Hannah Scholl

Hannah Scholl ©Hannah Scholl

Hannah Scholls Austausch als Highschool-Schülerin brachte Wanderungen in den Alpen, ein Musical in Stuttgart und eine Gastfamilie, die zu lebenslangen Freunden wurde. Er ebnete ihr auch den Weg für ein tieferes deutsch-amerikanisches Engagement, von einer Fulbright-Lehrtätigkeit in Österreich über das Congress-Bundestag Youth Exchange Program für junge Berufstätige bis hin zu ihrer heutigen Position beim American Council on Germany. Ihre Geschichte zeigt, wie GAPP die erste Sprosse auf einer größeren Leiter von Austauschmöglichkeiten sein kann, aufgebaut mit Absicht statt Zufall. 


 

Woran erinnerst du dich am lebhaftesten aus deinem GAPP-Austausch?

I habe so viele lebhafte Erinnerungen an meinen GAPP-Austausch!

Eine besondere Erinnerung war eine Wanderung, zu der mich meine Gastfamilie mitgenommen hat. Wir wohnten ganz in der Nähe der Schweizer Grenze, und so unternahmen wir einen spontanen Tagesausflug, um rund um den Seealpsee in den Appenzeller Alpen zu wandern. Wir fuhren mit der Gondel hoch, machten in einer traditionellen Hütte Mittagspause und wanderten wieder hinunter (inklusive einer Rutschpartie über einen Schneehaufen mitten im Sommer). (Hier bekam ich auch einen Eindruck davon, wie unterschiedlich der Schweizerdeutsche Dialekt ist!) Bis heute glaube ich, dass es eine der schönsten Wanderungen war, die ich je gemacht habe.

Eine weitere Erinnerung war mein erster Musicalbesuch auf Deutsch. Während meine Austauschpartnerin Lara bei uns in den USA war, steckte ich mitten in den Proben für unser Schulmusical Grease, sodass sie einen kleinen Vorgeschmack auf meine Liebe zum Musiktheater bekam. Es war so lieb von ihrer Mutter und ihr, einen Ausflug nach Stuttgart zu organisieren, um Rocky das Musical anzuschauen.

Ich habe auch starke Erinnerungen an die kleineren, alltäglicheren Momente, die für mich so bedeutsam waren – sei es das Fahrradfahren zum Schwimmen über den Steißlinger See (den atemberaubend türkisfarbenen See im Dorf!), das Anhalten am „Eierautomat“ für frische Eier vom Bauernhof auf dem Heimweg mit der Familie, ein Kugel Eis für nur einen Euro, ein typisch deutsches Frühstück mit verschiedenen frischen Broten von der Bäckerei zu genießen (meine Mutter zuhause in den USA war so neidisch, als sie hörte, dass ich zum Frühstück eine frische Brezel mit Butter bekam!!), das Mitfeiern bei den Public-Viewing-Partys zur Europameisterschaft und vieles mehr. Es war meine erste richtige Erfahrung im Ausland, deshalb habe ich alles in vollen Zügen aufgesogen.

Gab es etwas, das dich am Leben mit deiner Gastfamilie oder in deinem Gastland überrascht hat?

Zu dieser Zeit war eines der Dinge, die mich wirklich überrascht und erstaunt haben, das öffentliche Nahverkehrsnetz. Um zur Schule zu kommen, nahmen meine Austauschpartnerin und ich einen öffentlichen Bus (keinen Schulbus!) von Steißlingen nach Radolfzell. Ich war überrascht zu sehen, wie viele kleine Kinder den öffentlichen Bus nutzten, denn in den USA haben öffentliche Busse leider oft den Ruf, nicht immer sicher zu sein, weshalb wir stattdessen spezielle Schulbusse haben. Es hat mich erstaunt, dass das Dorf, in dem wir wohnten, mit gerade einmal etwas über 5.000 Einwohnern, einen Busfahrplan hatte, der den ganzen Tag über stündlich oder sogar halbstündlich fuhr. Wenn wir abends länger in Radolfzell blieben, musste man etwa eine Stunde vorher einen „Rufbus“ bestellen, und ein Kleinbus kam vorbei, um einen abzuholen (zum gleichen Preis wie eine normale Busfahrt). Manche Leute beschwerten sich zwar darüber, den Bus anrufen zu müssen, aber für mich war das im Grunde ein kostenloses Taxi oder Uber! Im Gegensatz dazu gab es in der Stadt mit über 30.000 Einwohnern, in der ich in den USA lebte, so gut wie keine öffentlichen Busse.

