Too Much Is Better Than Too Little
Ausstellung | Alfred Hilsberg, ZickZack & the Invention of the German Underground
-
Various/Artists, New York, NY
- Sprache Englisch
- Preis Kostenlos
- Teil der Reihe: Punk@50
GALERIEINFORMATIONEN:
Various/Artists
19 Essex Street
ÖFFNUNGSZEITEN DER GALERIE:
Donnerstag bis Sonntag
15:00 bis 20:00 Uhr
AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG:
Donnerstag, 8. Oktober, 18:00 bis 20:00 Uhr
Die späten 1970er- und frühen 1980er-Jahre waren in Deutschland eine Zeit außergewöhnlicher kreativer Intensität, wilder Experimentierfreude und tiefgreifender künstlerischer Umbrüche. Nicht nur in Berlin, sondern in Städten und Regionen im ganzen Land verlernten Jugendliche, die vom Punk-Virus erfasst worden waren, bewusst das konventionelle Spiel ihrer Instrumente, entwickelten eigenwillige synthetische Klangwelten, die von Radiosendern und großen Plattenfirmen als Anti-Musik abgetan wurden, und formten aus der deutschen Sprache eine schroffe, kraftvolle Poesie. Äbwärts, DAF, Der Plan, Einstürzende Neubauten, Malaria!, Palais Schaumburg und Xmal Deutschland: Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges, in einer Zeit von No Wave und No Future, strahlten diese und Hunderte weiterer Bands eine Energie, dunklen Humor und einen experimentellen Geist aus, die bis heute faszinieren und teilweise noch immer darauf warten, neu entdeckt zu werden.
Am Anfang und im Zentrum dieser Bewegung stand Alfred Hilsberg (1947–2025). Der in Wolfsburg geborene und in Hamburg tätige Journalist, Filmemacher und Konzertveranstalter verstand Punk als Form gesellschaftlicher Emanzipation. In einer Reihe von Artikeln für das erfolgreiche Musikmagazin Sounds beschrieb er deutschen Punk als demokratische Praxis: Er fördere eine Do-it-yourself-Haltung, ermögliche Kultur von unten und schaffe „kleine tägliche Revolutionen“. Selbst das Singen auf Deutsch verstand Hilsberg als einen Akt des Widerstands gegen den kulturellen Imperialismus des angloamerikanischen Pop. Er organisierte wegweisende Musikfestivals in Hamburg, schrieb die Kolumne "neuestes Deutschland", in der er neue Klänge und Strömungen dokumentierte, und prägte maßgeblich den Begriff Neue Deutsche Welle.
Mit seinem Wissen über historische Gegenkulturen, seiner Vorliebe für markante Aussagen und seinem unerschütterlichen Enthusiasmus lässt sich Hilsberg als deutsches Pendant zu Tony Wilson, dem legendären Gründer von Factory Records in Manchester, verstehen. Sein eigenes Label ZickZack, gegründet 1980, veröffentlichte in kurzer Zeit mehr als hundert Platten und deckte dabei ein Spektrum von Post-Punk über Art Rock und Minimal Synth bis hin zu proto-industriellen Klängen ab. Zu den heute hoch angesehenen Künstler*innen des Labels zählen unter anderem Einstürzende Neubauten, FSK, Andreas Dorau, Die Tödliche Doris und Die Krupps. Andere Veröffentlichungen wurden als prätentiös oder unhörbar abgetan. Hilsberg störte das wenig. Sein Motto lautete: „Lieber zu viel als zu wenig.“ Bereits 1982 war ZickZack, bevor das Label überraschend endete, zum erfolgreichsten unabhängigen deutschen Plattenlabel geworden.
