werden die Körper der Partizipierenden zu einer Erweiterung des Objekts, wodurch es auf neue Weise erfahrbar wird. Walthers Werke lassen multiple Möglichkeiten der Präsentation zu, vor allem in Hinblick auf ihre Aktivierung oder Nicht-Aktivierung. Sie sind polymorph, können an die Wand gehängt oder gelehnt werden, auf horizontale Stützen gestellt oder gar in Gefäßen oder Stoffmembranen deponiert werden. Diese Flexibilität in der Gestaltung zeigt die grenzenlosen Möglichkeiten der skulpturalen Form auf – eine Idee, die Walther in seiner zeichnerischen Praxis weiter ausbaut. Für den Künstler stellen beide Medien das zentrale Anliegen seiner Arbeit in den Mittelpunkt: die Sichtbarmachung des physischen Akts des Erschaffens.

Walther lebt und arbeitet in Fulda, Deutschland. 2017 wurde er auf der Venedig-Biennale mit dem Goldenen Löwen für den besten Künstler ausgezeichnet. In den 1960er Jahren machte er mit seinen experimentellen Skulpturen auf sich aufmerksam und war in wichtigen Gruppenausstellungen vertreten, darunter When Attitudes Become Form (1969, kuratiert von Harald Szeeman in der Kunsthalle Bern, für die Biennale Venedig 2013 neu aufgelegt) und Spaces im Museum of Modern Art, New York (1969). Seine Werke befinden sich in einer Vielzahl öffentlicher Sammlungen, darunter das Art Institute of Chicago, das Centre Pompidou, Paris, die Dia Art Foundation, New York, das Museum of Modern Art, New York, und die Staatsgalerie Stuttgart. Einzelausstellungen gab es zuletzt u. a. im Haus der Kunst, München (2020), in der Fundacion Jumex Arte Contemporaneo, Mexiko-Stadt (2018), im Ludwig Forum, Aachen, Deutschland (2017), im Reina Sofia, Madrid (2017), im Power Plant, Toronto (2016) und in der Henry Art Gallery, Seattle (2015-2016).