Insgesamt hatte ich dort das Gefühl, dass die Städte für Menschen gebaut waren, nicht unbedingt nur für Autos. Ich fühlte mich viel sicherer, wenn ich mit dem Fahrrad unterwegs war. Unsere Klasse machte einen Tagesausflug nach München, und wir hatten die Gelegenheit, einen Hochgeschwindigkeitszug zu nehmen, was so cool war. Ich war ein bisschen neidisch, dass wir in den USA keinen ähnlich umfassenden Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln haben.

Bist du seit deinem Austausch mit deiner Gastfamilie in Kontakt geblieben? Konntet ihr gemeinsam Meilensteine feiern?

11 Jahre nachdem wir uns zum ersten Mal getroffen haben, sind meine Austauschpartnerin Lara und ich in Kontakt geblieben und sind bis heute großartige Freundinnen! Ich bin auch mit der GAPP-Austauschpartnerin und Gastfamilie meiner jüngeren Schwester in Kontakt geblieben, die ebenfalls im selben Dorf leben, da ich sie kennengelernt habe, als sie bei unserer Familie in den USA wohnte. Ich glaube, ich habe den Überblick verloren, wie oft genau ich sie in dem letzten Jahrzehnt seit meinem Austausch besucht habe.

Mein GAPP-Austausch war eine wunderbare Einführung in Deutschland und weckte den Wunsch, mehr Zeit in dem Land zu verbringen. Nachdem ich an der Oberlin College einen Doppelabschluss in Deutsch und Politik gemacht hatte, verbrachte ich zunächst zwei Jahre als U.S. Teaching Assistant durch das USTA-Programm, das von Fulbright Austria verwaltet wird, und anschließend ein Jahr in Deutschland durch den Congress-Bundestag Youth Exchange (CBYX) für Young Professionals. Während meiner Zeit in Europa besuchte ich meine Gastfamilie und die Gastfamilie meiner Schwester. Die ersten paar Monate des CBYX-Programms beinhalten einen Sprachschulaufenthalt, und zufälligerweise wurde ich am Carl Duisberg Sprachzentrum in Radolfzell platziert, derselben Stadt, in der unser Schüleraustausch stattgefunden hatte! Infolgedessen wohnte ich am Ende ein paar Monate lang wieder bei meiner GAPP-Austausch-Gastfamilie und besuchte auch beide Familien zu Ostern. Nachdem ich aus Deutschland zurückgekehrt war, besuchte meine Austauschpartnerin meine Familie in der Nähe von Boston, und wir unternahmen auch Reisen nach New York und Florida. Wir kommunizieren das ganze Jahr über in einer Mischung aus Deutsch und Englisch über WhatsApp. Ich bin dem GAPP-Programm unglaublich dankbar, dass es diese lebenslange Freundschaft ermöglicht hat.

Gab es einen bestimmten Moment während deines Austauschs, der deine Sichtweise auf die Welt verändert hat?

Ein besonderer Moment, der mich wirklich umgehauen hat (so sehr, dass ich Jahre später während eines Politik-Praktikums bei der Frontier Group im College sogar einen Blogbeitrag darüber geschrieben habe!), war das Willkommensessen an der deutschen Schule. Es war ein Potluck, und genau wie wir es in Amerika tun würden, steuerte jede Familie ein Gericht bei. Doch anders als bei dem Willkommensessen, das meine Schule in Wellesley, MA für die deutschen Schüler veranstaltete, bei dem es Einweggeschirr und -besteck gab, wie es bei großen Schulveranstaltungen üblich ist, brachte jede Familie nicht nur ein selbstgekochtes Gericht mit, sondern auch einen kleinen Korb mit ihren eigenen wiederverwendbaren Bechern, Besteck, Tellern und Utensilien für jedes Familienmitglied, direkt aus ihrer eigenen Küche. Es war so eine einfache Sache, aber sie hat mich so stark beeindruckt, weil ich diese Idee noch nie in Betracht gezogen hatte, was mich erkennen ließ, dass so viele unserer Bräuche und Gewohnheiten von der Gesellschaft geprägt werden, in der wir aufwachsen, und dass es andere, nachhaltigere Ansätze geben könnte, die nicht unbedingt zusätzlichen Aufwand oder finanzielle Mittel erfordern. Zum Beispiel wäre es für den Gastgeber keine Belastung gewesen, 50 Teller und Besteck-Sets abwaschen zu müssen, weil jede Person nur für ihre eigenen Sachen verantwortlich war, und die Schule würde auch Geld sparen, da sie keine zusätzlichen Sets von Einweg-Plastikgeschirr kaufen müsste. Die Erfahrung diente auch als Modell für gemeinschaftliches kollektives Handeln. Dies war nur ein Beispiel für die unterschiedlichen Ansätze zu nachhaltigem Leben, die ich in Deutschland erlebt habe.