Too Much Is Better Than Too Little ist die erste Ausstellung über Alfred Hilsberg und ZickZack, die außerhalb Deutschlands präsentiert wird. In Zusammenarbeit mit der Lower-East-Side-Galerie Various/Artists zeigt die Ausstellung seltene und bislang unveröffentlichte Schallplatten, Buttons, Flyer und Plakate aus der Sammlung von Christian Iffland, Fotografien und eindrucksvolle Dokumentationen von Sabine Schwabroh (Hilsbergs Lebensgefährtin und eine der wichtigsten Chronistinnen der Hamburger Underground-Szene) sowie frühe Super-8-Filme von Klaus Maeck (Filmemacher und Gründer von Hamburgs erstem Punkladen Rip Off Records im Jahr 1979).
Begleitend zur Ausstellung finden verschiedene Veranstaltungen statt: ein Gespräch zwischen Gudrun Gut (Malaria!/Mania D) und J.G. Thirlwell (Foetus), die Performance Deutsche Kassettentäter / German Tape Delinquents des Musikers und Kurators Felix Kubin (der im Alter von nur 14 Jahren als Teil von Die Egozentrischen 2 von Hilsberg bei ZickZack unter Vertrag genommen wurde), ein Vortrag des Kulturhistorikers Seth Howes über Punk-Aktivismus in der DDR sowie ein DJ-Event der Künstlerin und Filmemacherin Maya Hardinge, das sich deutschen Musikerinnen widmet. Darüber hinaus erscheinen limitierte Publikationen zu Hilsberg und zu ostdeutschen Fanzines.
Kuration: Sukhdev Sandhu
Diese Ausstellung ist Teil des Beitrags des Goethe-Instituts New York zum regionalen Projekt Alle gegen Alles. Punk@50. Als radikale Subkultur, die Mitte der 1970er-Jahre aus Opposition, Verweigerung und Störung hervorging, stellte Punk Konventionen in Musik, Politik und Alltagsleben in Frage. Fünfzig Jahre später fragt Alle gegen Alles: Welche Rolle spielen Subkulturen in den zunehmend instabilen Gesellschaften der Gegenwart? Und was bedeutet Punk heute? In den teilnehmenden Städten bilden lokal kuratierte Programme die Grundlage für einen umfassenden internationalen Dialog über Subkultur, Protest und Selbstbestimmung.
Various/Artists
19 Essex Street
ÖFFNUNGSZEITEN DER GALERIE:
Donnerstag bis Sonntag
15:00 bis 20:00 Uhr
AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG:
Donnerstag, 8. Oktober, 18:00 bis 20:00 Uhr
Die späten 1970er- und frühen 1980er-Jahre waren in Deutschland eine Zeit außergewöhnlicher kreativer Intensität, wilder Experimentierfreude und tiefgreifender künstlerischer Umbrüche. Nicht nur in Berlin, sondern in Städten und Regionen im ganzen Land verlernten Jugendliche, die vom Punk-Virus erfasst worden waren, bewusst das konventionelle Spiel ihrer Instrumente, entwickelten eigenwillige synthetische Klangwelten, die von Radiosendern und großen Plattenfirmen als Anti-Musik abgetan wurden, und formten aus der deutschen Sprache eine schroffe, kraftvolle Poesie. Äbwärts, DAF, Der Plan, Einstürzende Neubauten, Malaria!, Palais Schaumburg und Xmal Deutschland: Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges, in einer Zeit von No Wave und No Future, strahlten diese und Hunderte weiterer Bands eine Energie, dunklen Humor und einen experimentellen Geist aus, die bis heute faszinieren und teilweise noch immer darauf warten, neu entdeckt zu werden.
Am Anfang und im Zentrum dieser Bewegung stand Alfred Hilsberg (1947–2025). Der in Wolfsburg geborene und in Hamburg tätige Journalist, Filmemacher und Konzertveranstalter verstand Punk als Form gesellschaftlicher Emanzipation. In einer Reihe von Artikeln für das erfolgreiche Musikmagazin Sounds beschrieb er deutschen Punk als demokratische Praxis: Er fördere eine Do-it-yourself-Haltung, ermögliche Kultur von unten und schaffe „kleine tägliche Revolutionen“. Selbst das Singen auf Deutsch verstand Hilsberg als einen Akt des Widerstands gegen den kulturellen Imperialismus des angloamerikanischen Pop. Er organisierte wegweisende Musikfestivals in Hamburg, schrieb die Kolumne "neuestes Deutschland", in der er neue Klänge und Strömungen dokumentierte, und prägte maßgeblich den Begriff Neue Deutsche Welle.
