Medienkunst Zhang Wenxin

Zhang Wenxin, geboren 1989, erwarb 2013 einen Master of Arts am California College of the Arts. Derzeit lebt und arbeitet die Künstlerin unter anderem in Hangzhou. Sie hatte bereits Einzelausstellungen im Guangdong Museum of Art (广东美术馆), im Surplus Space (剩余空间) in Wuhan und der ATA Gallery in San Francisco sowie in enger künstlerischer Zusammenarbeit mit Yu Jing (虞菁) eine Soloschau als Terrassenprojekt von Taikang Space (泰康空间). Darüberhinaus hat sie an zahlreichen nationalen und internationalen Ausstellungs- und Residenzprojekten teilgenommen. Etwa an dem vom Pekinger Goethe-Institut initiierten Fotoprojekt Datenträume, der Ausstellung Ecstasy of Time (时间的狂喜) im He Xiangning Art Museum (深圳何香凝美术馆) in Shenzhen und an Residenzprogrammen im Münchner Muffatwerk oder dem Center for Photography at Woodstock im Bundesstaat New York. Zhang Wexin kombiniert Video, Computeranimationen, Fotografie und Installation mit Texten und Musik und schafft dadurch prozessorientierte sinnliche Erlebniswelten. Dabei geht sie oft von Alltagserlebnissen aus, um Reflexionen über Zeit und Transzendenz anzustellen.
 

Zhang Wenxin über sich:


Ich betrachte mich als eine Art „Landvermesser“, wie der Protagonist aus Kafkas Roman Das Schloss. Die Karten, die ich anfertige, sind nicht nur eine Abbildung von Landschaft und außergewöhnlichen Anblicken, sondern beschreiben noch eine andere Topografie. Sie sind Karten des menschlichen Bewusstseins, das aus einer spirituellen Geschichte kommt und eine materielle und geistige Welt erschaffen hat. Für diese Kartografie verwende ich konventionelle und digitale Bilder, lineares und poetisches Schreiben sowie auch Klangbilder. Es sind offene Landkarten, die den Betrachter einladen diese sinnlich zu erleben.

Meine künstlerische Praxis steht schon immer in einem engen Zusammenhang mit dem Konzept des Reisens. Das Reisen ermöglicht es den Menschen ihre Mentalität, ihre Selbstwahrnehmung und ihr Zeitgefühl zu verändern. Das Reisen hat seine Ursprünge in der Jagd und transportiert eine Botschaft aus der Urzeit. Auf Reisen wird der Mensch mit allen möglichen Bildern konfrontiert: natürlichen, menschengemachten bis hin zu virtuellen. Während man sich im Labyrinth der Bilder zu orientieren versucht, verirrt man sich jedoch immer mehr. In seinem Buch Für eine Philosophie der Fotografie beschreibt Vilém Flusser den Unterschied von traditionellen und technischen Bildern. Traditionelle Bilder funktionieren wie Landkarten und helfen dem Menschen sich in realer und geistiger Hinsicht zu orientieren. Die „Technobilder“ jedoch werden zu Sehnsuchtsorten. Die Menschen leben in diesen Bildern, wobei sie sich permanent in dem Urwald der Bilder verirren – sei es in Produkten, Medien oder Bildschirmen.
 
Reisen ist nicht einfach die physikalische Bewegung von einem Ort zu einem anderen, es geht dabei auch um den Wechsel zwischen verschiedenen Kulturen und Geistesgeschichten. Auf Reisen geraten feste Prinzipien ins Wanken, die Dinge ordnen sich neu, es finden neue Vernetzungen statt. Während der Wunsch nach Geschwindigkeit brutale Ausmaße erreicht und man der sozialen Überwachung nicht mehr entkommen kann, versuche ich in einem aus Bedeutung und Form zusammengesetzten vielfältigen Kosmos zu navigieren. Ich lüfte den Schleier, zeige die magischen Eigenschaften technischer Bilder und erstelle so winzige wie raffinierte materielle und geistige Weltkarten.

Übersetzung: Julia Buddeberg (aus dem Chinesischen)