Welche kulturellen Unterschiede sind dir zu dieser Zeit aufgefallen, und wie hast du dich an sie angepasst?

Wie ich bereits erwähnt habe, war ich erstaunt über den Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln, aber ich musste auch lernen, mich in dem System zurechtzufinden. Es war das erste Mal, dass ich Busfahrpläne lesen und darauf achten musste, meine monatliche Busfahrkarte nicht zu verlieren (die leider einmal nass wurde, weil es geregnet hatte, und der Text größtenteils verwaschen war, sodass der Busfahrer mich zwang, eine neue zu kaufen).
Ein weiterer Unterschied war das allgemeine Fehlen von Klimaanlagen. Da unser Austausch im Sommer stattfand, war ich anfangs deswegen nervös. Ich konnte mich jedoch anpassen, indem ich dieselben Strategien anwendete, die Familien dort typischerweise nutzen, wie zum Beispiel das Herunterlassen der äußeren Rollläden über den Fenstern tagsüber, um das Licht auszusperren, und das Offenlassen der Fenster nachts, wenn es kühler ist. Die Fenster und Häuser selbst waren auf eine so nachhaltige Weise gebaut, dass sie auch ganz ohne Klimaanlage vollkommen bewohnbar waren. Als ich in die USA zurückkehrte, bemerkte ich, wie kalt wir unsere Gebäude halten, und erlebte diesbezüglich einen kleinen umgekehrten Kulturschock.

Andere kleine Unterschiede betrafen die Mahlzeiten oder Essgewohnheiten (zum Beispiel isst man dort typischerweise ein größeres Mittagessen nach der Schule statt während der Schule, und dann ein kleineres „Brotzeit“-Abendessen). Ein interessanter Unterschied war, dass einfaches Leitungswasser zu trinken nicht so verbreitet war, und es meistens nicht automatisch kostenlos in Restaurants gab wie in den USA. Anfangs mochte ich kein Sprudelwasser, aber irgendwann fing ich an, es zu genießen. Ich habe auch die stärkere Kultur des Zurückbringens von Plastikwasserflaschen im Laden gelernt, um das „Pfand“ zurückzubekommen.

Wenn du deinem jüngeren Ich einen Rat vor deiner Austauscherfahrung geben könntest, was würdest du sagen?

Vergiss nicht, Sonnencreme aufzutragen, bevor du total jetlagged zum Freibad im Ort gehst, nachdem du an diesem Morgen aus dem Transatlantikflug gelandet bist, haha (zum Glück war meine Gastmutter zufällig eine Hautpflegeexpertin und konnte sicherstellen, dass der schlimmste Sonnenbrand meines Lebens die richtige Pflege und Aufmerksamkeit bekam, die er brauchte!)

Was würdest du heutigen Schülerinnen und Schülern sagen, warum sie an einem GAPP-Austausch teilnehmen sollten? Irgendwelche Tipps?

Bei einer Gastfamilie zu wohnen und für einen längeren Zeitraum das Land zu verlassen, kann sich definitiv einschüchternd anfühlen, aber ich kann dieses Programm nicht genug empfehlen! Man kann nicht nur lebenslange Freundschaften entwickeln (wirklich eine Erweiterung meiner Familie!), sondern auch in eine ganz andere Kultur und Perspektiven eintauchen, aus denen man so viel lernen kann – sei es neue nachhaltige Lebensweisen, Wissen über politische Systeme oder neuer Wortschatz. Ich scherze oft, dass GAPP unabsichtlich meinen ganzen Karriereweg geprägt hat, weil es mich erkennen ließ, wie wertvoll interkultureller Austausch und Dialog sind.

Mein größter Tipp: Versuche zu vermeiden, in deiner Muttersprache im anderen Land zu sprechen. Im Allgemeinen haben die deutschen Schüler tendenziell stärkere Englischkenntnisse als wir Deutschkenntnisse, weil sie früher anfangen zu lernen als wir, und so kann es verlockend sein, einfach die ganze Zeit Englisch mit seinem Gastpartner zu sprechen. Es kann sich peinlich anfühlen, sich durch schwierigere Sprechmomente zu kämpfen, aber vertrau mir – die enormen Verbesserungen deines Sprachniveaus werden jede mögliche Verlegenheit, die du zu dem Zeitpunkt vielleicht empfunden hast, wert sein! Hab keine Angst, deinem Partner/Gastgeber klar mitzuteilen, dass du bevorzugst, so viel Deutsch wie möglich zu sprechen (sie werden vielleicht versuchen, Englisch zu sprechen, um gastfreundlich zu sein).