Mit seinem Wissen über historische Gegenkulturen, seiner Vorliebe für markante Aussagen und seinem unerschütterlichen Enthusiasmus lässt sich Hilsberg als deutsches Pendant zu Tony Wilson, dem legendären Gründer von Factory Records in Manchester, verstehen. Sein eigenes Label ZickZack, gegründet 1980, veröffentlichte in kurzer Zeit mehr als hundert Platten und deckte dabei ein Spektrum von Post-Punk über Art Rock und Minimal Synth bis hin zu proto-industriellen Klängen ab. Zu den heute hoch angesehenen Künstler*innen des Labels zählen unter anderem Einstürzende Neubauten, FSK, Andreas Dorau, Die Tödliche Doris und Die Krupps. Andere Veröffentlichungen wurden als prätentiös oder unhörbar abgetan. Hilsberg störte das wenig. Sein Motto lautete: „Lieber zu viel als zu wenig.“ Bereits 1982 war ZickZack, bevor das Label überraschend endete, zum erfolgreichsten unabhängigen deutschen Plattenlabel geworden.
Too Much Is Better Than Too Little ist die erste Ausstellung über Alfred Hilsberg und ZickZack, die außerhalb Deutschlands präsentiert wird. In Zusammenarbeit mit der Lower-East-Side-Galerie Various/Artists zeigt die Ausstellung seltene und bislang unveröffentlichte Schallplatten, Buttons, Flyer und Plakate aus der Sammlung von Christian Iffland, Fotografien und eindrucksvolle Dokumentationen von Sabine Schwabroh (Hilsbergs Lebensgefährtin und eine der wichtigsten Chronistinnen der Hamburger Underground-Szene) sowie frühe Super-8-Filme von Klaus Maeck (Filmemacher und Gründer von Hamburgs erstem Punkladen Rip Off Records im Jahr 1979).
Begleitend zur Ausstellung finden verschiedene Veranstaltungen statt: ein Gespräch zwischen Gudrun Gut (Malaria!/Mania D) und J.G. Thirlwell (Foetus), die Performance Deutsche Kassettentäter / German Tape Delinquents des Musikers und Kurators Felix Kubin (der im Alter von nur 14 Jahren als Teil von Die Egozentrischen 2 von Hilsberg bei ZickZack unter Vertrag genommen wurde), ein Vortrag des Kulturhistorikers Seth Howes über Punk-Aktivismus in der DDR sowie ein DJ-Event der Künstlerin und Filmemacherin Maya Hardinge, das sich deutschen Musikerinnen widmet. Darüber hinaus erscheinen limitierte Publikationen zu Hilsberg und zu ostdeutschen Fanzines.
Kuration: Sukhdev Sandhu
Diese Ausstellung ist Teil des Beitrags des Goethe-Instituts New York zum regionalen Projekt Alle gegen Alles. Punk@50. Als radikale Subkultur, die Mitte der 1970er-Jahre aus Opposition, Verweigerung und Störung hervorging, stellte Punk Konventionen in Musik, Politik und Alltagsleben in Frage. Fünfzig Jahre später fragt Alle gegen Alles: Welche Rolle spielen Subkulturen in den zunehmend instabilen Gesellschaften der Gegenwart? Und was bedeutet Punk heute? In den teilnehmenden Städten bilden lokal kuratierte Programme die Grundlage für einen umfassenden internationalen Dialog über Subkultur, Protest und Selbstbestimmung.