Rückblickend betrachtet, was war die größte Lektion aus deiner GAPP-Austauscherfahrung?

Eine der größten Lektionen, die ich aus meiner GAPP-Austauscherfahrung gelernt habe, war die Erkenntnis, dass viele kulturelle oder lebensstilbedingte Unterschiede, die existieren, nicht unbedingt auf unterschiedliche Meinungen oder Werte zurückzuführen sind, sondern auf Umstände und Pfadabhängigkeit. Zum Beispiel neigen die Menschen dort eher dazu, Fahrrad zu fahren und öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, weil es dafür eine bessere und sicherere Infrastruktur gibt, nicht weil Amerikaner von Natur aus mehr lieben, Auto zu fahren, als Deutsche es tun. Es ist wichtig, offen für andere Ansätze und Perspektiven zu sein, von denen wir von anderen lernen können.

Eine weitere Lektion, die ich gelernt habe, war, dass ich alles erreichen kann, was ich mir vornehme. Bevor ich zu meinem GAPP-Austausch ging, war ich noch nie in einem Feriencamp gewesen und war noch nie länger als ein paar Nächte von zuhause oder meiner Familie weg. Es war ermutigend zu wissen, dass ich widerstandsfähig genug sein konnte, um mich an eine andere Lebensumgebung, Sprache und Kultur anzupassen.

Wie, glaubst du, hat dich die Teilnahme am GAPP-Programm darauf vorbereitet, in einer vielfältigen, internationalen Stadt wie New York zu arbeiten?

Wenn es eine Sache gibt, die einem das GAPP-Programm beibringt, dann ist es, sich schnell an unterschiedliche Umgebungen anzupassen und sich auf interkulturellen Dialog einzulassen. Diese Art von Fähigkeiten, die ich bereits in der High School aufzubauen begann, sind in einer vielfältigen, internationalen Stadt wie New York durchaus relevant. Durch meine Arbeit arbeiten wir oft mit außenpolitischen Experten und Vertretern aus der ganzen Welt zusammen, zusätzlich zu der starken deutsch-amerikanischen Gemeinschaft hier.

Inwiefern hilft dir deine eigene Erfahrung mit einem internationalen Austausch dabei, dich mit der Mission und den Zielen des American Council on Germany zu verbinden?



Der American Council on Germany ist eine unabhängige, überparteiliche gemeinnützige Organisation, die 1952 gegründet wurde, um die deutsch-amerikanischen Beziehungen zu stärken. Heute arbeitet der ACG generationenübergreifend daran, ein tieferes, differenzierteres Verständnis von Deutschland, Europa und der Bedeutung der transatlantischen Partnerschaft zu vermitteln. Durch eine Reihe von Programmen und Aktivitäten befasst sich der ACG mit den drängendsten wirtschaftlichen, politischen und sozialen Herausforderungen der heutigen Zeit, um ein besseres gegenseitiges Verständnis sicherzustellen. Da ich die Vorteile internationaler Austausche aus erster Hand erfahren habe, angefangen mit dem GAPP-Austausch, verstehe ich zutiefst, wie wirkungsvoll die verschiedenen Study Tours, die Young Leaders Conference, die Fellowships und mehr des ACG sowohl für Einzelpersonen als auch für die breiteren Auswirkungen in unseren Gemeinschaften und Ländern sind.

Es ist ein solcher Moment, bei dem sich der Kreis schließt, jetzt in der Position zu sein, die Planung und Umsetzung internationaler Austausche zu unterstützen, einschließlich der Möglichkeit, kürzlich unsere Study Tour on Social Cohesion in Germany zu betreuen. Es ist surreal, transatlantischen Dialog und Perspektivenaustausch zu ermöglichen, während ich miterlebe, wie unsere Programmteilnehmer einige derselben Erkenntnisse durchleben, die auch ich durchlebt habe, während sie gleichzeitig ihre eigenen länderübergreifenden Netzwerke und Freundschaften entwickeln. Eine Sache, die ich gelernt habe, ist, dass das Lernen niemals aufhört! Jedes Mal, wenn ich Deutschland durch einen Austausch besuche, habe ich jedes Mal wieder neue Erkenntnisse. Ich bin GAPP zutiefst dankbar, dass es mir diese ganz neue Welt eröffnet hat.